Fokus auf PSG: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann schießt sich für den Kracher in Paris ein. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Angelika Warmuth/dpa)

Der große Paris-Poker um Kylian Mbappé und Lionel Messi brachte Hasan Salihamidzic nicht in Wallung. Der Sportvorstand des FC Bayern München setzte im schwarzen Anzug vielmehr selbst ein Pokerface auf, als er am Münchner Flughafen das Wort ergriff.

«Ich weiß, was das für Spieler und Topstars sind, aber ich konzentriere mich auf unsere Mannschaft», sagte der 46-Jährige vor dem knisternden Fußball-Spektakel. «Das sind Highlights im Leben eines jeden Fußballers.» 

Der Sportvorstand beendete seinen eindringlichen Appell kurz vor dem Abflug zur Kraftprobe bei Paris Saint-Germain mit vier Schlagworten und Forderungen an die Münchner Stars: «Aktivität, Energie, Aggressivität, Mentalität.» Das alles müsse man gegen die PSG-Superstars auf den Platz bringen. 

«Für uns alle ist das Spiel sehr wichtig»

Im Prinzenpark, der noch nie ein Wohlfühlort für den FC Bayern war, wird sich am Dienstag (21.00 Uhr/Amazon Prime Video) vorentscheiden, in welchem Glanz die zweite Bayern-Saison unter Julian Nagelsmann erstrahlen könnte – oder auch nicht. Der immer noch junge Trainer weiß, dass er im Achtelfinal-Kracher bei Taktik und Personal ganz viel richtig machen muss – anders als vor einem Jahr beim heftigen K.o.-Schlag im Viertelfinale gegen den Außenseiter FC Villarreal. «Für den Trainer, für die Spieler, für den Club – für uns alle ist das Spiel sehr wichtig», sagte Salihamidzic.

Was vorher war – bei den Bayern mit der Unruhe um Kapitän Manuel Neuer und der matten Bochum-Generalprobe, bei PSG mit verletzten Stars, Niederlagen und mieser Stimmung – interessiert beim Anpfiff nicht mehr. Die Königsklasse ist schließlich die Bühne, für die beide Vereine und internationale Stars leben und brennen. 

«Ganz Europa ist heiß auf das Spiel», tönte Leon Goretzka. Ein angeschlagener Messi, ein blitzartig geheilter Mbappé, ein formschwacher Neymar? Geschenkt. Paris braucht seine Superstars – jetzt! «Für Paris zählt eh nur die Champions League», meinte Goretzka. Die Besitzer aus Katar wollen unbedingt den Pokal.  

Feuerprobe für Nagelsmann

Nagelsmann schwirren andere Fragen im Kopf herum. Was verspricht ein gutes Ergebnis fürs Rückspiel? Dreierkette oder Viererkette? Mehr Kompaktheit oder total mutig aufstellen mit der vollen Offensiv-Kapelle? Beim Training im kühlen, diesigen München schaute der 35-Jährige am Montag warm eingepackt mit Mütze und Handschuhen genau hin. «Du musst gewinnen als Paris – oder als Bayern München», sagte Nagelsmann, der nach dem 3:0 gegen Bochum schlechte Laune hatte. «Dass er Emotionen zeigt, dass er auch mal sauer ist – das wollen wir eigentlich», sagte Salihamidzic. «Diese Emotionen verlangt er auch von den Spielern auf dem Platz.»

Der Verlierer bekommt ein Problem. Große Trainer und große Spieler bewähren sich aber gerade in großen Spielen. Weltmeister Messi (35) kann das. Und auch schon Jamal Musiala (19)? Der Generationen-Vergleich ist ein Reiz des Giganten-Treffens. Messi sei der «Weltmeister, der Spieler, der die Welt des Fußballs 15, 20 Jahre lang geprägt hat. Der beste Spieler der Welt», würdigte Salihamidzic den Argentinier.

Im Bochum-Style wird es sicher nichts werden in Paris. Das hat Nagelsmann seinen Profis deutlich vermittelt. Das Erklingen der Champions-League-Hymne soll für ein ganz anderes Energielevel auf dem Platz sorgen. «Ich hoffe mal, dass der Reiz des Wettbewerbs, der Reiz des Duells die Frische in den Kopf bringt», sagte Nagelsmann.

Coman optimistisch

Keine Sorge, beruhigte Kingsley Coman. «Es wird ein super Spiel», sagte Bayerns «King», der im Finale 2020 in Lissabon per Kopf das Siegtor im Finale gegen seinen Ex-Club aus Paris erzielt hatte. Joshua Kimmich wird nach seiner Gelb-Sperre gegen Bochum wieder in der Münchner Startelf stehen. Yann Sommer will gegen Messi, Mbappé und Neymar zeigen, dass er ein Torwart auf höchstem Neuer-Niveau ist. Auch Thomas Müller ist nach Wadenproblemen bereit. «Wir müssen da sein», mahnte der Anführer. 

Das Phänomen, das vor großen Spielen verletzte Stars auf wundersame Weise fit werden, war am Montag bei PSG zu beobachten. Beim Training im sonnigen Paris liefen Messi und Mbappé putzmunter wirkend über den Rasen. Nagelsmann hatte das Pokerspiel schon geahnt, als der französische Meister eine mehrwöchige Pause des am Oberschenkel verletzten WM-Torschützenkönigs Mbappé vermeldet hatte. Der Bayern-Trainer wird sein Team daher auf alles vorbereiten, schon aus «Eigenschutz», damit niemand sagen könne:  «Was ist das für ein Idiot der Nagelsmann, der lässt sich blenden.» 

Paris mit Messi und Mbappé ist natürlich ein anderes Kaliber als ein Paris ohne M & M. «Das sind zwei Spieler mit sehr besonderen Fähigkeiten, die den Unterschied ausmachen», sagte Nagelsmann: «Wenn bei uns zwei Topspieler ausfallen, sind wir wahrscheinlich auch einen Tick schwächer.»

In der Tat: Vor zwei Jahren, als die Bayern gegen PSG im Viertelfinale unglücklich ausschieden, fehlte Robert Lewandowski in Hin- und Rückspiel verletzt. Mbappé war beim übrigens beim 3:2-Hinspielsieg in München mit zwei Treffern der Matchwinner für PSG.

Die möglichen Aufstellungen:

Paris Saint-Germain: Donnarumma – Hakimi, Marquinhos, Sergio Ramos, Nuno Mendes – Verratti, Danilo Pereira, Vitinha – Neymar – Messi, Mbappé

Bayern München: Sommer – Joao Cancelo, Upamecano, de Ligt, Davies – Kimmich, Goretzka – Müller, Musiala, Coman – Choupo-Moting

Schiedsrichter: Oliver (England)

Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa

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