Noch steht Erling Haaland bei Borussia Dortmund unter Vertrag. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa)

Der Frust über das missratene Hinrunden-Ende seines Dortmunder Teams scheint bei Erling Haaland verflogen.

«Winterpause bedeutet für mich: Familie, Dankbarkeit und meinem Körper die Ruhe und Erholung zu geben, die er verdient», teilte der lächelnde Torjäger via Instagram über die Weihnachtstage aus seiner norwegischen Heimat mit. Doch spätestens nach dem Trainingsstart der Borussia am 3. Januar dürfte es mit der Beschaulichkeit vorbei sein. Neben dem anspruchsvollen Auftaktprogramm mit Spielen gegen die Top-Sechs-Teams aus Frankfurt, Freiburg, Hoffenheim und Leverkusen stehen für den 21 Jahre alten Torjäger wegweisende Gespräche über seine Zukunft an.

Gespräche im Januar

Weil der BVB frühe Planungssicherheit anstrebt, soll es bereits im Januar zu Verhandlungen mit Haaland-Vater Alf-Inge und Berater Mino Raiola kommen. «Wir werden bemüht sein, es nicht erst im März oder April zu wissen», sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Die schnelle Flucht von Haaland in die Kabine nur 30 Sekunden nach dem bitteren 2:3 des BVB in Berlin am Ende der Hinrunde werteten viele Beobachter als Zeichen für einen baldigen Abschied. Schließlich hat der BVB binnen weniger Wochen in der Fußball-Champions-League den Achtelfinal-Einzug verpasst und wohl auch die Meisterschaft bei nunmehr neun Punkten Abstand auf Tabellenführer FC Bayern verspielt. Viel spricht deshalb dafür, dass der für seinen großen Titelhunger bekannte Haaland von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch macht und den Revierclub trotz seines bis 2024 datierten Vertrages für eine kolportierte Ablöse von 75 Millionen Euro schon in diesem Sommer verlässt.

Top-Clubs stehen Schlange

An möglichen Abnehmern mangelt es nicht. So ist laut Watzke das große Interesse des spanischen Rekordmeisters Real Madrid «verbürgt». Neben Real gelten vor allem englische Top-Clubs wie der FC Chelsea als Kandidaten. Auch Manchester United und Lokalrivale Manchester City sollen ihre Bemühungen derzeit intensivieren. Der FC Bayern übt sich dagegen bisher in Zurückhaltung. «Wir haben Robert Lewandowski. Der wird auch noch ein paar Jahre lang 30, 40 Tore schießen», sagte Vorstandschef Oliver Kahn. Der 33 Jahre alte polnische Torjäger besitzt in München noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2023.

Trotz der fast täglich neuen Spekulationen hat der BVB die Hoffnung auf einen Verbleib von Haaland nicht aufgegeben. «Vielleicht gibt es dann auch 2,50 Euro mehr», kommentierte Watzke unlängst beim TV-Sender Bild Medienberichte, wonach der Bundesliga-Zweite eine satte Gehaltserhöhung für Haaland plant.

Welche Rolle spielt der BVB-Sponsor?

Dem Vernehmen nach bemüht sich zudem BVB-Ausrüster Puma um eine Zusammenarbeit mit dem Ausnahmekönner, dessen bisheriger Vertrag beim Sportartikel-Konkurrenten Nike am Jahresende auslaufen soll. Dass Puma-Chef Björn Gulden nicht nur ein Haaland-Landsmann, sondern auch ein Freund der Familie ist und dem Revierclub emotional nahe steht, könnte dabei helfen. «Meine Empfehlung wäre selbstverständlich, dass er noch ein Jahr Borusse bleibt. Ich weiß aber auch, dass gerade von allen Seiten an ihm gezogen wird», sagte er den «Ruhr Nachrichten».

Dass ein Privat-Ausrüstervertrag mit Puma, deren CEO Gulden im BVB-Aufsichtsrat sitzt, auch Haalands Entscheidung über die weitere Fortsetzung seiner Karriere in Dortmund beeinflussen könnte, mag der Manager aber so nicht bestätigen: «Die Wahl von Ausrüster und Verein muss man isoliert voneinander betrachten.»

Knifflige Gemengelage

Doch es könnte dem BVB in die Karten spielen, dass auch bei europäischen Top-Clubs das Geld nicht mehr so locker sitzt wie vor der Corona-Pandemie. Das Gesamtpaket für Haaland aus Gehalt, Ablöse und Provisionen wird auf weit über 200 Millionen Euro geschätzt. Diese immense Summe ist in Pandemie-Zeiten nur schwer zu stemmen.

Die knifflige Gemengelage scheint Berater Raiola nicht zu beunruhigen. «Wir werden nach der besten Option suchen. Ich schließe nicht aus, dass er noch ein Jahr in Dortmund bleibt», sagte der 54 Jahre alte Italiener kurz vor Weihnachten dem niederländischen Radiosender NOS. Gelassen fügte er an: «Haaland kann auf alle warten.»

Von Heinz Büse, dpa

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