Freudig, aber demütig: Freiburg-Coach Christian Streich (l) und Roland Sallai. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Tom Weller/dpa)

«Ich bin nicht für’s Träumen da. Ich habe etwas zu erfüllen mit meinen Arbeitskollegen, damit vielleicht ein Traum in Erfüllung geht», sagte Christian Streich neulich.

Was der Trainer auf den möglichen ersten Finaleinzug des SC Freiburg im DFB-Pokal bezog, dürfte er genauso auch mit Blick auf die Europapokal-Ambitionen des Clubs in der Fußball-Bundesliga gemeint haben. Die Freiburger spielen bis hierhin eine überragende Saison. Womöglich ziehen sie an deren Ende sogar in die Champions League ein. Was Streich im Schlussspurt auf keinen Fall will, ist auch nur ein bisschen nachzulassen. Der Coach hält die Konzentration hoch in der Freiburger Traumwerkstatt.

«Mit Demut nach Hamburg»

«Es geht darum, dass wir mit Demut nach Hamburg fahren. Da wird auch die Hütte brennen», sagte Streich nach dem hochverdienten 3:0 (2:0) seiner Mannschaft gegen den VfL Bochum und richtete den Blick sofort auf das Pokal-Halbfinale beim HSV am kommenden Dienstag. Ein «sehr, sehr enges und schwieriges Spiel» erwarte er gegen den Zweitligisten. Es solle bloß keiner glauben, dass die Freiburger nach ihrer starken Vorstellung gegen Bochum im Schongang das Endspiel erreichen könnten.

Rund 6000 Fans werden den Sport-Club nach Hamburg begleiten. Nach Möglichkeit sollen sie ihr Team so nach vorne peitschen wie am Samstag gegen den VfL. Da hätten sie «alles mitgerissen», sagte Streich über die 34.000 Zuschauer im Europa-Park Stadion. «Es war ein richtiger Fußball-Tempel.» Und die Mannschaft von der Atmosphäre offenbar regelrecht elektrisiert. Lukas Kübler (5. Minute) und Roland Sallai per Doppelpack (16., 53.) erzielten die Tore für die lauf- und spielfreudigen Gastgeber, die den Aufsteiger dominierten und durch ihren 14. Saisonsieg den fünften Tabellenplatz festigten.

Vier Spieltage vor Schluss ist für Freiburg alles noch möglich: Champions League, Europa League, Conference League – oder gar kein internationaler Wettbewerb. «Wir wollen die letzten Spiele einfach so erfolgreich wie möglich gestalten und wenn wir am Schluss auf Platz vier stehen, freuen wir uns riesig», sagte Mittelfeldmann Nicolas Höfler in der für die Badener gewohnt zurückhaltenden Art bei Sky.

Doppeltorschütze Sallai wagte sich etwas weiter vor. «Das muss ein Traum sein», sagte er über den möglichen Sprung in die Königsklasse. «Wir müssen kämpfen bis zum Ende.» Das dürfte sein Trainer gerne hören. Also nicht das mit dem Traum, sondern das mit dem Kämpfen.

Von Christoph Lother, dpa

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