Die Zuschauer verlassen beim WM-Eröffnungsspiel vor Spielende das Stadion. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Robert Michael/dpa)

Tausende leere Plätze, keine Stimmung – für die Nationalspieler des stolzen Gastgebers Katar muss sich die Schlussphase der Auftaktniederlage gegen Ecuador fast schon angefühlt haben wie das WM-Aus. Noch mehr als die schwache fußballerische Leistung beim 0:2 (0:2) im Anschluss an eine glanzvolle Eröffnungsshow irritierte die Flucht zahlreicher Zuschauer lange vor dem Abpfiff.

«Man muss sagen: Es ist einfach keine Fußball-Nation», sagte der deutsche Ex-Weltmeister Christoph Kramer als Experte im ZDF: «Da ist gar kein Feuer, da kommt nichts von den Rängen und nichts vom Platz. Das passt irgendwie zum Spiel, dass sich das Stadion relativ schnell geleert hat – ich wäre wahrscheinlich auch früher gegangen.»

Die im Vergleich zu anderen Nationen der Region eher überschaubare Historie im Fußball war immer mal wieder ein Kritikpunkt an der Vergabe an das reiche Emirat gewesen – wenn auch deutlich seltener als die Menschenrechte und Lebensbedingungen für Arbeitsmigranten. Vertreter des Landes betonen dagegen immer wieder, wie groß die Fußballbegeisterung sei – gerade jetzt wegen der WM.

«Für Katar war dies eine Enttäuschung mit zwölf Jahren Vorbereitung», schrieb die britische Zeitung «Guardian». Die französische «L’Équipe» kommentierte eine «irre Eröffnung», und das war nicht positiv gemeint. «Katar hat nicht wirklich das Niveau, um bei seiner Weltmeisterschaft eine Rolle zu spielen, und ein großer Teil seines Publikums kehrte in der zweiten Halbzeit nicht zurück.»

Katar-Trainer: «Haben uns unterstützt gefühlt»

Durchgehend gesungen und angefeuert wurde während der Partie von einer Gruppe von Fans in roten «Qatar»-Shirts, die sich von den Gegentoren nicht von ihrer orchestrierten Party hatten abhalten lassen. Auch ein eifriger Trommler war dabei. Mit Ecuador hielten es Tausende Fans, die sich nach dem Abpfiff müde, aber glücklich zu den Bussen und Taxis nahe am Al-Bait Stadion nördlich von Doha schleppten.

«Wir haben uns unterstützt gefühlt und wir hoffen, dass die Menschen das nächste Mal stolzer auf uns sein werden», sagte der katarische Nationaltrainer Felix Sanchez angesprochen auf die vielen leeren Sitze. Offiziellen Angaben zufolge waren 67.372 Zuschauer da. Die Arena fasst laut FIFA-Angaben 60.000 Menschen. Auf der Tribüne der VIP saß Staatsoberhaupt Tamim bin Hamad Al Thani.

«Ich bin sicher, dass uns die Menschen bis zum Ende des Turniers unterstützen werden», sagte der Spanier Sanchez, der seit vielen Jahren in Katar arbeitet. Seiner Meinung nach sei die Atmosphäre im Stadion «großartig» gewesen. «Es tut uns leid, dass wir nicht zu dieser großartigen Atmosphäre und der Party beitragen konnten. Aber wir wussten, dass das passieren kann.»

Katar trifft auf Senegal

Mit Ruhm bekleckert hatten sich auf der großen Bühne beide Mannschaften nicht. Dem Datendienstleister Opta zufolge war es seit Beginn der Aufzeichnungen 1966 die Partie mit den wenigsten Torschüssen. Katar schaffte fünf, Ecuador sechs – zwei davon brachte Enner Valencia ins Tor.

«Offensichtlich war es nicht das, was wir uns erhofft haben», sagte Sanchez. «Jetzt müssen wir das Spiel analysieren, uns auf die nächste Partie konzentrieren und das Spiel heute vergessen.» In der Gruppe A mit den Niederlanden und Senegal steht Katar schon gehörig unter Druck, nächster Gegner ist am Freitag Senegal.

Kramer verglich die Situation mit der von der WM 2010. «Südafrika hatte als WM-Gastgeber auch einen schweren Stand, aber da hatte man irgendwie das Gefühl, dass man mit dem Land im Rücken und mit dem Esprit und Feuer der Leute irgendwie eine Wucht entwickeln kann», sagte der Profi von Borussia Mönchengladbach: «Das hatte man heute gar nicht.»

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