Hans-Joachim Watzke kritisiert die geplante Nachwuchsreform des DFB. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Christian Charisius/dpa)

DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke hat die vom Deutschen Fußball-Bund geplanten Reformen im Nachwuchsbereich scharf kritisiert.

«Unfassbar und für mich nicht nachvollziehbar», sagte der 64-Jährige, der in Personalunion auch Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball Liga und Geschäftsführer von Borussia Dortmund ist, beim DUP Unternehmertag in Essen. Watzke kündigte eine Reform der Reform an: «Das haben wir gerade beschlossen.» Der neue DFB-Sportdirektor Hannes Wolf bestätigte das in dieser Form nicht.

Der DFB hatte Wolf erst Ende August als neuen, für den Nachwuchs zuständigen Direktor vorgestellt. Der 42-Jährige hatte die Reform ausführlich erläutert und verteidigt. Zuletzt war die Umstrukturierung der Nachwuchs-Wettbewerbe und die Abschaffung der bisherigen A- und B-Junioren-Bundesligen beschlossen worden. Kernpunkt der Kritik ist immer wieder, dass es angeblich nicht mehr ums Gewinnen und Verlieren geht.

«In den neuen Spielformen im Kinder- und Jugendfußball wird Leistung gefordert und durch die unmittelbare Rückmeldung des Gewinnens und Verlierens gefördert», sagte Wolf laut einer Pressemitteilung. «Die neuen Spielformate sind nicht starr, sondern wir haben in der Zukunft immer die Möglichkeit sie weiterzuentwickeln und an die Realitäten auf Deutschlands Plätzen und auf die besten Lernbedingungen anzupassen.»

Watzke kritisiert auch Gesamtgesellschaft

Watzke hatte kritisiert: «Wenn du als Sechs-, Acht- oder Neunjähriger nie das Gefühl hast, was es ist, zu verlieren, dann wirst du auch nie die große Kraft finden, um auch mal zu gewinnen. Wenn wir Angst haben, dass ein Achtjähriger komplett aus dem Lebensgleichgewicht geworfen wird, weil er mal 5:0 mit seiner Mannschaft verliert, dann sagt das auch sehr viel über die deutsche Gesellschaft aus.»

Ab 2024 sollen neue Spielformen etabliert werden. Im Kern sehen diese in bestimmten Altersklassen kleinere Mannschaftsgrößen auf kleineren Spielfeldern vor und lösen die bisherigen Wettbewerbsangebote als feste Formate ab. «Es gab ja auch die Diskussion, nicht mehr auf Tore zu spielen. Demnächst spielen wir dann noch ohne Ball», sagte Watzke. «Oder wir machen den eckig, damit er den etwas langsameren Jugendlichen nicht mehr wegläuft. Ich glaube, dass das grundsätzlich der falsche Ansatz ist.»

Watzke kritisierte, es gebe «im DFB und in der Gesamtgesellschaft viele Leute, die sagen: Wir müssen weniger Leistungsdruck und Stress am Arbeitsplatz und lieber ein bisschen mehr Home-Office haben. Wir müssen alle fröhlich und friedlich sein und uns alle gut vertragen und am Ende gucken, dass wir noch einen finden, der das Ganze bezahlt.» Das gelte auch schon im Nachwuchsfußball, meinte der Funktionär. «Das darfst du nicht unterschätzen. Und ich halte es für völlig falsch.»

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