Teddy Teuma (r) von Royale Union Saint-Gilloise dreht nach seinem Treffer jubelnd ab. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Laurie Dieffembacq/Belga/dpa)

Die mitgereisten Union-Fans feierten trotz des Ausscheidens schon vor dem Abpfiff, auf dem Rasen des Lotto-Parks von Anderlecht nahm die Europareise ihrer Mannschaft derweil ein unglückliches Ende.

Beim Namensvetter Royale Union Saint-Gilloise verpasste der Fußball-Bundesligist den historischen Einzug ins Viertelfinale der Europa League. Die Belgier waren den müden Berlinern, die nun schon seit fünf Spielen ohne Sieg sind, beim 3:0 (1:0) klar überlegen.

Teddy Teuma (18. Minute) stellte die Weichen für die Gastgeber mit seinem Tor früh auf Sieg. Lazare Amani (63.) machte alles klar, Loic Lapoussin (90.+4) sorgte sogar noch für Unions höchste Europapokal-Niederlage. Der eingewechselte Janik Haberer sah zuvor wegen wiederholten Foulspiels in der 80. Minute die Gelb-Rote Karte.

Spieler gefrustet

«Wir wurden heute über 90 Minuten abgefertigt, das war nicht Union-like. Weil wir es wieder nicht geschafft haben, unsere Fehler abzustellen», sagte Kapitän Rani Khedira bei RTL. Abwehrspieler Robin Knoche ärgerte sich über seinen Patzer vor dem 0:1. «Das ist natürlich ganz, ganz bitter. Auch heute hat uns die Durchschlagskraft ein bisschen gefehlt», sagte Knoche. «Im Moment überwiegt eher die Enttäuschung, weil Du die Chance hattest, ins Viertelfinale einzuziehen», lautete Knoches Europa-Bilanz.

Die Eisernen hatten in ihrem schon 14. Pflichtspiel in diesem Jahr nichts entgegenzusetzen. Statt auf einen Kracher wie Juventus Turin oder Manchester United als nächsten internationalen Kontrahenten zu hoffen, müssen sich die Berliner nun auf den Bundesliga-Endspurt konzentrieren.

Der Trost: Die Qualifikation für die Champions League in der kommenden Saison ist da weiter drin. Am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) kommt Eintracht Frankfurt als direkter Konkurrent im Duell der enttäuschten Europacup-Verlierer dieser Woche ins Stadion an der Alten Försterei.

Bloß keine haarsträubenden individuellen Fehler wie beim wilden 3:3 im Hinspiel – das hatte Trainer Urs Fischer als seine Erwartung klargemacht. In der sechsten Minute leistete sich Diogo Leite genau einen solchen. Simon Adingras Schuss konnte Knoche noch kurz vor der Linie klären. Victor Boniface setzte den zurückspringenden Ball an den Pfosten. Die Power von Saint-Gilloise hätten die Berliner aus den schon drei Duellen in Gruppenphase und Hinspiel besser kennen können.

Letzte Auslandsreise in dieser Saison

Schnell wurde den rund 2000 treuen Union-Fans klar, dass das ihre letzte Auslandsreise in dieser Saison sein würde. Nach der UEFA-Androhung einer Auswärtssperre wurde diesmal keine Pyrotechnik abgebrannt. Ein Banner mit Schimpftirade gegen den Verband war Form des Protests.

Als wieder Leite sich nach Knoches riskantem Zuspiel von Adingra überrumpeln ließ, drosch Teuma den Ball flach ins Tor. Kapitän Khedira versuchte mit Körpersprache Trotz und Durchhaltewillen zu demonstrieren. Es blieb bei dem Versuch. Saint-Gilloise spulte sein Pensum in einem den Gegner entnervenden Takt herunter, wie es Union Berlin in Bestform zu tun pflegt.

Als in der zweiten Halbzeit das Gefühl hauchzart aufkam, Union könne mit einem Glücksschuss vielleicht die Verlängerung erzwingen, spielte Boniface seinen Kollegen Amani frei, der schoss ein und feierte mit einem Flickflack. Nicht nur die besseren Fußballer, auch noch die besseren Bodenturner stellte an diesem Abend die belgische Union. Sheraldo Becker (87.) verhinderte kurz vor der Linie mit einer Rettungstat zunächst das 0:3 durch Boniface, ehe Lapoussin den Schlusspunkt setzte.

Arne Richter und Robert Semmler, dpa

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