Überraschendes Aus: Sportvorstand Kuntz hört beim HSV auf
Stefan Kuntz hört beim HSV als Sportvorstand auf. (Archivbild) (Urheber/Quelle/Verbreiter: Christian Charisius/dpa)

Bundesliga-Aufsteiger Hamburger SV startete nach der ordentlichen Hinrunde in der Bundesliga besinnlich in die Winterpause, doch mit der Ruhe war es spätestens zum Trainingsauftakt im neuen Jahr vorbei: Stefan Kuntz – einer der Architekten des Aufstiegs – hört überraschend als Sportvorstand des norddeutschen Traditionsclubs auf. 

Die Mitteilung dürfte bei vielen Fans für einen kleinen Schock gesorgt haben. Am Freitagmorgen verkündeten die Hanseaten, dass sich der HSV und Kuntz auf die Auflösung des Vertrags geeinigt haben. Der 63-Jährige hatte den Aufsichtsrat der AG nach den Weihnachtsfeiertagen aus persönlichen familiären Gründen um eine sofortige Beendigung seiner Tätigkeit zum 31. Dezember 2025 gebeten, hieß es in der Mitteilung. 

Kuntz: «Es war mir eine große Ehre»

«Manchmal gibt es wichtigere Dinge als Fußball. Das ist nun bei mir der Fall. Mehr möchte ich dazu nicht sagen und bitte darum, dies zu respektieren», wird Kuntz in dem Statement zitiert. «Dem HSV danke ich für tolle anderthalb Jahre. Ich wünsche den Teams und der gesamten Geschäftsstelle weiterhin das Beste», fügte er hinzu. 

Auch in einem Statement auf der Plattform Instagram nannte er keine weiteren Details. «Es war mir eine große Ehre, Teil dieses besonderen Vereins zu sein. Die Zeit beim HSV war intensiv, emotional und geprägt von echten Werten», hieß es in dem Beitrag auf Kuntz‘ Profil unter anderem. 

Ex-Profi Kuntz war in der Vergangenheit Trainer der deutschen U21-Nationalmannschaft und Nationalcoach der Türkei. Im Mai 2024 übernahm er das Amt beim HSV, das zuvor Jonas Boldt innehatte. In der anschließenden Saison hatte er mit dem Festhalten am damals unerfahrenen Trainer Merlin Polzin nach dem sportlichen Ende von Ex-Coach Steffen Baumgart großen Anteil daran, dass der Club nach sieben Jahren Zweitliga-Zugehörigkeit 2025 wieder in die Bundesliga aufstieg. Im vergangenen Jahr feierte der Club in der Innenstadt eine schillernde Aufstiegsparty. 

Papenfuß: «Gut aufgestellt»

Die Meldung von Kuntz Abgang kam nun äußerst überraschend. Denn zuletzt drehten sich Schlagzeilen in Bezug auf Kuntz vor allem um die Verlängerung seines im kommenden Sommer auslaufenden Vertrags. Dabei hatte es nach außen kaum wahrnehmbare Zeichen gegeben, dass Kuntz beim Trainingsstart des Clubs am Freitag nicht mehr als Sportvorstand im Amt sein würde.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Papenfuß ließ allerdings durchklingen, dass die vergangenen Tage rund um das Volksparkstadion nicht allzu alltäglich waren. «Die Zeit zwischen den Jahren war sehr intensiv und kein sanfter Ausklang des Jahres 2025. Es haben viele Gespräche in unterschiedlichen Konstellationen stattgefunden. Bitte akzeptieren Sie, dass ich keine vertraulichen Details preisgebe», sagte er in einem Interview auf der Vereinswebsite. 

«Wir entsprechen Stefans Wunsch einer vorzeitigen Vertragsauflösung und einer sofortigen Freistellung von seinen Aufgaben. Was die Gründe dafür betrifft, so respektieren wir Stefans Wunsch nach Privatsphäre vollumfänglich», sagte Papenfuß weiter. Als Rückschlag wollte Papenfuß das Aus nicht sehen, eher als «eine Herausforderung, eine neue Situation, für die wir aber gewappnet sind».

Vorerst will der Club mit dem vorhandenen Personal weiter agieren. «Wir haben in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt und sind mit Vorstand Eric Huwer und einer starken zweiten Führungsebene gut aufgestellt für die kommenden Aufgaben», sagte Papenfuß. Huwer war neben Kuntz vor allem für die Finanzen des Clubs zuständig. 

Hinsichtlich einer möglichen langfristigen Lösung sagte Papenfuß: «Wir haben im Aufsichtsrat dennoch längst begonnen, uns dazu auszutauschen und werden eine Entscheidung treffen, wenn wir sie mit Blick auf den HSV für die richtige halten. Wir haben keinen Zeitdruck, sind wettbewerbs- und handlungsfähig».

Am Freitag nahmen die Profis des Tabellen-13. der Bundesliga das Training wieder auf. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky), den 10. Januar, steht das erste Spiel des Jahres an, wenn der HSV zum SC Freiburg reist. Drei Tage später ist Champions-League-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen am Dienstag (20.30 Uhr) zum letzten Spiel der Hinrunde zu Gast im Volksparkstadion.

Felix Schröder, dpa

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