Den Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie die FIFA über eine angeblich noch ausstehende Forderung Platinis getäuscht haben. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Patrick B. Kraemer/epa/dpa)

Vor fast genau sieben Jahren verkündete Michel Platini seine Kandidatur für die Nachfolge von Joseph Blatter. Im Juli 2015 schien der Aufstieg des französischen UEFA-Präsidenten zum Präsidenten des Fußball-Weltverbands FIFA nur noch Formsache.

«Es gibt Zeiten im Leben, in denen du dein Schicksal in die eigenen Hände nehmen musst», formulierte der frühere Europameister pathetisch.

Das Schicksal war ein anderes. Statt auf der Tribüne bei der Frauen-EM in England wird Platini am Freitag als Ausgestoßener der Fußball-Familie und Angeklagter wieder eine Reihe hinter Blatter in der Viale Stefano Franscini im Schweizer Bundesstrafgericht von Bellinzona sitzen. Das Urteil im Prozess gegen das Duo wegen des Vorwurfs des Betrugs und anderer Delikte wird mit Spannung erwartet. Im Raum auch die Frage: Stimmt die Theorie Platinis eines Komplotts gegen ihn – und welche Auswirkungen gibt es auf die heutige Funktionärswelt?

Der Vorwurf

Den Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie die FIFA über eine angeblich noch ausstehende Forderung Platinis getäuscht haben. Blatter soll die Zahlung des Weltverbands in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken (nach heutigem Stand rund 2,02 Millionen Euro) plus Sozialversicherungsbeiträge an Platini laut Anklage unrechtmäßig bestätigt haben.

Die Forderung der Bundesanwaltschaft

Die Schweizer Bundesanwaltschaft forderte deshalb eine Freiheitsstrafe von jeweils einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung für den 86 Jahre alten Blatter und den 19 Jahre jüngeren Platini. Der Franzose soll zudem den erhaltenen Betrag und die darauf bezahlten Sozialleistungen erstatten.

Das Plädoyer der Verteidigung

Die Anwälte von Blatter und Platini verlangten hingegen jeweils einen Freispruch ihrer Mandanten. Zudem prangerte Platinis Verteidiger Dominic Nellen eine öffentliche Vorverurteilung durch die Schweizer Justiz an. Es gebe kein Motiv für die angebliche Straftat des Betrugs, aber es gebe eines für das vorliegende Strafverfahren. Demnach sei bereits der Anfangsverdacht, der das Verfahren auslöste, konstruiert gewesen, betonte der Anwalt.

Ein Komplott?

Aus Sicht von Platini und seines Anwalts ist die Anklage ein Komplott, das dazu gedient habe, ihn als FIFA-Präsidenten zu verhindern und den Weg für den jetzigen Amtsinhaber Gianni Infantino freizumachen. Die Zahlung aus dem Jahr 2011 sei erst wieder interessant geworden, als das Amt des FIFA-Präsidenten 2015 frei war. Der Weltverband tritt in dem Verfahren als Nebenklägerin auf.

An den bisherigen Verhandlungstagen war auch thematisiert worden, wie die Ermittler von der Zahlung erfahren hatten. Der frühere Staatsanwalt bei der Bundesanwaltschaft, Olivier Thormann, gab an, dass man die Information bei einer Durchsuchung bei der FIFA im Zuge des Skandals 2015 neben den Lohnaufstellungen des damaligen Exekutivkomitees vom damaligen FIFA-Finanzchef Markus Kattner erhalten habe. Dieser erklärte jedoch, die Ermittler nicht speziell auf die Zahlung hingewiesen zu haben. Er sei von der Rechtmäßigkeit überzeugt gewesen.

Von Florian Lütticke und Sandra Degenhardt, dpa

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