Trägt Jérôme Boateng bald wieder das Bayern-Trikot? (Urheber/Quelle/Verbreiter: Tom Weller/dpa)

Am Thema Jérôme Boateng kam Thomas Tuchel natürlich nicht vorbei, auch wenn die Vorbereitung auf den FC Kopenhagen für ihn nach der Ankunft klar im Fokus stand. Doch über den Mann, der im regnerischen Dänemark gar nicht mit dabei ist, wird daheim eben gerade intensiv geredet.

Und die Debatte um die vom FC Bayern ernsthaft erwogene, aber nicht nur aus sportlichen Gründen diskussionswürdige Rückkehr des 2014-Weltmeisters zum deutschen Fußball-Serienmeister verfolgt die Münchner Rekordjäger darum auch auf der ersten Auswärtsreise dieser Champions-League-Saison.

Es geht nicht nur um den Fußballer Boateng, sondern eben auch um den Privatmann. Und der private Jérôme Boateng stand in jüngerer Vergangenheit auch für Gerichtsverfahren und den schwerwiegenden Vorwurf gewalttätiger Attacken auf seine Ex-Freundin. Das Bayerische Oberste Landesgericht hat eine Verurteilung von Boateng jedoch jüngst wegen eklatanter Rechtsfehler «in vollem Umfang» aufgehoben. Der Prozess wird neu aufgerollt.

Bayern trifft auf formstarken Gegner

«Es gilt die Unschuldsvermutung, wenn ein Verfahren ausgesetzt ist. Weil das auch so ist, haben wir als Fußball-Club das Recht, Fußball-Entscheidungen zu treffen», warb Tuchel am Montagabend für Bayerns Vorgehen. Es müsse einfach drin sein, «einen verdienten Spieler» mittrainieren zu lassen, befand der Bayern-Coach: «Da stehen die Türen immer auf.»

Beim FC Kopenhagen wollen die Bayern ungeachtet aller Boateng-Debatten mit dem formstarken Jubilar Leroy Sané, der am Dienstag (21.00 Uhr/Amazon Prime) zum 50. Mal in Europas Königsklasse auflaufen soll, ihre Rekordserie von 35 Gruppenspielen ohne Niederlage erfolgreich fortsetzen. Nach dem wilden 4:3-Auftakt gegen Manchester United soll der nächste Schritt zum Zwischenziel Achtelfinale gelingen. «Wir müssen 90 Minuten konzentriert unsere Aufgabe erledigen», mahnte Nationalspieler Joshua Kimmich.

Im Parken-Stadion erwartet das in der Bundesliga um Konstanz und Dominanz ringende Tuchel-Ensemble ein sehr heimstarker Gegner und ein nach einem Konzert ramponierter Rasen. Am Montag regnete es auch noch zeitweise. Insofern war Tuchel «froh», das Abschlusstraining diesmal am Spielort angesetzt zu haben. Der Praxistest sollte Sané, Kane und Co. gut vorbereiten. Man müsse die Bedingungen «runterschlucken und akzeptieren», so Tuchel. «Wenn nötig, werden wir unsere Spielweise anpassen», kündigte er an.

Boateng-Entscheidung in dieser Woche

Trainingsgast Boateng schuftet derweil weiter in München. Der 35-Jährige könnte – weil vereinslos – zwei Jahre nach seinem nicht gerade geräuschlosen Abschied aus München plötzlich noch mal als Nothilfe zurückkehren. Sportdirektor Christoph Freund kündigte eine zeitnahe Entscheidung noch in dieser Woche an. «Er wird auch die nächsten zwei, drei Tage an der Säbener Straße trainieren. Und dann werden wir nochmal ein Gespräch mit ihm führen. Und dann schauen wir, was die beste Entscheidung sein kann für alle Beteiligten.»

Auch Freund verwies auf die Vereinshaltung der Unschuldsvermutung. «Unser Zugang ist, was das Beste für den FC Bayern sportlich ist.» Boatengs «private Geschichte» sei «kein großes Thema für uns». Der zuletzt für Olympique Lyon nur noch sporadisch auflaufende Boateng könnte den in der Sommer-Transferperiode selbst verschuldeten Engpass auf der Innenverteidiger-Position abmildern. Matthijs de Ligt fehlt auch in Kopenhagen verletzt. In Dayot Upamecano und Minjae Kim stehen gerade noch zwei Spezialkräfte zur Verfügung.

«Wir haben gesehen, dass wir dort eher dünn aufgestellt sind», referierte Freund. Boateng ist verfügbar – und er kennt den FC Bayern. «Es wäre seine Rolle, als Back-up die Mannschaft zu unterstützen und – wenn es sein müsste -, dass er dann auch einspringen könnte.» Das wäre allerdings in der Champions League während der Gruppenphase nicht mehr möglich.

Boatengs Gerichtsprozess könnte dessen zweite Bayern-Anstellung freilich begleiten. Es gibt Bayern-Fans, die Boatengs Privatsache kritischer bewerten. Tuchel sagte, er habe bislang «nicht wahrgenommen, dass das in den Club und die Mannschaft Unruhe bringt».

Von Klaus Bergmann, dpa

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