Diomande im Fokus: Leipzigs Juwel vor Bayern-Bewerbungsspiel
Starke Debüt-Saison in der Bundesliga: Yan Diomande (l) von RB Leipzig. (Archivbild) (Urheber/Quelle/Verbreiter: Hendrik Schmidt/dpa)

Yan Diomande hat eigentlich bereits alles, was einen Superstar des Fußballs ausmacht. Überragende Dribblings, einen fantasievollen Torjubel und natürlich einen extravaganten Geschmack in Sachen Mode. Und doch steht der 19-Jährige bei RB Leipzig wohl erst auf einer Zwischenstufe seiner vielversprechenden Karriere.

Im Bundesliga-Hit gegen Bayern München am Samstag (18.30 Uhr/Sky) könnte das nächste Level erreicht werden. Denn für Diomande wird es so etwas wie ein Bewerbungsspiel auf großer Bühne. Schließlich ist neben Schwergewichten wie Paris, Liverpool und Arsenal auch der deutsche Rekordmeister sehr an dem Flügelspieler interessiert.

«Er ist ein sehr guter Spieler, der eine sehr gute Entwicklung gemacht hat», sagte Bayern-Sportdirektor Christoph Freund. «Immer, wenn ein junger Spieler in der Bundesliga richtig gut performt, wird er mit Bayern in Verbindung gebracht.» Diomande sei aber ein Spieler von RB Leipzig und «das ist nicht unser Thema, das zu kommentieren». 

Jubeln wie der Manga-Held

«Wie er in den ersten Spielen gespielt hat, würde es mich wundern, wenn kein Top-Verein an ihm Interesse hätte. Es ist logisch, dass diese Vereine aufmerksam werden», sagt Leipzigs Abwehrchef Willi Orban. Erst vor einem Jahr wechselte Diomande von einer US-Akademie zum spanischen Erstliga-Absteiger Leganés, ein halbes Jahr später zahlte Leipzig bereits 20 Millionen Euro für ihn.

Ein Investment, das sich bereits ausgezahlt hat. Diomande ist neben Bayerns Lennart Karl und Kölns Said El Mala die Entdeckung der Saison, spielt seine Gegner in schöner Regelmäßigkeit schwindelig. Sechs Tore und drei Vorlagen in 15 Bundesliga-Spielen sind die nackten Zahlen. Sein Selbstbewusstsein ist bereits Bayern-like, in der Persönlichkeitsentwicklung hat er einen großen Sprung gemacht. Das zeigt sich nicht nur modisch mit aufsehenerregenden Jogginganzügen und Mänteln oder im vom Manga-Helden Satoru Gojo inspirierten Torjubel.

Vertrag ohne Ausstiegsklausel

Bis 2030 ist der ivorische Nationalspieler an Leipzig gebunden. Er sei jetzt kein Experte in Sachen Vertrag, meinte Orban, doch «das Gute ist, dass er keine Ausstiegsklausel hat». Oder wie es Leipzigs Sportchef Marcel Schäfer im «Kicker» ausdrückte: «Da sitzt noch nicht mal jemand auf dem Beifahrersitz. Da sitzen alle auf der Rückbank.» Heißt: Diomande wird richtig, richtig teuer.

Auch Bayern-Ikone Lothar Matthäus schwärmt von Diomande als «Riesenspieler», der «ein Kandidat für den FC Bayern» sei. Allerdings hält der Rekord-Nationalspieler wenig von einem schnellen Wechsel zu den Bayern. «Ich würde Diomande jetzt nicht unbedingt empfehlen, den nächsten Schritt machen zu wollen. So weit ist er meiner Meinung nach noch nicht», sagte der 64-Jährige.

Wie weit er ist, kann Diomande am Samstagabend zeigen. Dann geht es nicht nur um das persönliche Vorspielen vor den Augen der Bayern-Entscheider. Es geht auch um irgendeine Art von Wiedergutmachung für das Hinspiel. Da kassierte Leipzig ein 0:6, die höchste Niederlage seiner Bundesliga-Geschichte. Und Diomande wurde bei seinem Startelf-Debüt in der Halbzeit ausgewechselt.

Leipziger Team gereift

Doch der Teenager hat sich weiterentwickelt, ist Schlüsselspieler der Leipziger. So wurde er nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus beim Afrika Cup am Sonntag eigens per Privatjet nach Leipzig gebracht und dann am Mittwoch gegen Freiburg trotzdem nur eingewechselt – damit er gegen die Bayern einen vollen Akku hat. 

Das Leipziger Team ist nun deutlich gefestigter als zu Saisonbeginn, hat die Naivität aus dem Auftakt abgelegt. «Wir sind eine ganz andere Mannschaft, nicht nur personell», sagt Kapitän David Raum. «Wir sind gereift, haben noch mal mehr Abläufe gegen den Ball, aber auch mit dem Ball. Wir sind insgesamt mutiger.»

Die Bayern haben allerdings auch nicht gerade nachgelassen und soeben die beste Hinrunde in der Geschichte der Bundesliga gespielt. «Sie sind unheimlich effizient und können einen Gegner auch mal überrollen», sagt Orban aus leidvoller Erfahrung. «Aber wir werden uns gut vorbereiten und dann schauen wir, was drin ist.»

Tom Bachmann, dpa

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