Daniel Farke ist nicht mehr Trainer bei Borussia Mönchengladbach. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Roberto Pfeil/dpa)

Viele blutleere Auftritte, kein spielerischer Fortschritt: Borussia Mönchengladbach hat die Konsequenzen einer enttäuschenden Saison gezogen und sich nach nur einem Jahr von Trainer Daniel Farke getrennt.

«Nach mehreren intensiven Gesprächen sind Daniel Farke und wir zu dem Ergebnis gekommen, getrennte Wege zu gehen», sagte Sportdirektor Roland Virkus laut Vereinsmitteilung vom Freitag. Überraschend war diese Entscheidung nicht mehr. Sie hatte sich seit Wochen angedeutet. Den geplanten Neuaufbau muss nun ein anderer Coach übernehmen. Wer das sein wird, ließ der Verein offen.

Gladbach nur ein Jahr mit Farke

Farke war erst im vergangenen Sommer verpflichtet worden und hatte einen Vertrag bis zum 30. Juni 2025 unterschrieben. Sportchef Virkus war vom 46-Jährigen damals völlig begeistert gewesen und plante eine langfristige Zusammenarbeit. Wie für Farkes Vorgänger Adi Hütter reichte es letztendlich aber nur zu einer Saison im Borussia-Park.

Farke hatte den Umbruch des Teams einleiten und eine bessere Platzierung als in der abgelaufenen Spielzeit erreichen sollen. Die Borussia beendete die Saison erneut auf Rang zehn, holte mit 43 Punkten aber zwei weniger als im Vorjahr.

Mindestens genauso stark wie die reine Punkteausbeute dürfte bei der Trennungs-Entscheidung der Gladbacher Bosse jedoch die Leistung der Mannschaft in vielen Partien ins Gewicht gefallen sein. Spielerisch war kein Fortschritt erkennbar. Vor allem auswärts und gegen eigentlich schwächer besetzte Gegner enttäuschte Gladbach häufig.

Farke kein Fanliebling

Bei vielen Fans stand Farke schon länger in der Kritik. Bei Heimspielen wurde er mehrfach ausgepfiffen. Nach Ansicht zahlreicher Anhänger nahm Farke das Team auch nach schwachen Auftritten zu sehr in Schutz.

Führungsspieler der Borussia hatten sich zuletzt noch für den Trainer und gegen eine Trennung ausgesprochen. «Wir spielen, so wie wir spielen, seit zweieinhalb Jahren. Es lag letztes Jahr nicht am Trainer, es lag davor nicht am Trainer, es liegt dieses Jahr nicht am Trainer», hatte Mittelfeldspieler Christoph Kramer nach dem 2:2 bei Bayer Leverkusen am vorletzten Spieltag gesagt. «Wir dürfen uns nicht immer Alibis geben. Sollen wir jetzt den nächsten Trainer holen und danach wieder den nächsten Trainer? Das ist Quatsch», hatte Kramer ausgeführt.

Schon vor dem Leverkusen-Spiel am 21. Mai hatte die «Rheinische Post» berichtet, eine Trennung von Farke stünde fest. Virkus hatte das damals vehement dementiert. Der 56 Jahre alte Nachfolger des langjährigen Sportchefs Max Eberl, auf den der Druck nun ebenfalls zunimmt, verwies zuletzt stets auf die große Analyse nach der Saison.

Seoane und Polanski mögliche Nachfolger

Als mögliche Nachfolger für Farke gelten der frühere Leverkusener Coach Gerardo Seoane und Gladbachs U23-Trainer Eugen Polanski. Auch der scheidende Frankfurter Coach Oliver Glasner und der frühere Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl sollen Kandidaten sein.

Klar ist: Auf Farkes Nachfolger kommt eine Menge Arbeit zu. Schon zwei seiner Vorgänger bekamen die Probleme des Teams nicht in den Griff. Die Mannschaft wirkte oft lethargisch. In Spielen, in denen vor allem Einsatzbereitschaft gefragt ist, konnte sie häufig nicht dagegenhalten. Ihr fußballerisch hohes Potenzial rief sie zu selten ab.

Zudem muss die Borussia wichtige Spieler ersetzen. So verlassen Kapitän Lars Stindl, Topstürmer Marcus Thuram und Linksverteidiger Ramy Bensebaini den Verein. Der Borussia steht ein intensiver Sommer bevor. Mit Farke werden auch dessen Co-Trainer Edmund Riemer, Christopher John und Chris Domogalla den Verein verlassen.

Thomas Eßer und Morten Ritter, dpa

Von