Kölns Anthony Modeste im Kopfballduell mit dem Unioner Marvin Friedrich (l). (Urheber/Quelle/Verbreiter: Rolf Vennenbernd/dpa)

Nach seinem erlösenden Ausgleichstreffer lief Anthony Modeste zu seinem Trainer Steffen Baumgart, setzte sich dessen Kultmütze auf und vollführte ein Tänzchen.

Mit einem Doppelpack beim 2:2 (1:2) gegen Union Berlin hatte der Franzose den 1. FC Köln wieder einmal im Alleingang vor einer Niederlage bewahrt.

Modeste (7.) brachte sein Team in Führung. Nachdem Julian Ryerson (9.) und Grischa Prömel (45.+1) das Spiel für die Gäste zwischenzeitlich gedreht hatten, war der Kölner Torgarant in der 86. Minute erneut zur Stelle. Modeste hat nun die letzten sechs Pflichtspiel-Tore des FC erzielt.

Baumgart mit Kritik an Fans

«Ich bin noch immer angepisst», sagte Köln-Trainer und Union-Mitglied Baumgart im Streamingdienst DAZN – aber nicht wegen Modestes extravaganten Jubels, wie er betonte. Vielmehr habe er sich über das ein oder andere geärgert, sagte er und spielte auf die fehlende Fan-Unterstützung nach dem Rückstand an. Seine Jungs hätten gespielt und gemacht, «und dann frage ich mich schon, wenn ich das Drumherum sehe, die Emotionen, die dieses Stadion bringen kann, warum kann man das nicht beim 1:2-Rückstand machen, warum müssen sich die Jungs Sorgen machen, einen Fehler zu machen», sagte er.

Immerhin holte der Tabellen-Elfte aus Köln vier Tage vor dem Sessions-Beginn am 11.11. im Karnevals-Trikot mit Konfetti-Design den ersten Punkt im fünften Erstliga-Duell mit dem Angstgegner. Die Berliner belegen Rang acht, zwei Punkte hinter dem Vierten Wolfsburg, den sie mit einem Sieg überholt hätten. «Ich glaube, dass es schon möglich war, hier zu gewinnen», meinte Berlins Torwart Andreas Luthe. «Auch wenn ich sagen muss, dass Köln ein sehr gutes Heimspiel gemacht hat. Sie haben uns das Leben schwer gemacht.» Seine Mannschaft hätte die Konter besser zu Ende spielen müssen. «Das war immer wieder in den letzten Wochen.»

Rasanter Start in die Partie

Die 50.000 Zuschauer in der Kölner Arena sahen einen rasanten Start. Und die Kölner unter ihnen mussten nur bis zur siebten Minute warten, um den nächsten Treffer von Modeste zu bejubeln. Nach einem Lattenschuss von Florian Kainz schaltete der Franzose schnell, stoppte den Ball mit dem Oberschenkel und schob ihn aus drei Metern ins leere Tor.

125 Sekunden später gaben die Kölner die Führung aber schon wieder weg, als Ryerson aus 18 Metern völlig unbedrängt den Ball ins rechte Eck schlenzte. Der Norweger, der 46 Bundesliga-Einsätze lang auf sein erstes Tor wartete, traf damit im zweiten Spiel in Serie.

«Nicht mein Verständnis von Fairplay»

Wie viele Emotionen im Spiel waren, bewies eine kuriose Szene in der 17. Minute. Modeste baute sich bei einem Freistoß vor Union-Keeper Andreas Luthe auf und sprang diesem immer wieder in die Sicht, damit er nicht seine Abwehrmauer bei einem Freistoß dirigieren konnte. Luthe stieß ihn mit beiden Händen weg, beide sahen Gelb.

«Das ist nicht mein Verständnis von Fairplay», sagte Luthe zur Modeste-Aktion. Das habe ich, denke ich ihm auch einigermaßen deutlich gemacht. Das fand er nicht so gut.»

Allerdings spielte sich das Geschehen meist im Mittelfeld ab. Vor der Pause drehten die Kölner nochmal auf, doch Modeste köpfte vorbei (38.) und Ondrej Duda traf das Außennetz (41.). Die Führung gelang stattdessen Union. Prömel eroberte den Ball nach einem Fehlpass von Rafael Czichos, spielte Doppelpass mit Genki Haraguchi und schob ein. Sekunden später schoss Awoniyi aus fünf Metern weit drüber.

Nach der Pause machte der FC Druck, Baumgart trieb sein Team bei neun Grad Celsius im kurzärmeligen Polo-Shirt unermüdlich nach vorne. Hector hatte per Kopf auch schnell eine gute Chance (54.), insgesamt waren Möglichkeiten gegen disziplinierte Gäste aber Seltenheit. Drei Tage nach dem enttäuschenden 1:2 gegen Feyenoord Rotterdam in der europäischen Conference League schienen die Berliner alles im Griff zu haben – bis Modeste zum zweiten Mal zuschlug.

Von Holger Schmidt und Claas Hennig, dpa

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