Mainz-Coach Bo Svensson (2.v.r.) setzt die Erfolgsserie mit seinem Team auch bei 1899 Hoffenheim fort. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Uwe Anspach/dpa)

Bo Svensson feierte den nächsten Erfolg mit einem breiten Grinsen, Martin Schmidt stand mit glänzenden Augen vor einer Kamera und auf der Tribüne jubelte Christian Heidel.

Irgendwie staunt das Triumvirat des FSV Mainz 05 immer noch und immer wieder über die wundersame Wandlung des einstigen Abstiegskandidaten. Nach dem 2:0 (1:0) bei der TSG 1899 Hoffenheim am vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga steht der Club mit neun Punkten als fröhlicher Tabellenvierter da. «Wir waren vor neun Monaten komplett abgeschlagen», erinnerte Trainer Svensson an vergangene, aber längst nicht vergessene Zeiten.

«Man kann gespannt sein»

«Wir haben jetzt schon mehr Punkte als letztes Jahr Ende Januar», sagte Sportdirektor Schmidt frohlockend. Tatsächlich hatten die Mainzer nach 17 Spieltagen 2020/21 nur sieben Zähler. Heidel war da schon als Sportvorstand zurück, zusammen mit dem Ex-Trainer Schmidt. Svensson holte dann in der Rückrunde sagenhafte 32 Punkte zum Klassenerhalt. «Man kann gespannt sein, was er aus Mainz 05 noch macht», sagte Schmidt am Samstag über den Erfolgscoach.

Der 42-Jährige Däne kann in Mainz eine Trainer-Karriere starten wie einst Jürgen Klopp und Thomas Tuchel – sagt man dort inzwischen nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand. «Es sind vier Spieltage, es sind noch 30 zu absolvieren. Wir sollten gar nicht damit anfangen, uns abzufeiern», mahnte Svensson.

Die erstmals seit eineinhalb Jahren wieder mitgereisten Mainzer Fans tanzten natürlich überglücklich im Gästeblock. Den 650 Anhängern bescherte die Mannschaft den dritten Sieg hintereinander im Sinsheimer Stadion: Im März dieses Jahres gab es ein 2:1 bei den Hoffenheimern, 2019 gar ein 5:1. Vor nur 8427 Zuschauern – darunter der neue Bundestrainer Hansi Flick aus dem nahen Bammental – trafen U21-Europameister Jonathan Burkardt (21. Minute) und Neuzugang Marcus Ingvartsen (77.).

Erfolgsschlüssel: Leidenschaft, Einsatz, Leistungswille

Mit neun Punkten nach vier Spielen starteten die Mainzer zuletzt 2013/14, als sie sich am Ende als Siebter für den Europapokal qualifizierten. «Sehr viel Leidenschaft, sehr viel Einsatz, sehr viel Leistungswille», das war für Schmidt auch diesmal der Schlüssel zum Erfolg. Die Mainzer tun dem Gegner auch gerne mal weh, sie schinden Zeit, wenn sich die Gelegenheit bietet, aber wenn sich in der Offensive Räume öffnen, dann sind sie da. Svensson freute es besonders, dass Burkardt das 1:0 gelang: «Er hat über Monate sehr gut gespielt, aber es sind ein Tick zu wenig Tore dabei herausgesprungen. Wir glauben an ihn, auch wenn er nicht trift. Wichtig ist, dass er auch an sich selbst glaubt», sagte er über sein Toptalent.

Neuzugang Ingvartsen erzielte nur 78 Sekunden nach seiner Einwechslung das 2:0. Dabei hatte der von Union Berlin gekommene Stürmer erst am Mittwoch erstmals mit seinem neuen Team trainiert. «Das ist der Grund, warum wir ihn geholt haben. Schon bei den Trainingseinheiten hat man gesehen: Diese Torabschlüsse hat er einfach drin», lobte Svensson seinen Landsmann.

Mainz hat nun saisonübergreifend nur zwei der letzten 15 Liga-Begegnungen verloren, profitierte dieses Mal aber auch vom unerklärlich desolaten Auftritt der Hoffenheimer. Trainer Sebastian Hoeneß war erstmals in seiner Amtszeit so richtig wütend auf seine Spieler. Dass diese nicht einmal die Basics auf den Platz brachten, das «kotzt mich an», schimpfte er bei Sky und hatte sich auch bei der Pressekonferenz noch nicht beruhigt: «Ich bin stocksauer, ich bin extrem sauer, dass wir uns so präsentiert haben.»

Von Ulrike John, dpa

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