City-Coach Pep Guardiola (l) und der damalige Co-Trainer Mikel Arteta im September 2019. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Barrington Coombs/PA Wire/dpa)

Mikel Arteta hatte mit dem FC Arsenal gerade eine ganz bittere Niederlage kassiert, da sprang ihm sein einstiger Lehrmeister zur Seite.

Arteta sei weit mehr als nur ein guter Trainer, sagte Pep Guardiola nach dem 5:0 von Manchester City gegen die Londoner am dritten Spieltag der vergangenen Saison über seinen geschlagenen früheren Assistenzcoach. «Wenn sie ihm vertrauen, dann wird er gute Arbeit leisten.» Guardiola lag richtig – und hat nun einen Konkurrenten mehr.

Am Mittwochabend (21.00 Uhr MEZ) geht es im direkten Aufeinandertreffen beider Spitzenclubs um eine mögliche Vorentscheidung in der englischen Meisterschaft. Arsenal tritt als Tabellenführer mit fünf Punkten Vorsprung beim Verfolger an. Aber Guardiolas Starensemble um Topstürmer Erling Haaland hat zwei Spiele weniger absolviert – und die Londoner sind nach drei Unentschieden in Serie nicht in Bestform. Von Nervosität oder zu viel Druck will Arteta allerdings nicht sprechen. «Es ist eher so, dass es in einigen Schlüsselmomenten nicht für uns lief», sagte er.

Guardiola spielte die Bedeutung des Spiels ein wenig herunter. «Es ist sehr wichtig», sagte er, «aber nicht entscheidend, weil es für beide Seiten noch viele Spiele gibt.» Aber: Sollte Arsenal in Manchester nicht gewinnen, könnten die formstarken Cityzens mit zwei Siegen aus ihren Nachholspielen die Tabellenführung übernehmen. Verliert Artetas Team das direkte Duell, wäre das fünf Spieltage vor Saisonende vermutlich das Aus aller Meisterschaftsträume in London. Dann hätten es die Gunners nämlich nicht mehr selbst in der Hand. «Wird das unsere Saison definieren? Nein!», insistierte Arteta fast ein wenig trotzig.

Arteta formte Arsenal zum Spitzenteam

Unabhängig vom Ausgang der Premier League dürfte die Verpflichtung Artetas, gegen den sich Arsenal 2018 noch zugunsten des glücklosen Unai Emery entschieden hatte, in Nord-London als Erfolg gewertet werden. Der 41 Jahre alte Spanier hat Arsenal seit seinem Amtsantritt im Dezember 2019 gegen viele Widerstände nach und nach zu einem Spitzenteam geformt. Erstmals seit sieben Jahren wird sich der Club in dieser Saison wieder für die Champions League qualifizieren.

Arteta etablierte ein neues Verständnis von Disziplin und Arbeitsmoral. Wer seiner Forderung nach vollem Einsatz seiner Meinung nach nicht nachkam, der bekam die Konsequenzen zu spüren. So wie der damalige Topverdiener Mesut Özil, den der Spanier schließlich auf die Tribüne verbannte. Unter den zahlreichen Profis, die Arteta aussortierte, waren auch Shkodran Mustafi und die beiden früheren Dortmunder Stars Pierre-Emerick Aubameyang und Henrich Mchitarjan.

Arteta, der 2020 bereits den FA Cup mit dem Team gewann, verhalf Bukayo Saka zu seinem Profidebüt. Das 21 Jahre alte Arsenal-Eigengewächs ist längst auch im englischen Nationalteam einer der Leistungsträger. Der hochbegabte Martin Ödegaard ruft endlich sein volles Potenzial ab. Mit den ehemaligen Man-City-Profis Gabriel Jesus und Aleksander Zinchenko verstärkten sich die Gunners außerdem sehr gezielt vor der Saison. Mit einem Altersdurchschnitt von 25,2 Jahren ist Arsenal in dieser Spielzeit die jüngste Mannschaft der Premier League. «Mikel hat sie auf ein neues Level gehoben», lobte Guardiola. «Sie sind konkurrenzfähig und so aggressiv.»

Beide Trainer betonen gegenseitigen Respekt

Einiges hat sich der Arsenal-Trainer nach eigener Aussage bei seinem früheren Lehrmeister Guardiola abgeschaut, den er schon beim FC Barcelona bewunderte. Arteta spielte damals in der zweiten Mannschaft von Barça. Als Guardiola 2016 bei Manchester City anheuerte, war Arteta sein absoluter Wunschkandidat als Assistent. «Ich mag keine Leute, die für mich arbeiten, sondern die, die für das Team arbeiten», sagte er mit Blick auf den Teamplayer Arteta. In zweieinhalb gemeinsamen Jahren bei City gewann das Duo zwei Meistertitel, den FA Cup und zweimal den Ligapokal.

Guardiola sprach kürzlich von «großem Respekt» und «ewiger Zuneigung», die er für den Trainer und Menschen Arteta empfinde. Der wiederum betonte die Freundschaft und sagte, die «Chemie» zwischen ihm und Guardiola stimme einfach. Am Mittwochabend stehe ein «Finale» an, wie Pep Guardiola betonte. Ausgerechnet der Mentor könnte seinem einstigen Schüler nun dessen bislang größten Erfolg verwehren. Und die Bilanz spricht klar gegen Arteta, der mit Arsenal siebenmal gegen Guardiolas City verlor und nur einmal gewann. Eine achte Niederlage wäre besonders schmerzhaft.

Philip Dethlefs, dpa

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