Barcelonas Trainer Xavi gibt am Spielfeldrand Anweisungen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sven Hoppe/dpa)

Der sorgenvolle Blick aus geröteten Augen und die nach unten gezogenen Mundwinkel sprachen Bände.

«Das ist die harte Realität», wiederholte Trainer Xavi Hernández immer und immer wieder nach der 0:3-Pleite seines FC Barcelona beim FC Bayern München – die das erste Scheitern der Katalanen in der Gruppenphase der Fußball-Champions-League nach 21 Jahren besiegelte. Er sei «stinksauer».

Das Club-Idol, das erst vor einem Monat einen ruhigen und bestens bezahlten Job in Katar aufgegeben hatte, um bei Barça laut Medien als «Retter» anzuheuern, bereut vielleicht seine Entscheidung schon. «Das ist auch für mich ein harter Schlag. Ich hatte gehofft, dass wir hier eine Chance haben würden», räumte der 41-Jährige ein.

«Ab in die Hölle»

Am deutlichsten beschrieb wohl «AS» die Lage des einstigen Vorbild-Vereins: «Ab in die Hölle», titelte sicher nicht ohne Schadenfreude die Madrider Fachzeitung, die so etwas wie das Hausblatt von Real Madrid ist – des derzeit sehr erfolgreichen Erzrivalen Barcelonas. Auf Seite eins des Konkurrenzblattes «Marca» war am Donnerstag die riesengroße Seite-eins-Schlagzeile «Der Untergang» an den Kiosken nicht zu übersehen. Auch die katalanischen Blätter wollten nichts schönreden. «Barça hat den absoluten Tiefpunkt erreicht», analysierte «Sport», und «Mundo Deportivo» sprach von der «Chronik eines angekündigten Todes» und von einer Stimmung «unter null.»

Noch vor dem Rückflug versprach Xavi den Fans: «Jetzt beginnt eine neue Ära. Das muss ein Wendepunkt sein, das habe ich den Spielern schon gesagt.» Man werde «sehr hart arbeiten.» Die Spieler müssten mehr Selbstrespekt an den Tag legen. «So etwas hat unser Club nicht verdient», meinte der Weltmeister von 2010, der zwischen 1998 und 2015 für Barça spielte und die Champions League viermal gewann.

Trotz aller Besserungsbeteuerungen von Xavi sowie von Sergio Busquets, Ronald Araújo & Co. («Nun müssen wir die Europa League gewinnen», meinten viele unisono) müssen sich Funktionäre und Fans derweil wohl damit abfinden, dass man in absehbarer Zukunft nur kleine Brötchen wird backen können. Im ersten Jahr ohne Superstar Lionel Messi zeigt das Team nämlich eine horrende Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor. Nur zwei Treffer in sechs Königsklassenspielen sind ein Armutszeugnis, nur Malmö und Dynamo Kiew trafen seltener.

Die Superstars fehlen

Kein Wunder: Durch den Weggang von Messi (nach Paris) und Antoine Griezmann (zu Atlético Madrid) verlor der Tabellen-Siebte der LaLiga ca. 60 Tore pro Jahr. Und hinten sind Nationaltorwart Marc-André ter Stegen sowie die in die Jahre gekommenen Gerard Piqué und Jordi Alba nur noch ein Schatten ihrer selbst. Besonders hart ins Gericht ging «Sport» mit dem Deutschen: «Er verdient es nicht mehr, Stammtorwart zu sein.» Thomas Müller, der den Niedergang mit seinem ersten Treffer einleitete, meinte, Barcelona habe zwar immer noch super Spieler, aber: «Ich habe das Gefühl, dass sie die Intensität, die momentan im Fußball herrscht, einfach nicht mitgehen können.»

Am Camp Nou blickt man in eine Zukunft, die nach München noch düsterer geworden ist. Der Club, der horrende Schulden von 1,35 Milliarden Euro hat, verliert nämlich durch das Aus mehr als 20 Millionen Euro, die für das Erreichen das Mindestziels Viertelfinale fest eingeplant waren. Trotzdem schließt Präsident Joan Laporta die Verpflichtung von Superstars wie Dortmund-Stürmer Erling Haaland nicht aus. Die Zeitung «Sport» warnt aber ihn und die Fans: «Wunder gibt es nicht.»

Von Emilio Rappold, dpa

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