St.-Pauli-Präsident Göttlich fordert Debatte über WM-Boykott
St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich. (Archivbild) (Urheber/Quelle/Verbreiter: Gregor Fischer/dpa)

Der DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich fordert wegen des Verhaltens von US-Präsident Donald Trump mindestens eine Diskussion über den Boykott der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. «Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen», sagte Göttlich in einem Interview der «Hamburger Morgenpost». «Was waren denn die Begründungen für die Olympia-Boykotts in den 1980er-Jahren? Meiner Einschätzung nach ist das Bedrohungspotenzial aktuell größer als damals. Wir müssen diese Diskussion führen.»

Der Präsident des FC St. Pauli lässt auch den Einwand nicht gelten, dass ein Boykott des WM-Turniers in diesem Sommer auch den eigenen Nationalspielern Jackson Irvine, Connor Metcalfe (beide Australien) und Joel Chima Fujita (Japan) schaden würde. «Das Leben eines Profifußballers ist nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschiedenen Regionen, die derzeit von dem WM-Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden», entgegnete der 50-Jährige.

Göttlich fordert: «Werte verteidigen»

Als stellvertretender Sprecher des Präsidiums der Deutschen Fußball Liga (DFL) gehört Göttlich auch dem Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an. In der WM-Frage scheut er auch einen möglichen Konflikt mit dem DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf und FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht.

«Katar war allen zu politisch und deshalb sind wir jetzt völlig unpolitisch?! Das ist etwas, was mich sehr, sehr, sehr anstrengt», sagte Göttlich ganz allgemein. «Wir verlernen es als Organisationen und Gesellschaft gerade, Tabus und Grenzen zu setzen und Werte zu verteidigen. Tabus sind ein wesentlicher Bestandteil von Haltung. Ist das Tabu erreicht, wenn jemand droht? Ist das Tabu erreicht, wenn jemand angreift? Wenn Menschen sterben? Ich wüsste gern von Donald Trump, wo sein Tabu erreicht ist, und ich wüsste es gern von Bernd Neuendorf und von Gianni Infantino.»

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