Die Hamburger Spieler jubeln nach ihrem 4:3-Sieg (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marcus Brandt/dpa)

Die Spieler des Hamburger SV sprinteten nach dem erlösenden Schlusspfiff zum Derby-Sieg gegen Stadtrivale St. Pauli in Richtung der jubelnden Fans auf der Nordtribüne.

Mittendrin war auch Trainer Tim Walter, der hüpfend und sichtlich aufgelockert mit seiner Mannschaft das spektakuläre 4:3 (1:1) und die Rückkehr auf Tabellenplatz zwei im ausverkauften Volksparkstadion genoss. «Ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft und vor allem auch auf die Zuschauer», sagte der Trainer nach dem Torfestival in der 2. Fußball-Bundesliga. 

Beim Gegner sah die Gefühlslage komplett anders aus. «Die Enttäuschung ist groß», sagte St. Paulis Trainer Fabian Hürzeler. Nach der gestoppten Serie von zehn Siegen in der vergangenen Woche, kassierte der Kiez-Club die zweite Niederlage nacheinander. «Das ist schon ein Schlag ins Gesicht gewesen für die Jungs», bilanzierte Hürzeler nach der Derby-Pleite. Er beklagte zu «viele individuelle Fehler». «Fakt ist: Vier Gegentore sind zu viel hier beim HSV, um etwas zu holen.»

Walter freut sich über «Dosenöffner»

Das Spektakel hatte sich zunächst nicht angekündigt. Nach einer starken Gäste-Halbzeit und dem 0:1 durch St. Paulis Außenverteidiger Manolis Saliakas (36. Minute) brachte ausgerechnet Innenverteidiger Jonas David (44.) die Gastgeber durch einen sehenswerten Weitschuss aus knapp 20 Metern zurück ins Spiel. Das Gegentor habe sein Team «ins Schlingern» gebracht, analysierte Walter. «Letztendlich hat Jonas einen goldenen Moment gehabt», sagte der HSV-Trainer und freute sich über diesen «Dosenöffner» für die weiteren Treffer. 

Der Ausgleich ermutigte die im ersten Durchgang teils verunsicherten Hausherren, die dafür direkt zu Beginn des zweiten Durchgangs durch die Treffer von Bakery Jatta (48.) und Moritz Heyer (52.) die Partie umkrempelten und in Führung gingen. Der eingewechselte Elias Saad (71.) traf zum Anschluss für St. Pauli. Das Eigentor durch Jakov Medic (78.) bügelte Jackson Irvine (79.) per Kopf ohne Effekt auf den Spielausgang aus.

Neun Punkte Abstand

Die Hausherren kehrten vorerst auf einen direkten Aufstiegsrang zurück. Der verdrängte Konkurrent 1. FC Heidenheim empfängt am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) Holstein Kiel und könnte den zweiten Platz durch einen Sieg wieder zurückerlangen. Der Abstand zwischen dem HSV zum fünftplatzierten Stadtrivalen St. Pauli beträgt nun neun Punkte. Tabellenführer bleibt mit fünf Punkten Vorsprung der SV Darmstadt 98 nach ein 2:1-Erfolg gegen den Karlsruher SC.

Das Hamburger Hochrisikospiel wurde von zahlreichen Sicherheitskräften aus der Hansestadt und anderen Bundesländern begleitet. Bis zum Beginn der Partie sprachen die Einsatzkräfte von einer guten und friedlichen Stimmung. Fast durchgehend brannten beide Anhängerschaften allerdings auf den Rängen massenweise Pyrotechnik ab und zündeten Feuerwerkskörper.

Felix Schröder und Claas Hennig, dpa

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