Brachte die DFB-Elf in Skopje auf die Siegerstraße: Doppeltorschütze Timo Werner. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Federico Gambarini/dpa)

Mit dem Handy am Ohr kletterte Timo Werner noch einmal aus dem Mannschaftsbus.

Mehrere Minuten lang telefonierte der im nasskalten Skopje erst glücklose und dann glückselige DFB-Stürmer in der zugigen Ausfahrt des Nationalstadions. Wer wohl dran war? Gratulanten aus der Heimat? Oder sein Vereinscoach Thomas Tuchel?

Bundestrainer Hansi Flick konnte es nicht sein. Der lobte den 25-Jährigen zur selben Zeit nach dem 4:0 (0:0) gegen Nordmazedonien in der WM-Qualifikation für dessen zwei befreiende Tore ein paar Meter weiter im schmucklosen Presseraum der Arena.

«Der Knoten ist geplatzt»

«Der Knoten ist geplatzt bei der Mannschaft und vielleicht auch beim Timo», stellte Flick fest, der genau daran riesigen Anteil hat. «Ich habe es schon oft gesagt, wenn ein Trainer einen mag und auf einen setzt, dann hilft das jedem Spieler», sagte Werner im TV-Interview bei RTL. In fünf Spielen unter Flick hat der Champions-League-Sieger des FC Chelsea nun exakt fünfmal getroffen – eine klasse Quote.

«Ich glaube, gerade als Stürmer und vielleicht doppelt ich brauche dieses Vertrauen von außen, und das gibt er mir hundert Prozent», sagte Werner zum Abschluss seiner wechselhaften DFB-Woche vor der Rückkehr nach London zu Chelsea-Trainer Thomas Tuchel, mit dem Flick einen guten Kontakt pflegt. «Ich versuche, es so gut wie möglich zurückzuzahlen. Das hat in vier von fünf Spielen sehr gut geklappt.»

Tore als Antwort auf Kritik

Nach dem hart erarbeiteten 2:1 gegen Rumänien war der in Hamburg torlos gebliebene Werner erneut von außen kritisiert worden. Der frühere Leipziger wirkt mit seinem Tempospiel in Partien gegen mauernde Gegner gerne mal wie ein Fremdkörper. Werner läuft viel, ackert für die Mannschaft. Er hat es dann aber schwer, sich vor dem Tor durchzusetzen. Flick weiß das, und er weiß, dass er Werner auch mangels Alternativen für die WM-Mission in Katar dringend braucht.

Vor dem Kurztrip nach Skopje hatte der Bundestrainer seinen Stürmer, der im Verein durch Weltklassemann Romelu Lukaku große Konkurrenz bekommen hat, vor der Mannschaft explizit gelobt. Mehrere Tage in Folge hatte Flick öffentlich über Werners Stärken gesprochen.

Es sei zu sehen, dass die Mannschaft zusammenstehe, sagte der Bundestrainer nun, «und sich freut für einen, der ein bisschen in der Kritik ist. Und sich dann auch freut, wenn er die zwei Tore schießt.» Sein gesamtes Trainerteam leiste in dieser Hinsicht «eine herausragende Arbeit», sagte Flick, der Richtung Katar besonders auf den Teamgeist setzt. «Das sind Dinge, die wir als Trainerteam fördern wollen und supergut finden», sagte Flick.

Nach der Pause aufgedreht

Während der 90 Minuten von Skopje erlebte Werner die vergangenen Monate seiner Karriere im Schnelldurchlauf. In der ersten Hälfte mühte er sich vergebens, scheiterte einmal am Torhüter und traf den Pfosten. Doch nach der Führung durch seinen Chelsea-Kollegen Kai Havertz knallte Werner den Ball aus dem Lauf zum 2:0 ins Tor. Das 3:0 erzielte der 25-Jährige mit einem wunderbaren Schlenzer, den man so nur mit Selbstvertrauen nimmt. So schnell kann’s gehen als Stürmer.

«Wir als Mannschaft wissen, was wir können. Ich als Spieler weiß, was ich kann, und so gehe ich in jedes Spiel», sagte Werner, der angab, die Kritik «ja zwangsläufig irgendwie abperlen» zu lassen. «Wenn ich mir die zwei Tage zu sehr einen Kopf drüber gemacht hätte, hätte ich hier nicht spielen können. Irgendwann ist das Fass auch voll.»

Von Jan Mies und Klaus Bergmann, dpa

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