Münchens Neuzugang Joao Cancelo (r) zieht im Dribbling am Mainzer Edmilson Fernandes vorbei. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Torsten Silz/dpa)

Neuzugang João Cancelo war gerade eine gute Viertelstunde für den FC Bayern auf dem Platz, als er sich Trainer Julian Nagelsmann schon widersetzte.

«Dafür bekommt er keinen Anschiss», versicherte der Coach nach dem 4:0 (3:0) und dem Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals gegen den FSV Mainz 05. Statt wie aufgefordert zurückzuspielen, flankte der portugiesischen Nationalspieler auf Eric-Maxim Choupo-Moting, der die präzise Hereingabe in der 18. Minute zum Führungstor verwandelte. 

«Es war eine gute Flanke, aber wie Choupo-Moting sie vollendet hat, war noch mal besser», sagte der 28-jährige Leihspieler von Manchester City bescheiden. «Ich bin sehr glücklich, zu diesem Sieg beigetragen zu haben.» Abgesehen von dieser kunstvollen Vorarbeit erhielt er viel Lob für sein Blitzdebüt nur einen Tag nach seiner Ankunft in München. «Er hat es sehr gut gemacht und das umgesetzt, was wir wollten. Er hat eine extrem gute Kreativität», kommentierte Nagelsmann die Cancelo-Premiere.

«Ein ziemlich guter Auftritt»

«Für sein erstes Spiel in einer neuen Mannschaft war das ein ziemlich guter Auftritt», sagte Kapitän Thomas Müller. «Es war ein top Start.»  Als Bereicherung empfindet auch Joshua Kimmich den Neuen auf der Außenbahn. «Ich hoffe und gehe davon aus, dass wir noch sehr viel Spaß mit ihm haben werden», sagte er.

Weniger Freude an dem gelungenen Transfercoup der Münchner hatten die Mainzer. «Es ist kaum zu glauben, dass der FC Bayern sich noch verstärken kann. Sie haben es tatsächlich geschafft», sagte 05-Sportdirektor Martin Schmidt nach dem Pokal-Aus, bei dem Jamal Musiala (30.), Leroy Sané (44.) und Alphonso Davies (83.) die weiteren Treffer beisteuerten.

Nach dem Fehlstart ins neue Jahr mit drei Unentschieden und dem Krisengerede beim Branchenführer herrschte nach dem überzeugenden Befreiungsschlag nun wieder gute Laune. «Es gibt schlimmere Krisen», sagte Nagelsmann, der mit der unerwarteten Umstellung des Spielsystems von Vierer- auf Dreierkette neuen Esprit in die Offensive brachte. «Wir haben von der ersten Minute an gezeigt, wer gewinnen will», betonte Kimmich. 

Remis-Serie gegen Wolfsburg beenden

Beim VfL Wolfsburg soll am Sonntag (17.30Uhr/DAZN) auch in der Bundesliga die Remis-Serie beendet werden, «weil sonst der Vorsprung in der Tabelle weg ist», so Nagelsmann. Der 1. FC Union Berlin hat nur einen Punkt weniger auf dem Konto.

«Gegen Mainz hat die Mannschaft erstmals in diesem Jahr ihr wahres Gesicht gezeigt», twitterte der nach dem Fehlstart ungehaltene Vorstandschef Oliver Kahn nun anerkennend. «Diese Einstellung müssen wir nun aber auch in der Bundesliga direkt gegen Wolfsburg auf den Platz bringen.»

Auch Präsident Herbert Hainer war nach der Pokal-Gala gegen überforderte Mainzer wieder hoffnungsvoll. «Die Mannschaft hat wieder gezeigt, wozu sie in der Lage ist. Diese Begeisterung und Gier, gewinnen zu wollen, will ich in Wolfsburg wiedersehen», forderte er. Am Trainer hat er in dieser Mini-Krise nie gezweifelt: «Julian findet immer Lösungen. Ich war überzeugt, dass eine auch diesmal findet.»

Sehr angetan war Hainer zudem von der Cancelo-Premiere im Bayern-Dress: «Super. Man hat gesehen, was für ein klasse Fußballer er ist. Er wird uns echt guttun.» Wenn die Münchner die gesicherte Kaufoption über 70 Millionen Euro nutzen, könnten sie über das Saisonende hinaus lange Freude an ihm haben.

Andreas Schirmer, dpa

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