Gilt als möglicher Kandidat im WM-Kader von Hansi Flick: Mario Götze. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Christian Kolbert/dpa)

Routiniers melden sich zurück, Youngster spielen groß auf: Bei der Offensiv-Besetzung des WM-Kaders droht Bundestrainer Hansi Flick nun sogar die Qual der Wahl. Der Schock über das WM-Aus von Torjäger Timo Werner ist notgedrungen verdaut.

Die weiteren Bewerbungsschreiben diverser Kandidaten für die Abteilung Attacke bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar trudelten indes rechtzeitig vor der Nominierung an diesem Donnerstag ein – allen voran die des Weltmeister-Torschützen von 2014.

«Keine ganz so leichte Entscheidung»

«Mario Götze ist für mich ein absoluter Weltklassespieler. Wie er sich zwischen den Linien bewegt, ist beeindruckend», lobte Ex-Weltmeister Stefan Reuter den WM-Helden von Rio de Janeiro. Der Manager des FC Augsburg, der am Samstag von Eintracht Frankfurt mit einem starken Götze 2:1 geschlagen worden war, kam zu dem Schluss: «Er ist sehr schwer zu verteidigen.» Bemerkenswert auch: Götze lief in der Partie 12,1 Kilometer und damit so viel wie kein anderer beim hessischen Champions-League-Achtelfinalisten.

«Keine ganz so leichte Entscheidung», stehe Flick bei der Kader-Nominierung bevor, befand Reuter bereits, ein Gegner-Manager als Götze-Fürsprecher. 63 Länderspiele absolvierte der 30-Jährige, das bisher letzte am 17. November 2017.

Götze ist der eine Routinier, der sich aufdrängt. Ein anderer, der fit gesetzt sein sollte, heißt Marco Reus. Der 33-Jährige feierte bei Borussia Dortmund wie auch Manuel Neuer (36) im Tor der Bayern am Wochenende sein Comeback nach Verletzung. Wenn auch nur kurz mit etwas mehr als 20 Minuten «Ich stehe im ständigen Austausch mit Hansi Flick, wir haben erst vor einer Woche telefoniert», berichtete BVB-Trainer Edin Terzic: «Ganz Fußball-Deutschland würde sich freuen, dass Marco dann endlich mal ein großes Turnier miterlebt.»

„Wenn ich der Trainer wäre, würde ich ihn mitnehmen»

Götze und Reus sind keine klassischen Mittelstürmer wie ein Werner. Jonas Hofmann ist das auch nicht. Der Allrounder von Borussia Mönchengladbach kann aber wie Götze und Reus vorbereiten wie vollenden. Was er beim 3:1 der Borussen zum Spieltags-Auftakt gegen den VfB Stuttgart bewies. «Das Gefühl ist auf jeden Fall positiv», sagte der 30-Jährige danach mit Blick auf die Nominierung des WM-Kaders. Auch er wurde rechtzeitig fit und könnte die offensiv-taktischen Personal-Gedankenspiele Flicks bei der Weltmeisterschaft in der Gruppe mit Titelmitfavorit Spanien, Japan und Costa Rica um die ohnehin gesetzten Profis wie Thomas Müller, Serge Gnabry, Jamal Musiala oder Kai Havertz bereichern.

Ein gutes Gefühl dürfte auch Niclas Füllkrug haben. Mehr als schon wieder ein Tor schießen zur weiteren Bewerbung konnte der Mittelstürmer klassischer Prägung vom SV Werder Bremen nicht machen. „Wenn ich der Trainer wäre, würde ich ihn mitnehmen. Er zeigt Woche für Woche, warum», betonte Werder-Kapitän Marco Friedl.

Entwarnung gab es auch wegen Füllkrugs Auswechslung. Der Torjäger habe sich lediglich eine Prellung im Rückenbereich zugezogen, teilten die Bremer mit. Fraglich ist deshalb nur der Einsatz des 29-Jährigen im nächsten Bundesliga-Spiel am Dienstag. Dann spielen die Bremer beim FC Bayern, bei dem sich Leroy Sané nach Muskelfaserriss mit einem Kurzeinsatz in Berlin zurückmeldete. Der schnelle Offensivmann ist wie seine Club-Kollegen Jamal Musiala, Serge Gnabry und Thomas Müller ohnehin bei Flick für die Abteilung Attacke gesetzt, auch wenn Routinier Müller noch auf sein Comeback nach Hüftbeschweren warten muss.

Es werden nicht alle dabei sein können

Füllkrug, 29 Jahre alt, ist derzeit bester deutscher Torschütze in der Bundesliga, Youssoufa Moukoko demonstrierte mit 17 Jahren und 350 Tagen als jüngster Bundesliga-Profis mit mindestens zehn Toren sein Ausnahmetalent und berichtete nach seiner Zwei-Tore-Gala beim BVB-Sieg gegen Bochum auch noch freimütig vom Telefonat mit dem Bundestrainer. «Ich soll einfach so weitermachen. Sie beobachten alles. Und am Ende werden die, die Leistung bringen, auch dabei sein.»

Alle werden nicht dabei sein können. Angesichts wohl auch der üppigen Offensiv-Konkurrenz, zu der auch noch Lukas Nmecha vom VfL Wolfsburg zählt, rechnet Kevin Volland wegen einer Verletzung zu Saisonbeginn nicht mit einer persönlichen Rückkehr, auch wenn er nach eigener Auskunft im 55er-Kader steht. «Ich mache mir keine Hoffnungen, bei der WM dabei zu sein», sagte der Stürmer von der AS Monaco, der am Donnerstag in de Europa League beim 4:1 gegen Roter Stern Belgrad drei Tore erzielt hatte, dem Nachrichtenportal «t-online».

Jens Marx und Arne Richter, dpa

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