Sheraldo Becker (3.v.l.) sorgte für den ersten Union-Treffer gegen Stuttgart. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andreas Gora/dpa)

Der VfB Stuttgart hat sein Auswärtstrauma auch bei der Heimmacht 1. FC Union Berlin nicht beenden können und taumelt dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga weiter entgegen. Trotz einer überzeugenden ersten Halbzeit kassierte der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga letztlich eine bittere 0:3 (0:0)-Pleite beim Champions-League-Anwärter aus Köpenick.

Vor 22.012 Zuschauerinnen und Zuschauern im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei brachte Goalgetter Sheraldo Becker (51. Minute) die Gastgeber mit seinem achten Saisontor in Führung. Kevin Behrens (65.) und ein Eigentor des ehemaligen Union-Profis Genki Haraguchi (68.) sorgten für den Endstand, mit dem die Eisernen ihren dritten Rang festigten.

Die Vorzeichen waren klar: Heimstarke Unioner, in der Liga in dieser Saison zu Hause unbezwungen, empfangen die auswärts chronisch erfolglosen Schwaben. Den letzten Sieg schaffte der VfB in der Fremde am 11. Dezember 2021 (2:0 beim VfL Wolfsburg). «Wir können uns nur selber helfen», betonte Trainer Bruno Labbadia vor der Partie noch einmal. Fünf Wechsel hatte er nach dem 0:1 gegen Wolfsburg vor der Länderspielpause vorgenommen, notgedrungen auch Borna Sosa, der wegen muskulärer Probleme ausfiel.

Schönspielerei war nicht zu erwarten, gab es auch nicht. Viele Zweikämpfe, hohe und lange Balle prägten das Spiel gegen die Berliner, für die Robustheit und Körperlichkeit zum guten Ton im Köpenicker Stimmungstempel gehören. Allerdings musste auch Union-Trainer Urs Fischer noch einmal kurzfristig umbauen bei seinen insgesamt sechs Wechseln: Stammkeeper Frederik Rönnow fiel angeschlagen aus, dafür kam Lennart Grill. Geprüft wurde er zunächst nicht, die beiden Chancen, die sich die Stuttgarter erkämpften, gingen knapp am Tor vorbei.

In der 13. Minute köpfte Juan Perea den Ball vorbei, in der 29. Dan-Axel Zagadou. Beide Male aus kurzer Entfernung. Wieder mal haperte es bei der Chancenverwertung der Stuttgarter, die unter Labbadia in elf Ligaspielen nur einen Sieg geschafft haben. Und auch der Jubel der 2500 mitgereisten VfB-Fans kam zu früh: Nach einem Treffer von Perea erkannte der Videoreferee das Tor wieder ab. Der Stuttgarter Angreifer hatte den Ball mit der Hand am heraus geeilten Grill vorbei gelegt, der kurz vor der Pause gegen Tiago Tomás klärte.

Unverdient wäre eine VfB-Führung nicht gewesen, von Union kam zu wenig für einen Anwärter auf die internationalen Plätze und Kandidaten für die Champions League. Becker, unter der Woche noch kränkelnd, verzog kurz vor der Pause aus kurzer Distanz deutlich. Ein bisschen genauer, aber noch nicht exakt genug, zielte Janik Haberer kurz nach dem Seitenwechsel.

Maßarbeit leisteten danach aber Vorbereiter und Torschütze wenig später. Jérôme Roussillon flankte den Ball von der linken Seite vors Tor, Becker nahm ihn direkt und verwandelte zum 1:0. Und was machte der VfB? Vergab wenig später wieder eine Chance, erneut war es Zagadou. Sie wollten sich nicht geschlagen geben. Mussten sie aber spätestens nach dem zweiten Treffer durch Behrens, der per Videoentscheid bestätigt wurde, und dem 0:3 kurz danach. In eine Behrens-Hereingabe rutschte ausgerechnet Haraguchi, der für seine Zeit bei den Unionern vor dem Anpfiff noch gefeiert worden war. Mit hochgeklapptem Kragen verfolgte Labbadia das Unheil von der Seitenlinie.

Jens Marx, dpa

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