Trainer Adi Hütter bedankt sich bei den Gladbacher Spielern. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Federico Gambarini/dpa)

Bei der Frage nach der Zukunft führt die Spur in die Vergangenheit. Der einstige Gladbacher Erfolgscoach Lucien Favre gilt bei der Borussia als heißer Anwärter auf die Nachfolge von Adi Hütter, dessen Ära im Borussia-Park schneller endete als erwartet.

Noch hält sich der Club bedeckt. Doch nach Informationen des Senders Sky habe es schon erste Gespräche mit dem vom 2011 bis 2015 in Gladbach tätigen Schweizer gegeben.

«Wir müssen schon ein bisschen Geduld haben und erst mal schauen, wer auf dem Markt ist», sagte Vize-Präsident Rainer Bonhof. «Wir werden nicht morgen oder nächste Woche den Trainer präsentieren, man muss schon ein bisschen überschaubare Geduld haben», sagte der Weltmeister von 1974 nach dem 5:1 im letzten Saisonspiel gegen 1899 Hoffenheim. «Es gibt da noch nichts zu verkünden», sagte Borussias neuer Geschäftsführer Markus Aretz.

Trennung von Hütter nicht überraschend

Mit der Trennung von Hütter endete auch der zweite Versuch vorzeitig, auf der Cheftrainerposition einen Weiterentwickler langfristig zu etablieren. Beide vom ehemaligen Sportdirektor Max Eberl eingeleiteten Fälle kosteten den Club viel Geld und brachten wenig Entwicklung.

Hütters Abschied kam nicht überraschend, aber dann doch sehr plötzlich. «Die finale Entscheidung fiel am Freitag», erklärte der Coach. Die Gespräche liefen schon länger. Die eigentlich auf drei Jahre ausgelegte Zusammenarbeit, die sich der Club 7,5 Millionen Euro Ablöse kosten ließ, stand von Beginn unter einem schlechten Stern.

«Vom ersten Tag an war es nicht so einfach und dann die Situation mit Max Eberl, die mich schon getroffen hat», erklärte Hütter. Der 52-Jährige war auch unter anderen Voraussetzungen an den Niederrhein gekommen und traf nicht die glücklichsten Entscheidungen. «Ich hätte sicher das eine oder andere besser machen können», sagte Hütter.

Die Trennung stand bereits am Tag vor dem Spiel fest. Die Mannschaft erfuhr es dann nach dem Spiel gegen Hoffenheim in der Kabine. «Dem Trainer war es wichtig, uns seinen Abschied persönlich mitzuteilen, er hat jeden noch einmal umarmt und schöne Worte gefunden. Wenn ein Trainer seinen Abschied verkündet, ist das nie schön», sagte Doppel-Torschütze Jonas Hofmann.

«Das war ein sehr emotionaler Moment, der sehr unter die Haut geht», sagte Hütter, der auch selbst gemerkt hat, dass er wohl doch nicht der «am besten passendste» Trainer für Borussia ist, wie es einst Eberl angekündigt hatte. «Die Entscheidung ist zu akzeptieren. Ich möchte niemandem im Wege stehen», erklärte der Österreicher, der stilvoll abtrat ohne nachzukarten.

Die finanziellen Dinge haben sich wohl auch zu seiner Zufriedenheit schnell mit Gladbachs Finanzchef regeln lassen. «Ich möchte Stephan Schippers ein großes Kompliment aussprechen, der in dieser Situation mit meinem Berater eine sehr gute Lösung gefunden hat», sagte Hütter, der sich erst einmal auf seinen Urlaub freut. «Ich habe noch keinen Plan wie es weitergeht. Das ist auch kein einfacher Tag, sowohl für mich als auch den Verein.»

Kommt Favre zurück?

Favre, der den Club schon einmal 2011 aus einer prekären Situation rettete und für den Aufschwung der vergangenen zehn Jahre steht, würde nicht nur aus sportlichen Gründen passen – auch wenn er sich 2015 durch die Hintertür verabschiedet hat. Borussia bedient sich gerne aus den eigenen Reihen, bei ehemaligen Spielern oder Trainern. Auch die Sportdirektoren kamen zuletzt nur noch aus dem eigenen Haus.

Die Trainersuche wird auch zur ersten echten Bewährungsprobe für Roland Virkus. Hütter war Eberls Trainer. Jetzt hat sein Nachfolger die Chance, seinen Chefcoach zu finden. Gut möglich, dass auch Virkus auf dem traditionellen Borussen-Weg fündig wird. «Unsere Aufgabe ist es nun, die Schlüsse aus der Aufarbeitung der Saison zu ziehen und die entsprechenden Maßnahmen in die Wege zu leiten, um Ende Juni in einer neuen Konstellation in die Vorbereitung auf die neue Saison zu gehen», sagte Virkus.

Von Morten Ritter, dpa

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