DFB-Präsident Bernd Neuendorf hält seine Trauerrede. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Daniel Bockwoldt/dpa)

Noch einmal war Uwe Seeler in seinem Hamburger Volksparkstadion überall spürbar. Noch einmal stand er dort im Mittelpunkt, wo er einst als Stürmer gefeiert und bewundert wurde.

Sein Hamburger SV, seine Stadt, sein Land, ganz Fußball-Deutschland ehrten ihn in einer bewegenden Trauerfeier als ganz großen Spieler und ebenso großen Menschen, der von sich stets behauptete: «Ich bin stinknormal, und das gefällt mir.»

«Es war eine sehr würdige Veranstaltung»

5000 Zuschauer – darunter 1000 geladene Gäste aus Sport, Politik und Kultur – waren in das Volksparkstadion gekommen. Seelers Ehefrau Ilka, die drei Töchter und die Enkelkinder hörten von der Tribüne aus, wie DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, HSV-Sportvorstand Jonas Boldt und Schauspieler und HSV-Fan Olli Dittrich in ihren Reden neben den sportlichen Leistungen die menschlichen Qualitäten der vor drei Wochen mit 85 Jahren gestorbenen HSV-Ikone beschrieben.

«Es war eine sehr würdige Veranstaltung. Ich habe auch mit Frau Seeler gesprochen. Sie hat es auch so empfunden», sagte Neuendorf nach der Feier. «Es war so, wie Uwe Seeler war: würdig, aber auch normal. Bodenständig und fröhlich. Ich glaube, so hätte er es sich gewünscht.»

Die Liebe, Zuneigung und Respekt für einen der bekanntesten und beliebtesten deutschen Spieler war bei Hamburgs erster Trauerfeier in einem Stadion stets zu spüren – auch wenn weniger Zuschauer gekommen waren als erwartet, was an der Ferienzeit in Hamburg und auch der Veranstaltungszeit am Mittag gelegen hatte.

Seeler hätte jede Trophäe verdient gehabt

Welche Bedeutung Seeler hatte, war an der Gästeliste abzulesen: Der ehemalige Bürgermeister Hamburgs und heutige Bundeskanzler Olaf Scholz war angereist, auch andere Polit-Prominenz wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Ebenso waren ehemalige Seeler-Weggefährten und Club-Ikonen wie Charly Dörfel, Uli Stein oder Felix Magath dabei.

Dazu waren Weltmeister Philipp Lahm, Bayern Münchens Vorstandschef Oliver Kahn und Präsident Herbert Hainer und die ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und Reinhard Grindel gekommen. Und auch die aktuelle Zweitliga-Mannschaft des Hamburger SV ehrte ihren Vor-Vor-Vorgänger.

«Uwe Seeler brauchte keinen Titel, um zu einem Idol zu werden», sagte DFB-Chef Neuendorf in seiner Trauerrede über den Ehrenspielführer der Nationalmannschaft. «Uwe Seeler ist dennoch einer der Größten, er hätte jede Trophäe verdient gehabt.»

«Er ist einer von uns – nur besser»

Bürgermeister Tschentscher hob die Heimatverbundenheit und das karitative Engagement von Hamburgs Ehrenbürger hervor. «Uwe Seeler trug die Raute und seine Heimat im Herzen», sagte er. «Sein Name steht für Fairness und Teamgeist. Er verkörpert die besten menschlichen Werte, als Sportler und als Mensch.» HSV-Manager Boldt meinte: «Er ist einer von uns – nur besser. Ein Vorbild, generationsübergreifend.»

Bundeskanzler Scholz, zeigte sich ebenfalls vom Menschen Seeler beeindruckt. «Für mich ist das Tollste an Uwe Seeler, dass er so normal geblieben ist und so geerdet. Das ‚Uns Uwe‘, das kommt nicht von ungefähr. Das ist tief aus ihm heraus gewachsen», sagte er im NDR-Fernsehen.

«In Hamburg sagt man Tschüss»

Seeler war am 21. Juli gestorben. Er war am 4. August auf dem Ohlsdorfer Friedhof im engsten Familienkreis beigesetzt worden. Am ersten Wochenende nach der Beerdigung waren bereits mehr als 1200 Menschen an das Grab gekommen.

«Als ich von seinem Tod erfuhr, hatte ich für einen kurzen Moment wieder dieses Gefühl wie 2014, als meine Eltern kurz nacheinander verstorben waren», sagte Seeler-Freund Dittrich, der auf Wunsch von Ehefrau Ilka die Abschlussrede hielt. «Es war dieser Gedanke: Jetzt bist Du allein.»

Das ganze Volksparkstadion gehörte an diesem Tag dem «größten HSVer aller Zeiten» (Boldt). Zwei riesige Bildnisse Seelers mit dem Schriftzug «Uns Uwe» waren auf dem Rasen des Volksparkstadions gesprüht. Zwischen den Reden gab es Lieder, die Seeler mochte.

Im Stadion endete die Feier mit dem Stück: «In Hamburg sagt man Tschüss.» Die Zuschauer sangen: «Uwe Seeler, Uwe Seeler – du bist der beste Mann.» Ein Teil von Seeler wird für immer am Volksparkstadion bleiben. Die Bronzestatue seines rechten Fußes im Maßstab 1:20 ist längst zur Wallfahrtsstätte für die Fans geworden.

Von Franko Koitzsch, Thomas Prüfer und Claas Hennig, dpa

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