Sichtlich bedient von der Niederlage in Neapel: Liverpools Trainer Jürgen Klopp. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Agostino Gemito/PA Wire/dpa)

Jürgen Klopp war ziemlich bedient. Nach der Champions-League-Pleite seines FC Liverpool beim SSC Neapel am Mittwochabend sieht der Erfolgscoach nur einen Ausweg, um den englischen Vize-Meister auf Vordermann zu bringen: Neustart.

«Es fehlen viele Dinge», sagte der 55 Jahre alte Trainer im TV-Sender Sky nach dem 1:4 (0:3) in Neapel zum Auftakt in der Fußball-Königsklasse. «Es sieht so aus, als müssten wir uns neu erfinden.»

Er brauche Zeit, um herauszufinden, warum es in seiner Mannschaft nicht mehr rund läuft. «Ich denke wirklich, dass es sinnvoll ist, eine Sekunde länger nachzudenken, auf das Spiel zurückzuschauen, es zu verstehen und dann den Jungs die richtige Botschaft zu vermitteln. Das ist jetzt das Wichtigste», sagte Klopp.

«Wir spielen nicht gut genug»

Den Kernpunkt seiner Aufarbeitung konnte er aber auch ohne intensive Analyse benennen. «Wir spielen nicht gut genug, das ist klar, das ist offensichtlich und jeder sieht es», sagte Klopp. «Wir arbeiten nicht als Team.» Es sei jetzt seine Aufgabe, herauszufinden, warum das so sei. Das habe aber nichts mit persönlichen Dingen zu tun. Doch auch in der heimischen Premier League ist seine Elf, die in der vergangenen Saison nur um einen Punkt an der Meisterschaft vorbeischrammte und im Champions-League-Finale stand, als Tabellensiebter weit weg von der Form der Vorjahre. Klopp muss nun also baldmöglichst den Reset-Knopf für die «Reds» finden.

Dabei wirkte der 9:0-Rekordsieg gegen den AFC Bournemouth nach dem mauen Saisonstart wie ein Wendepunkt. Spätestens seit der Pleite unter dem Vesuv ist davon jedoch keine Rede mehr. In Neapel war für Klopp nicht das frühe 0:1 durch einen verwandelten Handelfmeter von Piotr Zieliński (5. Minute) entscheidend. Er ärgerte sich vor allem über die Gegentreffer von André-Frank Zambo Anguissa (31.) und Giovanni Simeone (44.). «Diese Tore haben wir auf einem Teller serviert», monierte der frühere Dortmunder Bundesliga-Trainer und schimpfte weiter: «Wir waren nie wirklich im Spiel. Wir standen nicht kompakt, weder defensiv noch offensiv.»

Liverpools Defensivspieler Andy Robertson hatte das Gefühl, dass Neapel «einen Mann mehr gewesen» sei. «Sie waren das deutlich bessere Team», sagte der Schotte und forderte: «Wir müssen zu den Grundlagen zurückkehren und kompakt sein.»

Sieg gegen Wolverhampton Pflicht

In der Premier League ist nun gegen die Wolverhampton Wanderers am Samstag ein Sieg Pflicht. In der Königsklasse steht die Klopp-Elf bereits am kommenden Dienstag (21.00 Uhr) am 2. Spieltag gegen Ajax Amsterdam, das die Glasgow Rangers beim 4:0 dominierte, unter Druck. «Wir müssen versuchen, ein Setup zu finden, um in so ziemlich allem viel besser zu werden», sagte Klopp.

Die Frage, ob ihn in Liverpool das gleiche Schicksal wie das des am Mittwoch beim FC Chelsea beurlaubten Thomas Tuchel treffen könnte, hält der Trainer selbst für verfrüht. «Nicht wirklich», erwiderte Klopp. «Unsere Besitzer sind eher ruhig und erwarten, dass ich die Situation sortiere und nicht denke, dass es jemand anderes tun wird.»

Von Tobias Brinkmann und Matthias Jung, dpa

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