Kann über eine bewegte Zeit in der Fußball-Bundesliga zurückblicken: Felix Magath. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andreas Gora/dpa)

Felix Magath ist gefragt – doch aus der Fußball-Bundesliga fragt niemand bei ihm an. In den Tagen und Wochen vor seinem 70. Geburtstag am 26. Juli ist der frühere Spieler, Manager und Trainer medial präsent wie schon lange nicht mehr.

Dass vor seinem Geburtstag sein Buch «Gegensätzliches» erschienen ist, mag ein Grund für seine Interview-Tournee sein. Dass die Spieler-Legende des Hamburger SV meinungsstark ist, ein anderer. 

Wenn jemand wissen will, was im deutschen Fußball schiefläuft, bekommt von Magath ehrliche Antworten. Er ist ein Kritiker des Fußball-Zeitgeistes. Arbeit, Leistung, Siegeswillen – was er als Spieler und Trainer als Tugenden lebte, findet er seiner Ansicht nach heute nur noch selten. Für ihn steht und stand der Erfolg der Mannschaft über allem. 

Schon 2011 die Nachwuchsarbeit kritisiert

«Über die Probleme des deutschen Fußballs reden? Dafür bräuchten wir eigentlich mehrere Stunden», sagte Magath der Deutschen Presse-Agentur. Seit dem WM-Titel 2014 habe sich eine Abwärtsspirale entwickelt. «Ich habe 2011 schon die Nachwuchsarbeit kritisiert. Wenn ich zwölf Jahre später höre, dass keine Stürmer und Innenverteidiger nachkommen, denke ich mir: Was für ein Wunder.»

Es kämen zu wenige Spieler nach, sagte er. «Wir fordern zu wenig Leistung ein. Die Ausbildung in den Nachwuchsleistungszentren macht die Spieler schon seit Jahren international nicht mehr wettbewerbsfähig.» 

Fußball-Deutschland habe seine Identität verloren. «Früher stand die deutsche Nationalmannschaft für Einsatz, Disziplin und Willensstärke. Heute hat niemand mehr Respekt vor uns», kritisierte er. «In den Clubs und Verbänden wird oft mehr über Marketing oder Zeichen setzen geredet als über Fußball.» Die Spieler beschäftigten sich mehr mit anderen Dingen statt mit dem Spiel. «Wenn ich einen zweistelligen Millionenbetrag durch das Fußballspielen verdiene, dann brauche ich nicht noch nebenbei etwas dazuzuverdienen.». 

Lust auf ein Trainer-Amt

Magath würde liebend gern beweisen, dass mit seinen Tugenden auch heute Erfolg möglich ist. Zuletzt rettete er Hertha BSC vor einem Jahr in der Relegation – ausgerechnet gegen seinen Hamburger SV – vor dem Bundesliga-Abstieg. «Hertha tat mir gut. Ich zog daraus diese Erkenntnis: Ich bin absolut sicher, dass ich mit meinem Wissen und Input noch jeder Mannschaft in Deutschland und international helfen kann, in der ersten, zweiten, dritten oder vierten Liga» meinte Magath im «Kicker»-Interview.

Auch die Berliner fragten ihn nicht, ob er weiter machen wolle. Hertha stieg ab. «Natürlich hätte ich mir zugetraut, den Verein nicht nur in der Bundesliga zu halten, sondern so zu entwickeln, dass er in der Bundesliga weiter nach oben kommt», sagte Magath

Dass Magath mit seiner Art Erfolg hatte, ist unbestritten. Zugleich brachte sie ihm den Namen «Quälix» ein. «Ich habe meinen Job nicht gemacht, um beliebt zu sein», sagte er in der NDR-«Talk Show». Der frühere Frankfurter Stürmer Jan-Aage Fjörtoft beschrieb Magaths Methoden ebenso lustig wie anerkennend. «Ich weiß nicht, ob Magath die Titanic gerettet hätte. Die Überlebenden wären auf jeden Fall topfit gewesen», sagte der Norweger nach der geglückten Rettung der Eintracht 2000. Ein anderer Spruch: «Das Training von Felix Magath ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber hinterher geht’s einem besser.»

Doppel-Double mit Bayern – Überraschungsmeister mit Wolfsburg

Magath gewann als Trainer mit Bayern München jeweils das Double 2005 und 2006. 2009 führte er den VfL Wolfsburg zum Meister-Titel. Ebenso bedeutend: Magath stieg nie mit einem Verein ab – obwohl er die ein oder andere heikle Rettungs-Mission übernahm. 

Die Erinnerungen an seine Spieler-Zeit sind eng mit dem HSV verbunden. Sein Siegtreffer zum 1:0 gegen Juventus Turin im Finale des Europapokals der Landesmeister vor 40 Jahren hat ihm einen herausragenden Platz in der Club-Historie gebracht. Dazu gewann er mit dem HSV dreimal die deutsche Meisterschaft und den Europapokal der Pokalsieger (1977).

Genug Gründe, um mit 70 Jahren zufrieden zurückzublicken und sich feiern zu lassen. Doch das ist nicht seine Sache. «Ich bin es nicht gewohnt, Geburtstage zu feiern», sagte der Sohn einer Deutschen und eines Puerto Ricaners dem NDR. In seiner Kindheit in Aschaffenburg mit seiner Mutter und seiner Großmutter sei nie das Geld dafür da gewesen. Und später als Spieler und Trainer fiel sein Geburtstag in der Saisonvorbereitung. Vielleicht gibt es am Mittwoch statt einer Feier wieder eine Interview-Anfrage. Zu sagen hat Magath noch viel.

Von Claas Hennig und Felix Schröder, dpa

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