Herthas Jonjoe Kenny verlässt nach dem 0:5-Debakel gegen Wolfsburg den Platz. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Soeren Stache/dpa)

Hertha BSC zeigt gegen den VfL Wolfsburg eine teilweise desaströse Leistung und hängt nach der Hinrunde der Fußball-Bundesliga auf dem 17. Platz fest. Nach dem 0:5 gegen die Niedersachsen kündigte Manager Fredi Bobic harte Tage bis zum Derby am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den 1. FC Union Berlin an.

Die Erkenntnisse aus dem Debakel:

  • Was den Lokalrivalen Union stark macht, geht der Hertha komplett ab. Es steht kein Team auf dem Platz. Das Selbstvertrauen ist minimal und der letzte Glaube schwindet nach Rückschlägen wie einem frühen Gegentor schnell. Trainer Sandro Schwarz sagt: Es gehe nun darum, «Samstag, 15.30 Uhr den Glauben zu haben, jeden Zweikampf so zu führen, dass du ihn gewinnen kannst». Eine Selbstverständlichkeit, die der Hertha fehlt.
  • Der Hertha fehlt auch ein echter Anführer. Kevin-Prince Boateng versucht, von der Ersatzbank die Rolle zu übernehmen. Vor der zweiten Halbzeit gegen Wolfsburg schwor er das Team ein. Doch die Berliner brauchen einen wie ihn auf dem Platz – wie in der Relegation gegen den Hamburger SV im Vorjahr. Weder Kapitän Marvin Plattenhardt noch dessen Stellvertreter Lucas Tousart haben die nötige Aura.
  • Die Diskussion ist da und sie wird schärfer werden bei jedem weiteren Misserfolg. Trainer Schwarz wird fachlich wie menschlich geschätzt, liefert aber keine Resultate. «Ich habe ganz großes Vertrauen, weil er absolut und nicht mal ansatzweise zur Diskussion steht», sagte Bobic. «Wir ziehen voll durch.» Bis in die 2. Liga – mit Schwarz? Gegen den Reflex der Trainer-Trennung spricht: Die Hertha hat kein Geld für einen Feuerwehrmann wie Felix Magath im Vorjahr.
  • Der größte Erfolg unter Schwarz war, die Fan-Herzen zurückzugewinnen. Die miese Berliner Laune der Vorsaison war verflogen. Doch die Stimmung kippt. Geht auch das Derby klar verloren, dürften die Ressentiments von Fans zur Mannschaft schnell wieder eine Rolle spielen.

Von