Lionel Messi gewann bereits zum siebten Mal in seiner Karriere den Ballon d'Or. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Christophe Ena/AP/dpa)

Robert Lewandowski schaute im feinen dunkelblauen Smoking ein wenig enttäuscht drein, als der Name seines Sitznachbarn Lionel Messi erklang.

Bei der Zeremonie des so begehrten Ballon d’Or im Théâtre du Châtelet stand der Bundesliga-Torschützenkönig im Schatten des argentinischen Superstars. Nicht Lewandowski, sondern der mit einem glitzernden Anzug aufgelaufene Messi wurde in Paris – mal wieder – als bester Fußballer ausgezeichnet.

Der Bundesliga-Torschützenkönig musste sich bei der von der französischen Fachzeitung «France Football» durchgeführten Wahl mit dem zweiten Platz begnügen.

Messi, der im Sommer Argentinien erstmals seit 28 Jahren zum Gewinn der Copa America geführt hatte, erhielt den Goldenen Ball bereits zum siebten Mal in seiner Karriere und richtete aufmunternde Worte an seinen Rivalen: «Es ist eine Ehre, mit Dir hier zu sein. Du hast Rekorde gebrochen und hättest es auch verdient gehabt, den Ballon d’Or zu gewinnen.» Lewandowski durfte zuvor trotzdem noch auf die Bühne und wurde in einer neu eingeführten Auszeichnung als bester Torschütze des Jahres geehrt, was aber eher eine Art Trostpreis war.

Weitere Enttäuschungen für die Bundesliga

Es waren nicht die einzigen Enttäuschungen des Abends aus Sicht der Bundesliga, die in BVB-Torjäger Erling Haaland (Platz elf) nur einen weiteren Spieler in den Top 30 platziert hatte. Nationaltorhüter Manuel Neuer hatte bei der nach dem früheren russischen Schlussmann Lew Jaschin benannten «Trophée Yachine» als Fünfter gegen Italiens Europameister-Torhüter Gianluigi Donnarumma das Nachsehen.

Dortmunds Jude Bellingham und Jung-Nationalspieler Jamal Musiala (Bayern München) mussten in der Endauswahl für die «Trophée Kopa» für den besten Nachwuchsspieler mit den Plätzen zwei und drei vorlieb nehmen, es gewann der Spanier Pedri vom FC Barcelona. Bei den Frauen war keine deutsche Fußballerin dabei, der Goldene Ball wurde an die Spanierin Alexia Putellas vergeben.

Das Who is Who der Fußball-Welt war in Paris zugegen. Die größte Aufmerksamkeit gehörte natürlich Messi, der neben seiner Frau Antonella auch von seinen drei Söhnen – allesamt im identischen Glitzer-Anzug – begleitet wurde. Auch Bayern-Boss Oliver Kahn, Trainer Julian Nagelsmann und Sportvorstand Hasan Salihamidzic ließen es sich nicht nehmen, ihren Torjäger vor Ort zu unterstützen.

Ronaldo sauer auf Mitorganisator

Es fehlte allerdings der sechstplatzierte Cristiano Ronaldo, der aus der Ferne gegen den Mitorganisator der Wahl wütete. «Pascal Ferré hat gelogen, er hat meinen Namen benutzt, um für sich selbst zu werben und für die Zeitung, für die er arbeitet», schrieb Ronaldo auf Instagram. Damit ging er auf Äußerungen des Chefredakteurs von «France Football» ein, der behauptet hatte, dass Ronaldos größtes Ziel sei, seine Karriere mit mehr Goldenen Bällen als sein Dauerrivale Messi zu beenden.

Der Ballon d’Or ist kein Ersatz für die Weltfußballer-Wahl. Diese Wahl wird weiterhin vom Weltverband FIFA veranstaltet, die Kür erfolgt am 17. Januar 2022. Für das Jahr 2020 wurde Lewandowski erstmals als Weltfußballer gekürt. Der Ballon d’Or wurde dagegen im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht vergeben. Von 2010 bis 2015 wurde der Weltfußballer durch eine Kooperation der FIFA und «France Football» mit dem Goldenen Ball ausgezeichnet.

Lewandowski war – begleitet von seiner Frau Anna – mit der Hoffnung in die französische Hauptstadt gereist, erstmals die begehrte Trophäe in Empfang nehmen zu können. Denn der 33-Jährige hatte nach der Triple-Saison 2020 auch in diesem Jahr wieder Bestmarken aufgestellt. So übertraf Lewandowski in der Bundesliga den als ewig geltenden Torrekord von Gerd Müller mit 41 Treffern. In der laufenden Spielzeit steht der Pole schon wieder bei 25 Treffern in 20 Pflichtspielen für den FC Bayern. Messi hatte dagegen auf Vereinsebene mit dem FC Barcelona und ab Sommer mit Paris Saint-Germain ein eher bescheidenes Jahr.

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