Bauarbeiter arbeiten auf einer Baustelle in Doha (Katar). (Urheber/Quelle/Verbreiter: Bernd von Jutrczenka/Deutsche Presse-Agentur GmbH/dpa)

In der Debatte um eine Entschädigung der Gastarbeiter im Gastgeberland Katar fordern Fans gut eine Woche vor dem Beginn der WM den Deutschen Fußball-Bund zum Handeln auf.

Die Initiative «#boycottQatar2022» schreibt in einem offenen Brief an DFB-Präsident Bernd Neuendorf, dass der Verband sein Preisgeld bei der Endrunde vom 20. November bis 18. Dezember für die Arbeitsmigranten und deren Angehörige einsetzen solle.

DFB verweist auf «Zuständigkeit der FIFA»

Sollte sich der Weltverband FIFA weigern, einen Entschädigungsfonds einzurichten, «so erwarten wir vom DFB, dass er seine Preisgelder (je nach Platzierung zwischen 9 und 42 Millionen Dollar) eigenständig für Entschädigungszahlungen verwendet», heißt es in dem auf der Internetseite der Initiative veröffentlichten Brief. «Für den gleichen Zweck sollten die DFB-Nationalspieler etwaige Siegprämien spenden.»

Der Verband reagierte verhalten auf diese Forderung. «Der DFB nimmt die Hinweise ernst und wird mit den Fans in den Dialog gehen, verweist aber auf die klare Zuständigkeit der FIFA», hieß es am Freitag aus der Frankfurter DFB-Zentrale.

Der DFB verwies in diesem Zusammenhang auf Paragraf 6 der FIFA-Menschenrechts-Policy. Darin heißt es: «Die FIFA verpflichtet sich, bei negativen Auswirkungen auf die Menschenrechte, die sie verursacht hat oder zu denen sie beigetragen hat, Wiedergutmachung zu leisten oder auf eine solche hinzuwirken sowie den Betroffenen Zugang zu Wiedergutmachung zu verschaffen, wenn sie über ihre Beziehungen zu Dritten anderweitig mit negativen Auswirkungen auf die Menschenrechte im Zusammenhang steht, und prüft zu diesem Zweck alle Optionen, die ihr zur Verfügung stehen.»

Doch es gibt erhebliche Zweifel daran, dass die FIFA dem nachkommen wird. So hatte der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel in einem «Kicker»-Interview erklärt, er gehe davon aus, dass das Thema in Katar «wohl nicht weiterverfolgt wird». Er bezog sich dabei auf eigene Informationen zu den Gesprächen von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD), Neuendorf und FIFA-Präsident Gianni Infantino zu Monatsbeginn.

Neben anderen Menschenrechtsverletzungen steht WM-Gastgeber Katar wegen dessen als menschenunwürdig geltenden Umgangs mit ausländischen Arbeitern in der Kritik. Auf den eigentlichen Stadion-Baustellen sind offiziellen Angaben zufolge drei Menschen gestorben. Berichtet wird von etlichen Medien von einer sehr deutlich höheren Zahl auf den weiteren Baustellen des Emirats. Zudem wird kritisiert, wie die Todesfälle zugeordnet werden. Menschenrechtsorganisationen hatten deshalb einen Fonds der FIFA und der Regierung Katars gefordert, zumal durch die Weltmeisterschaft Milliarden-Einnahmen generiert würden.

Neuendorf: DFB tritt für Entschädigungsfond ein

Auch Neuendorf hatte sich zuletzt deutlich positioniert. «Die Haltung des DFB ist klar: Wir treten weiter entschieden für einen Entschädigungsfonds der FIFA für die Familien von verstorbenen oder verletzten Arbeitern ein», hatte er vor der Reise nach Katar dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) gesagt. Der DFB hatte bereits mitgeteilt, sich an einem solchen Fonds zu beteiligen.

Mit ihrem Vorstoß wolle die Initiative «#boycottQatar2022» die Forderung der Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch nach Einrichtung eines Entschädigungsfonds für die Arbeitsmigranten und deren Angehörige aufgreifen, sagte Bernd Beyer, Mitgründer der Initiative, der «Süddeutschen Zeitung» (Freitag). Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes gehören zahlreiche Fan-Initiativen und -Gruppen, aber auch andere Organisationen wie unter anderen die KZ Gedenkstätte Dachau.

Beyer hofft, dass der DFB nicht grundsätzlich ablehnend auf den Brief reagiert. «Wir finden es auch positiv, dass sich der DFB der Diskussion mit Menschenrechtsorganisationen stellt, auch wenn er dabei oft im Abstrakten geblieben ist». In den vergangenen Wochen hatten zahlreiche Fans bei Bundesliga- und Zweitliga-Spielen ihre kritische Haltung zur WM mit Boykott-Spruchbändern deutlich gemacht.

Bundestrainer Hansi Flick hatte bei der Nominierung des WM-Kaders betont, die Mannschaft werde Fragen nach der Menschenrechtslage in Katar während des Turniers nicht ausblenden. «Da müssen wir unsere Augen und Ohren offenhalten. Wir wollen uns nicht wegducken und ganz klar auf die Missstände aufmerksam machen», sagte Flick.

Eric Dobias und Claas Hennig, dpa

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