Bayern-Torwart Neuer (M) musste am Sonntag operiert werden. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sven Hoppe/dpa)

Nach dem missglückten Start ins große WM-Jahr bemühte Manuel Neuer schnell den Blick nach vorne.

Im Krankenbett kündigte der Kapitän des FC Bayern München und der Fußball-Nationalmannschaft nach der «super gelaufenen» Operation das «zeitnahe Aufbautraining» an. Zumindest zum Start in die K.o.-Runde der Champions League bei RB Salzburg in der kommenden Woche wird der 35 Jahre alte Keeper, der zu Jahresbeginn schon wegen einer Infektion mit dem Coronavirus hatte pausieren müssen, fehlen. Vermutlich kommt auch das Rückspiel am 8. März gegen Österreichs Serienmeister für Neuer zu früh.

Neuer fällt mehrere Wochen aus

Wie lange Neuer nach der überraschenden und nicht näher benannten Operation am rechten Knie am Ende ausfallen wird, hängt natürlich vom Heilungsverlauf ab. Der deutsche Serienmeister sprach vage von einer Abstinenz in den «kommenden Wochen». Das sollte im Bereich von vier bis sechs Wochen liegen. Medienberichte über einen Eingriff am Meniskus wurden vom Club nicht bestätigt. Zuletzt hatte Neuer wiederholt individuell trainiert. Jetzt fiel die Entscheidung für eine OP, die laut Berichten schon länger im Raum stand.

Mit dem bewährten Neuer-Vertreter Sven Ulreich im Tor hoffen die Münchner, unbeschadet durch vergleichsweise ungefährliche Wochen zu kommen. In der Liga, in der der Vorsprung an der Tabellenspitze nach dem heftigen Dortmunder 2:5-Ausrutscher gegen Bayer Leverkusen auf beruhigende neun Punkte angewachsen ist, lauten die nächsten Aufgaben Bochum (A), Fürth (H), Frankfurt (A) und Leverkusen (H).

In der Königsklasse sollte den offensivgewaltigen Münchnern auch mit Ulreich im Tor gegen Salzburg, das mit einem 3:1 gegen Linz im ersten Spiel nach der Winterpause ins Pokal-Halbfinale einzog, der Sprung in das Viertelfinale glücken. Spätestens dann soll Neuer am 5./6. und 12./13. April wieder in Topform im Münchner Tor stehen.

«Aus meiner Sicht wird es ein wichtiger Erfolgsfaktor sein, dass wir in der entscheidenden Phase im Frühjahr den gesamten Kader beisammen haben. Das klappt nie zu hundert Prozent, aber vielleicht kommen wir nah ran», hatte Neuers Kapitäns-Vertreter Thomas Müller zum Start in den «kribbeligen» Februar erklärt. Der Ausfall von Neuer trifft die Münchner und Trainer Julian Nagelsmann da durchaus empfindlich.

Ullreich ein bewährter Neuer-Ersatz

Ulreich, der Neuer schon während dessen Mittelfußbrüchen in der Spielzeit 2017/18 lange vertrat, kam in dieser Saison erst zweimal zum Einsatz. Im Erstrundenspiel des DFB-Pokals beim 12:0 gegen den Bremer SV wurde der 33-Jährige nicht geprüft. Beim 1:2 zum Rückrundenstart gegen Borussia Mönchengladbach überzeugte er nicht.

Ulreich schaffte es dank überzeugender Leistungen während der langen Neuer-Abstinenz vor der WM 2018 sogar bis in den erweiterten Kreis der Nationalmannschaft. Auf der anderen Seite patzte der langjährige Stuttgarter Keeper im größten Spiel seiner Karriere beim Halbfinal-Aus gegen Real Madrid im Mai 2018.

Der Vertrag von Ulreich läuft am Saisonende aus. Mit guten Leistungen könnte er sich der Routinier für ein weiteres Jahr als Reservekeeper empfehlen. Dritter Torhüter im Münchner Profikader ist Christian Früchtl (22). Der im Sommer 2020 verpflichte Neuer-Kronprinz Alexander Nübel (25) ist noch bis 2023 an den AS Monaco ausgeliehen. Der Ex-Schalker hätte jetzt seine Bewährungschance erhalten können.

Das Kalkül der Bayern-Verantwortlichen bei der Zukunftsplanung mit Neuer wird dessen Knieblessur kaum beeinflussen. Zuletzt hatten sowohl Trainer Julian Nagelsmann als auch Vorstandschef Oliver Kahn erklärt, dass Neuer noch einige Jahre auf Weltklasse-Niveau spielen könne. Der aktuelle Vertrag läuft am 30. Juni 2023 aus. Über eine nahende Verlängerung bis 2025 war wiederholt spekuliert worden.

Bundestrainer Hansi Flick dürfte der Eingriff bei Neuer nicht besorgen, zumal die ersten Länderspiele des WM-Jahres Testbegegnungen sind und erst Ende März anstehen. Die DFB-Auswahl spielt am 26. März in Sinsheim gegen Israel, drei Tage später steht das Prestigeduell mit den Niederlanden in Amsterdam an. Ein Comeback in dieser Phase könnte Neuer dann gleich doppelt feiern: Am 27. März wird er 36 Jahre alt.

Von Christian Kunz und Klaus Bergmann, dpa

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