Neuer Sportdirektor bei Hertha BSC: Benjamin Weber. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andreas Gora/dpa)

Kay Bernstein bat um Verständnis für seine Nervosität nach emotional aufreibenden Stunden beim Krisenclub Hertha BSC. «Das ist meine erste Pressekonferenz in der Form», sagte der 42 Jahre alte Vereinspräsident – und die hatte es in sich.

Der Unternehmer, der seit den 1990er-Jahren zu den treuesten Fans des Hauptstadtclubs gehört, musste die überraschende Trennung von Geschäftsführer Fredi Bobic am Vortag erklären, was nur in Grundzügen gelang. Dafür bekam Trainer Sandro Schwarz das Vertrauen ausgesprochen, und eine Lösung für die Bobic-Nachfolge wurde auch präsentiert.

Rückendeckung für Trainer Schwarz

«Sandro hat volle Rückendeckung. Wir glauben, dass wir eine Kontinuität auf der Position brauchen», sagte Bernstein. Neben ihm saß der Ur-Herthaner Benjamin Weber, der unterstützt von Ex-Profi Andreas «Zecke» Neuendorf ab sofort als Sportdirektor übernimmt. Mit ernster Miene führte Bernstein die Gründe für den Umbruch aus, der die am Samstag im Derby gegen den 1. FC Union (0:2) wieder unterlegenen Berliner doch noch vor dem Abstieg retten soll.

«Ich mache mir natürlich Sorgen, wie alle anderen da draußen. Wir Herthaner gehen morgen zur Arbeit und müssen die nächste Derby-Niederlage verkraften», sagte der Clubpräsident. «Dennoch ist es unsere Überzeugung und unser Glaube an diesen Verein, dass wir das drehen können.»

Bobic habe «sachlich, inhaltlich, unemotional» auf die Entscheidung reagiert, sagte Bernstein. «Er war überrascht und gefasst.» Man sei nicht im Streit auseinander gegangen. Die Trennung von Bobic wurde laut Bernstein schon vor der erneuten Derby-Pleite vorbereitet. «Es war für uns in den Gremien eine Verantwortung, einen Kurswechsel vorzunehmen», sagte der frühere Ultra. Bobic musste an seinem 607. Tag im Amt gehen.

Bobic äußert sich nicht zur Trennung

Der Europameister von 1996, der den Erfolg von Eintracht Frankfurt mitverantwortet hatte, hatte keine Argumente mehr auf seiner Seite. Bis Sonntagnachmittag äußerte sich Bobic nicht zur Trennung. Zuletzt war sein Name in Zusammenhang mit der Direktorensuche beim Deutschen Fußball-Bund genannt worden – bei der Hertha kam das vermeintlich nicht gut an. Bernstein betonte aber, das habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt.

Anders als eine Klausel im Vertrag von Bobic, der sich Medienberichten zufolge bald um zwei Jahre bis 2026 verlängert hätte. «Es war ein Faktor. Die Entwicklung des Kaders und dass wir Stand jetzt bei drei Siegen stehen ist ein zweiter», sagte Bernstein. Dazu kommt die wirtschaftliche Konsolidierung, bei der «unglaublich Druck auf dem Kessel» sei, wie es Aufsichtsratschef Klaus Brüggemann ausdrückte.

«Es ist eine aktive und bewusste Entscheidung für einen Hertha-Weg», sagte Bernstein. «Eine Entscheidung, zu der uns unser wirtschaftlicher Rahmen auch ein Stück weit zwingt. Wir müssen aus der Not eine Tugend machen.»

Der Tabellen-17. will sich voll und ganz auf sich selbst besinnen. «Wir brauchen unseren Hertha-Weg. Wir brauchen mehr Leidenschaft, mehr Überzeugung, mehr Hertha-DNA, auch im Vorleben, im täglichen Brennen für den Verein», sagte Bernstein. Dafür sollen der neue Sportdirektor Weber und Club-Legende Neuendorf sorgen.

Weber ohne Erfahrung als Sportdirektor

Weber war zuvor insgesamt knapp 18 Jahre in verschiedenen Funktionen für den Club tätig, war unter anderem mit viel Erfolg Leiter der Nachwuchs-Akademie. «Die Akademie ist eines der Vorzeigemodelle unseres Vereins», sagte Bernstein. Sie soll alleine schon aus wirtschaftlichen Zwängen noch eine größere Rolle spielen. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich so schnell zu meinem Verein zurückkomme», sagte Weber. «Ich habe den Weg gut wiedergefunden. Es war wie nach Hause zu kommen».

Erfahrung als Sportdirektor hat Weber indes nicht, Neuendorf war bei der Hertha zuletzt als Co-Trainer tätig. «Es ist ein mutiger Weg», sagte Bernstein. «Die meisten von euch haben sicher damit gerechnet, dass Horst Heldt hier sitzt, dass Andreas Rettig hier sitzt. Wir sind aber überzeugt von diesem Weg», sagte er.

Der 42 Jahre alte Weber, der im Frühjahr einen Management-Lehrgang von DFL und DFB abschloss, sagte, er «brenne drauf loszulegen» und ergänzte mit Blick auf das Ende des Transferfensters am Dienstag:«Das ist natürlich ein Thema, da noch zu schauen, was möglich ist.» Nur Spielern aus dem Nachwuchs werde es natürlich nicht gehen.

David Langenbein und Jens Marx, dpa

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