In der Frauen-Bundesliga sollen ab der Saison 2023/24 Montagsspiele eingeführt werden. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Swen Pförtner/dpa/Symbolbild)

Der Zeitpunkt war kein Zufall. In der Vorwoche begann der DFB die Ausschreibung der Medienrechte für die Frauen-Bundesliga, in dieser Woche werden die Unterlagen verschickt. Die Euphorie der Europameisterschaft soll genutzt werden.

«Die erfolgreiche EM hilft der Sichtbarkeit und der Präsenz von Frauen im Fußball enorm», sagte DFB-Manager Holger Blask der Deutschen Presse-Agentur. «Die Rekord-Einschaltquoten zeigen, dass das Interesse in der Gesellschaft vorhanden ist.»

Blask ist als Geschäftsführer der DFB GmbH & Co. KG für die TV-Vermarktung zuständig und darf sich auch von der Forderung von Alexandra Popp angesprochen fühlen. «Wir erhoffen uns natürlich schon, dass jetzt etwas passiert», sagte die Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft, die bei der knappen 1:2-Finalniederlage gegen England verletzungsbedingt zuschauen musste. «Einen größeren Hype kannst du fast nicht schaffen. Wir haben in diesem Sinne unser Soll erfüllt. Jetzt hoffen wir auf andere Leute, die das umsetzen müssen.» Und auch Svenja Huth wünscht sich «Medienübertragungen, um die Fans, die wir gewonnen haben, dauerhaft zu binden».

Montagabendspiel als Alleinstellungsmerkmal

Der DFB-Geschäftsführer hat sich zumindest einiges einfallen lassen. So soll die Frauen-Bundesliga demnächst mit Spielen am Montagabend ein Alleinstellungsmerkmal bekommen. Ab der Saison 2023/24 soll dies eingeführt werden, um den Frauenfußball sichtbarer und die TV-Rechte attraktiver zu machen. Montagsspiele der 2. Männer-Liga gab es bis 2017, nur noch in dieser Saison gibt es sie in der 3. Liga.

Der Sender, der die Montagsspiele erwirbt, kann sogar bei der Anstoßzeit mitbestimmen. Der Spielbeginn kann nach dpa-Informationen zwischen 18.00 und 19.30 Uhr liegen. Blask wollte das nicht kommentieren, verwies aber auf den Anspruch des Deutschen Fußball-Bundes, «die Liga auch für den TV-Zuschauer attraktiv zu gestalten». Dafür wird der DFB erstmals «die Produktion aller Spiele selbst sicherstellen».

Blask hat mit seinem Team erstmals eine Ausschreibung nur für die Frauen-Liga entwickelt. «Bei der Vermarktung ist es unser Ziel, sowohl Highlight-Spiele live im Free-TV zu zeigen, als aber auch ein umfassendes Liveangebot im Pay-TV anzubieten», erklärte der DFB-Manager. Dafür gibt es drei unterschiedliche Szenarien mit je drei unterschiedlichen Live-Paketen. Der DFB bietet Verträge für die vier Spielzeiten 2023/2024 bis 2026/2027 an. Die Entscheidung über die Vergabe wird voraussichtlich Anfang Oktober getroffen.

Breites Interesse vorhanden

Interessenten gibt es auf jeden Fall. So sagte Sky-Fußball-Chef Mario Nauen, «dass wir Interesse daran haben und dass wir uns breiter aufstellen wollen, gerade was den Frauen-Fußball und den Frauen-Sport angeht». Der Bezahl-Sender zeigt bereits den DFB-Pokal der Frauen sowie Spiele der englischen Women’s Super League. Als Bieter für die Pay-Rechte der Frauen-Bundesliga gelten aber auch der derzeitige Rechte-Inhaber Telekom und der Internet-Anbieter DAZN, der bereits die Champions League der Frauen zeigt.

Mit dem neuen Montagsspiel zielt der DFB offensichtlich auf Spartensender wie Sport1 und Eurosport. Bisher gibt es ein Live-Spiel pro Spieltag am Freitag. Das Interesse ist allerdings sehr überschaubar. Als durchschnittliche Einschaltquote der 22 Partien errechnete Eurosport in der Vorsaison rund 100 000 Zuschauer.

Welches Potenzial die Frauen-Bundesliga haben kann, ließ sich hingegen im Oktober erkennen. Die ARD übertrug das Spiel des FC Bayern München gegen die TSG 1899 Hoffenheim und verzeichnete im Schnitt immerhin 1,52 Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen.

Von Michael Rossmann, dpa

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