Die Leverkusener Spieler feiern den Sieg gegen Ferencváros Budapest mit ihren Fans. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Federico Gambarini/dpa)

Bayer Leverkusen ist in der Europa League endgültig auf den Geschmack gekommen und hofft nun auf das ganz große Ding nach Vorbild von Eintracht Frankfurt.

«Das ist ein guter Wettbewerb. Man kann schnell zu einem Titel kommen», sagte Ex-Nationalspieler Nadiem Amiri nach dem 2:0 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Ferencváros Budapest: «Man hat letztes Jahr gesehen, dass Frankfurt das Ding gewinnen kann. Das reizt uns natürlich auch.»

Die Art und Weise, wie der Sieg gegen den ungarischen Meister und Rekordchampion zustande kam, steigerte die Zuversicht. Obwohl er alles andere als glanzvoll war. «Das war keine spektakuläre, aber eine seriöse und effektive Leistung», sagte Trainer Xabi Alonso, als Spieler in 119 Champions-League-Spielen mit dem FC Liverpool, Real Madrid und dem FC Bayern gestählt: «In Europa ist genau das wichtig. Natürlich können wir besser spielen. Aber manchmal ist es besser, diese Kraft zu spüren, kein Tor zu bekommen und die wenigen Chancen zu nutzen.»

Bayer fast ohne Verletzungssorgen

Klar ist: Ein Titelgewinn wäre alles andere als ein Selbstläufer. Im FC Arsenal, Manchester United, AS Rom, Juventus Turin oder Europa-League-Rekordsieger FC Sevilla sind noch extrem starke Teams im Wettbewerb. Doch sollte Bayer das Viertelfinale erreichen, fände das Hinspiel nach dem 27. Spieltag und dem wegweisenden Duell mit den aktuell sechstplatzierten Frankfurtern statt. Dann könnte absehbar sein, ob noch eine realistische Chance auf eine Europacup-Qualifikation über die Bundesliga besteht. Oder ob Alonso sich beim Rotieren voll auf die Europa League konzentrieren kann. Schon als er vor dem Rückspiel der letzten Runde beim 2:3 gegen Mainz sechs Spieler schonte und ausgeruht in Monaco gewann, erhielt er dafür ein Lob von Sportchef Simon Rolfes.

Und dass die in der Hinrunde so unsichere Mannschaft nun bereit ist für größere Aufgaben, zeichnet sich zumindest ab. Zudem hat sie, nachdem in der Hinrunde in Florian Wirtz und Patrik Schick die beiden überragenden Spieler der Vorsaison fehlten, aktuell nahezu keine Verletzungssorgen.

Der diesmal allerdings gesperrte Robert Andrich, sonst ein Leader im defensiven Mittelfeld, ging am Donnerstag mit den Worten «Endlich mal ein dreckiger Sieg» in die Kabine. «Ich widerspreche meinem Kumpel nicht», sagte Kerem Demirbay, der Schütze des 1:0 (10.), lachend: «Das war eine sehr reife Leistung. Es ist ein Prozess, noch reifer zu werden, auch für die große Bühne.» Amiri nannte die Leistung «sehr erwachsen». So wie bei Frankfurt im vergangenen Jahr.

Holger Schmidt, dpa

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