Startete mit einer Niederlage beim FC Bayern: Harry Kane. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Daniel Löb/dpa)

Mit einem roten Bayern-Rucksack und wortlos verließ Harry Kane den Kabinentrakt der Allianz Arena. Interviews gab der neue Münchner Starstürmer nach dem heftigen 0:3 (0:2) bei seinem Bayern-Debüt im Supercup-Finale gegen DFB-Pokalsieger RB Leipzig mit dem dreifachen Torschützen Dani Olmo nicht.

Der Kapitän der englischen Fußball-Nationalmannschaft wird erst heute (13.00 Uhr) bei seiner offiziellen Präsentation erstmals ausführlich über den Wechsel von Tottenham Hotspur in die Bundesliga sprechen. 

Tuchels Pläne für Kane

Ein Jahr nach dem Abgang von Robert Lewandowski ist Kane der neue Münchner Hoffnungsträger. Der 30 Jahre alte Rekordeinkauf soll dem deutschen Rekordmeister nach dem Einsatz von über 100 Millionen Euro Ablöse Tore am Fließband garantieren.

«Er spielt jedes Spiel, fertig, aus», antwortete Trainer Thomas Tuchel auf die Frage, wie er mit Kane künftig plane. «Es gibt keinen Aufbau. Er trainiert mit uns und startet gegen Werder Bremen», stellte der FCB-Coach mit Blick auf den Bundesliga-Start am Freitag klar. 

Tosender Applaus des Publikums

Am Tag seiner Verpflichtung war Kane gegen Leipzig in der 63. Minute unter tosendem Applaus des Publikums eingewechselt worden. Da stand es bereits 0:2. Nennenswerte Aktionen hatte er nicht. «Es tut mir leid für ihn. Wir haben nicht genug Chancen für ihn kreiert», befand Tuchel.

Der Trainer versicherte: «Ich erwarte keinen Super-Hero. Harry ist einfach ein top Guy mit einer top Persönlichkeit. Er wird uns helfen. Wir brauchen seine Einstellung.» Leipzigs Sport-Geschäftsführer Max Eberl bemerkte zum überbordenden Kane-Hype: «Ich finde es fast schon zu viel, was Harry Kane hier aufgeladen wird. Das ist ja wie ein Messias, der über das Wasser läuft.»

Tuchels Ausführungen über den Stotterstart in die neue Saison erinnerten schon wieder an seine ratlosen Spielanalysen seiner ersten Trainermonate in München. Erklären konnte der 49-Jährige «die Diskrepanz zu unserer Form in den Testspielen und im Training und zur Energie und zur Stimmung» nicht. Klar war allein: «Die Diskrepanz ist einfach viel zu groß – riesengroß.»

Die Bayern sind weiterhin leicht verwundbar

Tuchel bemängelte vor allem «große Defizite im Defensivverhalten». Dayot Upamecano wirkte alles andere als souverän, Alphonso Davies leistete sich auf der linken Abwehrseite mehrere Patzer. Ein stabiles Gerüst ist nach der mehrwöchigen Vorbereitung nicht im Ansatz zu erkennen, die Bayern sind weiterhin leicht verwundbar.

«Wir haben sehr einfache Gegentore kassiert. Wir haben die erste Halbzeit verloren, wir haben die zweite Halbzeit verloren. Das ist eindeutig. Das haben wir uns komplett anders vorgestellt», gestand Tuchel.

Der Auftritt vor 75.000 Zuschauern erinnerte nicht nur ihn an enttäuschende Darbietungen aus der Vorsaison. Damals hatten die Münchner nur soeben den Meistertitel gewonnen. Im Pokal und in der Champions League scheiterte der deutsche Rekordmeister jeweils im Viertelfinale.

«Ich kann es im Moment nicht erklären. Weil wir waren auf einem komplett anderen Weg», stöhnte Tuchel. Aufbauarbeit leistete ausgerechnet Leipzigs Trainer Marco Rose: «Jetzt ist auch noch der Harry hier. Da wird’s wahrscheinlich richtig rappeln.» Vielleicht ja schon in Bremen. Tuchel und den FC Bayern würde es beruhigen. 

Von Jordan Raza und Klaus Bergmann, dpa

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