Christian Feule zeigt auf seinen diversen Endgeräten seine Sammlung von sogenannten NFTs. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Peter Kneffel/dpa)

Päckchen aufreißen, Sticker aufkleben, mit Freunden tauschen: Schon als Kind hat Christian Feule gern Fußballer-Sticker gesammelt.

«Ich hatte nie ein volles Panini-Heft», erinnert sich der heute 36-Jährige. «Meine Eltern hatten da nie so viel Geld für.» Sein Traum damals: «Wenn ich viel Geld habe, kaufe ich den ganzen Karton.» Mittlerweile ist Feule erwachsen und hat den Schulhof gegen das Internet getauscht. Dort kauft und handelt er mit sogenannten NFTs – den digitalen Nachfolgern der Sammelkarten.

Die sogenannten non-fungible Token (NFT) erleben zurzeit einen Boom. Sie sind mit einer Art Echtheitszertifikat abgesichert, wodurch das Original immer erkennbar ist. In die analoge Welt übertragen heißt das: Jeder kann einen Kunstdruck von Picasso besitzen, aber nur eine Person das Original.

Firma aus der Hauptstadt

Das Berliner Unternehmen Fanzone hat dieses Potenzial für sich entdeckt. Auf der Plattform können Nutzer Karten von Sportlern sammeln, kaufen und handeln. Geschäftsführer Dirk Weyel sieht aber noch mehr Vorteile. «Es geht eben nicht nur darum, zu kaufen, zu sammeln und zu tauschen, sondern auch handeln und dabei was verdienen können und die Einsatzmöglichkeit mit den Gaming-Elementen», sagt er.

Die Sportlerkarten nicht nur besitzen, sondern auch mit ihnen spielen – das ist auch für Nicolas Julia ein großer Vorteil von NFTs. Julia ist Mitgründer von Sorare, einem französischen Unternehmen, das ebenfalls auf dem Markt mitmischt. NFTs könne man bei Sorare unter anderem im integrierten Fantasy-Football-Spiel einsetzen, sagt Julia. «Der zweite große Unterschied ist, dass es einfacher ist, sie zu handeln. Du musst sie nicht in einen Umschlag stecken und mit der Post verschicken.»

Die Karten von Sorare und Fanzone sind in verschiedene Seltenheitsstufen eingeteilt – je seltener eine Karte, desto wertvoller. Nutzer können ganze Päckchen kaufen und sich vom Inhalt überraschen lassen oder einzelne Karten erstehen. Auf den Plattformen wird dann gehandelt oder in einer Art Fantasy-Football gespielt.

Viel Geld im Spiel

Doch trotz Spielspaß: Christian Feule war im Frühjahr eigentlich auf der Suche nach einem Investment – und NFT-Sammelkarten können sich da durchaus lohnen. Auf Fanzone etwa wurde ein NFT von Kai Havertz nach einem EM-Spiel für 100 Euro gekauft – mittlerweile wird dieses NFT für das Elffache gehandelt. Nicht selten kosten Karten auf den Plattformen mindestens einen dreistelligen Betrag.

Für die Unternehmen scheint sich das Geschäft zu lohnen. Sorare macht laut Julia mehr als 150 Millionen Euro Umsatz. Erst diesen Oktober hat die Deutsche Fußball Liga ihre Kooperation mit dem Unternehmen verkündet. Ab sofort können die Nutzer also auch Spieler wie Erling Haaland oder Emil Forsberg in ihre Sammlung aufnehmen.

Doch die digitalen Produkte und vor allem ihr Wert sind vom analogen Leben abhängig. Ist ein Spieler verletzt oder fliegt die deutsche Mannschaft früh aus einem Turnier, können die NFTs schnell an Wert verlieren. «Es ist natürlich schon so, dass der Fan und die Bereitschaft da mitzugehen, dann schon mit dem echten Event zusammenhängt», sagt Weyel. Kritiker befürchten, dass sich eine neue Blase aufbaut.

Geschäft boomt

Umweltschützer kritiseren den hohen Energiebedarf des NFT-Handels. Nachhaltigkeit sei für Fanzone von Anfang an ein wichtiges Thema gewesen, entgegnet Weyel. Für jeden registrierten Nutzer werde ein Baum gepflanzt. «Gleichzeitig arbeiten wir mit einer Blockchain zusammen, die sehr energieeffizient ist.»

Sorare muss derweil noch mit einem anderen Problem kämpfen: Im Oktober hat die britische Glückspielkommission eine Überprüfung des Start-ups angekündigt. Es werde untersucht, ob das Unternehmen eine Betriebslizenz benötige oder ob es sich bei den angebotenen Dienstleistungen nicht um Glücksspiele handle, hieß es.

Trotz Kritik boomt das Geschäft mit den digitalen Sammelkarten. Dass die NFTs die analogen Karten allerdings irgendwann ersetzen werden, glaubt Julia nicht. «Für manche Fans ist es sehr wichtig, Merch anfassen zu können und etwas Physisches zu besitzen. Außerdem ist es eine jüngere Zielgruppe», sagt er. «Ich denke, sie werden nebeneinander bestehen. Meine Überzeugung ist, dass die NFTs wegen des Nutzwertes viel besser sind.»

Für Christian Feule, der neben seiner Arbeit in einem Autohaus nun auch einen NFT-Youtube-Kanal betreibt, sind die NFTs nicht nur Investment oder Unterhaltung, sondern auch ein wenig Nostalgie. «Wenn man einen Pack aufmacht und dann ist da eine seltene Karte drin, dann freut man sich einfach» sagt er. «Die Kinder, die das damals gesammelt haben, werden jetzt wieder Sammler.»

Von Mona Wenisch, dpa

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