Münchens Leroy Sané (r) in Aktion gegen Mailands Torhüter Andre Onana. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sven Hoppe/dpa)

Nach dem nächsten Topstart der Bayern auf ihrer Lieblingsbühne Champions League drehte sich in der gut gelaunten Münchner Reisegruppe alles um zwei Personalthemen: Den weiterhin unergründlichen Edelkicker Leroy Sané – und Robert Lewandowski.

Im rund 1000 Kilometer von Mailand gelegenen Camp Nou von Barcelona entschied der Weltfußballer das Wettschießen am ersten Spieltag der Gruppe C beim 5:1 von Barça gegen das Leichtgewicht Viktoria Pilsen mit seinem Dreierpack zahlenmäßig für sich. Aber das reife 2:0 (1:0) der Münchner Auftaktspezialisten gegen Inter Mailand besaß größere Aussagekraft und machte Lust auf noch viel mehr in Europa.

Sané übernahm den Job des Unterschiedsspielers

Die ersten Grußbotschaften wurden noch aus dem brodelnden Giuseppe-Meazza-Stadion an «Mr. Lewangoalski» übermittelt. «Absolut freuen wir uns auf das Duell, aber nicht nur wegen Robert», sagte Thomas Müller: «Gerade nach dem Start ist das ein Gipfeltreffen in der Gruppe.» Müller wird am 13. September 33 Jahre alt und hat keine Lust, dass Lewandowski beim großen Wiedersehensfest an seinem Geburtstag in der Allianz Arena den Partyschreck spielt. «Hart, aber herzlich», werde man dem Ex-Kollegen auf dem Platz begegnen.

Gegen ein mattes Inter übernahm derweil Nationalspieler Sané vor den Augen von Bundestrainer Hansi Flick den Job des Unterschiedsspielers, den jahrelang Lewandowski im Münchner Ensemble ausgeübt hatte. Der 26-Jährige imponierte in der neu ausgerichteten Münchner Offensive um Sadio Mané ohne klassischen Zielspieler im Strafraum mit seiner Spielfreude, seinem Tempo, seinem Ballgefühl und vor allem als anderthalbfacher Torschütze. Folgerichtig wurde der Wuschelkopf von der UEFA als Spieler des Spiels ausgezeichnet.

«Ich will einfach nur ein gutes Spiel abliefern»

Während alle um ihn herum Sané-Hymnen anstimmten, beschränkte sich der sportlich Unvollendete nach seiner guten Leistung auf ein paar leise TV-Töne. «Ich will einfach nur ein gutes Spiel abliefern, ein gutes Gefühl haben und froh vom Platz gehen», sagte der Mann, der so unglaublich viel als Fußballer kann, aber dieses Können immer nur gut dosiert statt in Dauerschleife abruft. Als Sané nach dem Duschen mit stoischem Blick aufs Smartphone und versteckt unter seinem Kapuzenpulli durch die Kellergänge des Stadions schlurfte, hatte er keine Lust auf mehr Fragen und Antworten. «Heute nicht», beschied er den Reportern.

Dafür sprachen andere ausführlich über ihn. «Es macht Spaß, dem Leroy zuzuschauen», schwärmte Sportvorstand Hasan Salihamidzic und gab dem Hochbegabten einen Ratschlag: «Er soll einfach so weitermachen. Wenn er Lust hat und seine Qualitäten auf den Platz bringt, kann er einer der besten Spieler in Europa werden.»

Brillant waren Sanés Ballannahme und Mitnahme beim 1:0 nach einem Zuckerpass des in der WM-Saison konstant stark spielenden Joshua Kimmich. «Weltklasse», lautete die Bewertung des Tores durch den da noch von der Bank aus zuschauenden Leon Goretzka. Das Eigentor von Inters Kapitän Danilo D’Ambrosio erzwang Sané nach einer weiteren großen Aktion und einem doppelten Doppelpass mit Kingsley Coman.

«Leroy hatte zwei super Aktionen, die zu Toren geführt haben», lobte Trainer Julian Nagelsmann. Sanés «größte Qualität» sei es, «das Spiel zu beschleunigen, wenn der Gegner raustritt, dann kurz antreten».

«Leroy ist ein Schlüsselspieler für besondere Momente, der auch Spiele entscheiden kann, gerade in der Verfassung, in der er gerade ist. Er ist ein ganz wichtiger Mann für uns», rühmte Kapitän Manuel Neuer den bisweilen unergründlichen Sané, den auch die 5000 mitgereisten Bayern-Fans bei seiner Auswechslung feierten. «Leroy hat sehr gute Aktionen gehabt. Er hat sehr agil agiert, das ist das, was wir von ihm brauchen», sagte Müller: «Dann hat er auch ein Lächeln im Gesicht. Es war ein schöner Abend für ihn – und für uns.»

«Wir freuen uns alle auf Barcelona und Lewy»

Zwei grandiose Serien in der Königsklasse schrieben die Bayern fort: Es war ihr 19. Auftaktsieg am Stück. Dazu sind sie seit nunmehr 29 Gruppenspielen ungeschlagen. Und sie setzten in Mailand ein Zeichen, dass sie in dieser Saison viel vorhaben. «Ich denke, es ist allen bewusst, dass man mit uns rechnen muss», sagte Goretzka. Diese Erfahrung sollen auch Dauerrivale FC Barcelona und Lewandwoski nächste Woche machen.

«Wir freuen uns alle auf Barcelona und Lewy. Wir kennen ihn und wissen, welche Qualitäten er hat», sagte Nationaltorhüter Neuer. Lewandowskis Dreierpack gegen Pilsen kommentierte Salihamidzic kurz und knapp: «Glückwunsch!» Barça-Coach Xavi ist begeistert vom neuen Fließband-Torschützen: «Robert ist unersättlich!»

Goretzka übermittelte derweil kurz nach Mitternacht einen flotten Spruch nach Katalonien: «Robert Lewandowski ist ein Weltklassestürmer, gar keine Frage. Wir freuen uns auch alle, ihn wiederzusehen. Aber das mit den Toren kann er sich in dem Spiel sparen.»

Von Klaus Bergmann, dpa

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