Trainerlegende und Dänen-Liebling: Sepp Piontek ist tot
Sepp Piontek erlangte als Trainer der dänischen Nationalmannschaft Kultstatus in Dänemark. (Archivbild) (Urheber/Quelle/Verbreiter: picture alliance / dpa)

Der Vater des «Danish Dynamite» ist tot. Fußball-Dänemark trauert um Sepp Piontek. Der Deutsche, der als Nationaltrainer Dänemark auf die Weltkarte des Fußballs gebracht hat, starb im Alter von 85 Jahren. «Sepp wird für immer als einer der einflussreichsten Nationaltrainer in der Geschichte des dänischen Fußballs in Erinnerung bleiben», schrieb der Fußballdirektor des dänischen Fußballbunds DBU, Peter Møller, bei Facebook. 

Die Nachrichtenagentur Ritzau nannte ihn den «Mann, der Dänemark dazu gebracht hat, im Fußball zu gewinnen.» Und der dänische Rundfunk stellte fest: «Sepp hat den dänischen Fußball für immer verwandelt». 

Zuerst hatte der dänische Fernsehsender TV2 unter Berufung auf Pionteks Familie von dessen Tod berichtet. Nach kurzer schwerer Krankheit starb er in seiner Wahlheimat Dänemark. Dort stieg er durch seine Zeit als Nationaltrainer von 1979 bis 1990 zum Volkshelden auf. 

Bei Werder Bremen Spieler und Trainer

Auch sein langjähriger Club Werder Bremen würdigte den früheren Spieler. Der am 5. März 1940 in Breslau geborene Piontek zähle «zu den prägendsten Persönlichkeiten im ersten Bundesliga-Jahrzehnt der Grün-Weißen», hieß es auf der Webseite des Vereins. 

«Schon als Spieler war er mit seinem kompromisslosen Spiel und seinem sympathischen Auftreten außerhalb des Platzes in Bremen ein echter Publikumsliebling», sagte Werder-Präsident Hubert Hess-Grunewald. Er sei ein großartiger Botschafter des deutschen Fußballs gewesen. «Sein Tod macht uns sehr traurig.» 

Der in Ostfriesland aufgewachsene Defensivspezialist spielte von 1960 bis 1972 für die Bremer, gewann mit ihnen 1965 die erste Meisterschaft und vier Jahre zuvor den DFB-Pokal. Zudem absolvierte Piontek 1965 und 1966 sechs Länderspiele.

Nach einer Verletzung beendete er seine Spieler-Karriere. Zuvor hatte er schon den Trainerschein gemacht. Mit mäßigem Erfolg betreute er von 1972 bis 1975 die Bremer Mannschaft, dann Fortuna Düsseldorf, das Nationalteam Haitis und den FC St. Pauli, bevor er 1979 Chefcoach der dänischen Nationalelf wurde.

Von deutscher Disziplin zu «Danish Dynamite» 

Mit beinharter Disziplin und holprigen Sprachkenntnissen formte er aus der Truppe um Preben Elkjær, Morten Olsen und Michael Laudrup ein Spitzenteam. 1983 qualifizierte sich das kleine Land überraschend für die EM in Frankreich und schied erst im Halbfinale aus. Der Begriff «Danish Dynamite» für die von Piontek bevorzugte offensive Spielweise wurde geprägt.

1986 in Mexiko nahmen die Dänen unter ihrem deutschen Trainer erstmals an einer Weltmeisterschaft teil und schafften es bis ins Achtelfinale. Als Piontek 1990 als Coach ausschied, war er mit seinem Humor, Temperament und dem «lustigen Akzent» bei den Dänen längst Kult. 

Und hatte zugleich die Basis gelegt für den größten Triumph im dänischen Fußball: den EM-Titel 1992 unter seinem Nachfolger Richard Møller-Nielsen. Als Piontek viele Jahre später in einer Fernsehshow in Dänemarks «Hall of Fame» des Fußballs aufgenommen wird, kündigt ihn der Moderator als «beliebtesten Deutschen in Dänemark» an.

Ex-Dänen-Coach Olsen über Piontek: «Ein fantastischer Mensch» 

«Seine Bedeutung reicht weit über die Ergebnisse hinaus», schrieb Fußballdirektor Møller nach Pionteks Tod bei Facebook. «Sepp Piontek hat die Grundlage für die Kultur, Professionalität und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten geschaffen, die seitdem das Fundament der Nationalmannschaft bilden.» Der dänische Ex-Nationaltrainer Morten Olsen nennt Piontek einen «fantastischen Menschen, der sich um seine Spieler gekümmert hat».

Fußballexperte Morten Bruun erklärt den Hype um den Deutschen so: «Mir fällt niemand ein, der den dänischen Nationalfußball und damit die dänische Gesellschaft insgesamt stärker geprägt hat als Sepp Piontek.»

Auf seine Zeit als dänischer Nationalcoach folgten für Piontek weitere Trainerstationen in der Türkei, bei mehreren dänischen Vereinen und in Grönland. Seiner Wahlheimat Dänemark blieb er treu. Mit seiner Frau Gitte lebte er in der Nähe von Odense. Das Paar hat drei Kinder, Enkel und Urenkel.

Julia Wäschenbach, dpa

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