Hoffenheims Torschütze Christoph Baumgartner (l) jubelt mit Mannschaftskollegen über das Tor zur 1:0-Führung. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Uwe Anspach/dpa)

Nach einer eigentlich harmlosen Frage verlor Oliver Glasner endgültig die Fassung. Der seit Wochen dünnhäutig auftretende Cheftrainer von Eintracht Frankfurt setzte zu einer denkwürdigen Wutrede an, die das klare 1:3 (0:3) bei der TSG 1899 Hoffenheim und den folgenden Interviewboykott der Frankfurter Profis fast zur Nebensache machte.

«Hört auf damit, der Mannschaft irgendwas mit «nicht kapieren» vorzuwerfen. Der alte Makoto Hasebe ist 39 Jahre alt, der spielt das dritte Mal 90 Minuten in dieser Woche. Der hat teilweise Blut im Urin», rief der 48 Jahre alte Glasner mit lauter Stimme. Zuvor hatte er beim zehnten sieglosen Ligaspiel in Serie für sein Verhalten die Rote Karte gesehen. Glasner war dann während der Pressekonferenz gefragt worden, ob seine Mannschaft nach den Niederlagen von Bayer Leverkusen und dem FSV Mainz 05 die Chance auf die Europapokalplätze nicht gesehen habe.

Bei Eintracht Frankfurt liegen die Nerven blank

Glasners Wut wurde immer größer und sichtbarer, sein lauter Vortrag glich einer belehrenden Zurechtweisung. «Hör mir mit diesem Müll auf. Ich weiß, was die Jungs hier leisten. Diese Mannschaft bestreitet das zweite Finale im zweiten Jahr. Sie haben es natürlich kapiert», rief Glasner. Als er direkt im Anschluss bei einer weiteren Frage beantworten sollte, wessen Idee der Presseboykott der Profis gewesen sei, antwortete der Österreicher plötzlich leise: «Ich war auf der Tribüne.» Kurze Zeit später war er weg.

Pokalfinale hin oder her: Bei Eintracht Frankfurt liegen die Nerven blank. Und immer mehr spricht dafür, dass der Weg des Trainers aus Österreich beim hessischen Europa-League-Sieger mit dem Pokalfinale am 3. Juni gegen RB Leipzig endet. Zehn sieglose Bundesliga-Spiele sind sportlich eine riesige Hypothek, vereinsintern scheinen die Missstimmungen immer größer zu werden. Dass kurz nach Glasners Roter Karte kein anderer Verantwortlicher oder Profi sprechen wollte, wirkte in diesen turbulenten Tagen wie ein Sinnbild.

Zumal es Glasner aktuell auch keinen Spaß mehr zu machen scheint, Trainer der Eintracht zu sein. Patzige Pressekonferenzen wiederholen sich seit Wochen. Dass er von Referee Harm Osmers wegen seines Fehlverhaltens an der Seitenlinie Rot sah, gestand er als Fehler ein. «Ich wollte meinem Unmut kundtun, das war nicht richtig. Ich akzeptiere die Konsequenzen», sagte Glasner. Den ins Feld geschossenen Ball bezeichnete er salopp als «seinen stillen Protest gegen die Leistung des Schiedsrichters».

Matarazzo und die TSG kurz vor dem Klassenverbleib

Auch Kevin Trapp und Mario Götze hatten Osmers nach den Gegentoren durch Christoph Baumgartner (9.), Andrej Kramaric (41./Foulelfmeter) und Ihlas Bebou (45.+3) auf dem Feld harsch attackiert. Auf die Frage, was der Unparteiische falsch gemacht habe, antwortete Glasner: «Ihr wart eh alle im Stadion.» Götzes Treffer (54.) und die Rote Karte von Hoffenheims Stanley Nsoki (49.) nach dem Seitenwechsel blieben Randnotizen.

Das war nach den massiven Frankfurter Turbulenzen auch der Sieg der TSG, die sich massiv Luft im Abstiegskampf verschaffte. «Wir haben in Unterzahl sehr viel Herz gezeigt. Unter dem Strich ist es ein verdienter Sieg. Ich bin froh, dass die Jungs sich endlich mal wieder belohnen konnten», sagte Trainer Pellegrino Matarazzo, der im März kurz vor der Freistellung stand – und nun kurz vor dem Klassenverbleib.

Der WM-Dritte Kramaric, Baumgartner sowie Rückkehrer Grischa Prömel waren entscheidende Faktoren auf dem Weg zum Heimsieg, der durch die Niederlagen von Bochum (0:2 in Gladbach) und Stuttgart (1:2 bei Hertha BSC) noch einmal aufgewertet wurde. Prömel verdiente sich nach monatelanger Verletzungspause ein Sonderlob. «Er ist ein Spieler, der extrem viel ausstrahlt. Er kommuniziert. Er ist clever in seinen Aktionen, bringt Robustheit in seine Aktionen. Er bringt extrem viel mit für seine Mannschaft», schwärmte Matarazzo.

Patrick Reichardt, dpa

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