Viel Liebe für Lena Oberdorf bei Bayerns Supercup-Sieg
Hoch damit: Lena Oberdorf darf als Erste den Supercup präsentieren. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Uli Deck/dpa)

Wo Lena Oberdorf aufkreuzt, sind kleine Späße garantiert. Als die Nationalspielerin nach ihrem heiß ersehnten ersten Pflichtspiel für den FC Bayern München in ihren pinken Fußballschuhen mit Beckham-Aufschrift zur Fragerunde mit der Reporterschar schritt, musste sie an der ebenfalls interviewten Wolfsburgerin Svenja Huth vorbei. Oberdorf stupste ihre Ex-Kollegin grinsend an, die sich wiederum mit einem freundschaftlichen Klaps auf den Po revanchierte.

Es herrschte gute Laune im Stadionbauch des Karlsruher Wildparks nach dem 4:2 (2:0)-Sieg der Münchnerinnen im Supercup, weil alle froh waren, «Obi» endlich wieder Fußball vor großer Kulisse spielen zu sehen. Am glücklichsten wirkte Oberdorf selbst, die neben dem Titelgewinn vor 16.933 Zuschauerinnen und Zuschauern ihre Rückkehr nach 410 Tagen Pause sichtlich genoss.

Oberdorf: «Happy, dass alles gehalten hat»

«Ich bin gerade einfach froh, dass ich wieder Fußball spiele», erklärte die 23-Jährige mit einem Strahlen in den Augen. Am 16. Juli 2024 hatte sie sich im EM-Quali-Spiel gegen Österreich einen Kreuzbandriss zugezogen und ihre erste Saison in München nach dem Rekordwechsel für 400.000 Euro Ablöse aus Wolfsburg komplett verpasst. Nun sei sie «einfach happy, dass alles gehalten hat, wir den ersten Titel geholt haben und ich fit im Training bin, fit im Spiel bin. Alles andere kommt dann, wenn es kommen soll.»

Oberdorf an beiden Elfmetern beteiligt

Die Cleverness hat sie schon wieder, zumindest im gegnerischen Strafraum. Den strittigen Foulelfmeter, der zum 4:1 durch Georgia Stanway (78. Minute) führte, holte sie geschickt heraus. «Ich weiß jetzt nicht genau, wie stark der Kontakt war, aber ich glaube, wenn man im Sechzehner gehalten wird, kann man es mal probieren», sagte Oberdorf über die Szene, infolgedessen Wolfsburgs Justine Kielland Gelb-Rot sah.

«Und selbst wenn es nicht berechtigt war», wandte Oberdorf ein, habe sie es auf der anderen Seite «ja wieder ausgeglichen». Gemeint war ihr Foul an VfL-Stürmerin Lineth Beerensteyn im Bayern-Strafraum, das DFB-Vizekapitänin Janina Minge das Elfmeter-Tor zum 2:4-Endstand ermöglichte (88.). Zuvor hatten Traumtore von Magdalena Eriksson (18. Minute) und Nationalstürmerin Lea Schüller (72.) sowie ein Sololauf von Jovana Damnjanovic (25.) für klare Verhältnisse zugunsten der Münchnerinnen gesorgt. Für den VfL traf Vivien Endemann (58.) zum zwischenzeitlichen 1:2.

Pokal-Übergabe? «Ich wusste davon nichts»

Bei der Pokal-Übergabe stand dann wieder Oberdorf im Blickpunkt. Statt Kapitänin Sarah Zadrazil durfte sie die mächtige Silbertrophäe als Erste in den Himmel recken und sich unter silbernem Konfettiregen feiern lassen. «Ich wusste davon nichts. Ich habe das dann in dem Moment erfahren und ich muss ehrlich sagen, ich bin gar kein Typ für so einen Mittelpunkt und den Pokal nehmen und so», sagte Oberdorf. Als «schöne Wertschätzung vom Team» habe sie die Geste empfunden.

Welchen Stellenwert die dynamische Mittelfeldspielerin genießt, offenbarte schon ihre Einwechslung in der 62. Minute, als die Fans tosend applaudierten. «Ich bin draufgelaufen, das Stadion war laut. Das sind natürlich die Momente, wofür man dann als Sportler irgendwie auch lebt und wofür man dann nachher auch alles gibt, was man sich jeden Tag irgendwie auch vorstellt», sagte Oberdorf.

Viele Momente wie in der «Hölle»

In den Stunden ihres Glücks sprach sie aber auch noch mal über jene zahlreichen Momente, die ihr wie «die Hölle» vorgekommen waren: «Wenn andere auf den Platz gehen, Fußball spielen, selber im Gym zu sitzen und Gewichte zu stemmen, nicht in der Lage zu sein, bei den Spielern auf dem Platz zu stehen, sondern auf der Tribüne zu sitzen, keine Abläufe mitzubekommen, ins Hotel nicht zu fahren, keine Auswärtsfahrten mitzufahren, nicht im Bus zu sein, ein Jahr lang keinen Busplatz zu haben, den ich mir jetzt ergattert habe neben Linda Dallmann.»

Die genannte Spielmacherin lobte derweil Oberdorfs «unglaubliche Qualität», während Neu-Trainer José Barcala die Flexibilität der nominellen defensiven Mittelfeldspielerin hervorhob. «Sie ist eine Spitzenspielerin. Sie ist eine Spielmacherin. Sie kann jede Position im Zentrum spielen», meinte der 43-Jährige, der Oberdorf auch die Rolle als Zehnerin wie phasenweise gegen Wolfsburg zutraut. Sein Fazit: «Es ist fantastisch, Lena Oberdorf wieder dabei zu haben.»

David Joram, dpa

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