Die Bayern-Profis Konrad Laimer, Min-jae Kim und Thomas Müller (l-r) wirken nach dem Spiel fassungslos. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Uwe Anspach/dpa)

Der erste Titel ist schon mit Einbruch des Novembers «futsch», wie Thomas Tuchel mit leerem Blick konstatierte. Dazu kommen vor dem Bundesliga-Kracher bei Borussia Dortmund Verletzungssorgen und die große Frage, wo die Stärke der Münchner geblieben ist.

Beim FC Bayern erinnert die Pokal-Blamage beim 1. FC Saarbrücken an die so schwierige vergangene Saison mit den geplatzten Triple-Träumen, als am Ende nur der glückliche Gewinn der Meisterschaft stand. «Vielleicht ist der Klassiker das perfekte Match, die Dinge zurechtzurücken», schrieb Thomas Müller auf Instagram.

Erneut frühes Ausscheiden

Tuchel ertrug nach dem 1:2 (1:1) des Starensembles, das zuletzt 2020 den DFB-Pokal gewonnen hatte, bei der Pressekonferenz geduldig die vielen Fragen an seinen Trainerkollegen Rüdiger Ziehl vom 1. FC Saarbrücken. Was er seiner Mannschaft an diesem denkwürdigen Mittwochabend vor fast 16.000 Zuschauern im Ludwigspark mit dem Gegentreffer von Marcel Gaus in der Nachspielzeit vorzuwerfen hat? «Wir haben in der Kabine bereits gesagt, es ist kein Zeitpunkt, mit dem Finger aufeinander zu zeigen, kein Zeitpunkt, alles infrage zu stellen», sagte Tuchel nach dem dritten Zweitrunden-Aus in vier Jahren. «Es wird leider nicht unsere letzte Niederlage in unser aller Fußballleben bleiben.»  

Ex-Weltmeister Müller kritisierte aber gleich mal seine Mitspieler für das Verhalten gegenüber den eigenen Fans nach dem Abpfiff. «Das werden wir auch intern besprechen, warum auch unsere Fans zu Recht sauer sind, unabhängig vom Spiel. Da müssen wir ein anderes Gesicht zeigen, dass wir unseren Fans auch den nötigen Respekt entgegenbringen, wenn die hier auswärts den Block vollmachen», sagte Müller der ARD. Später entschuldigte er sich auf seinem Instagram-Account explizit bei den Bayern-Anhängern.

Müller: «Alles andere als unser Anspruch»

Neben Müller waren nur einige Spieler zu den mitgereisten Fans gegangen und hatten sich für die Unterstützung bedankt. «Das ist ein brutaler Schlag für uns, dass wir jedes Jahr in der zweiten Pokalrunde ausscheiden», klagte Müller: «Das ist natürlich alles andere als unser Anspruch.» 

Gegenüber den Saarbrücker Spielern verhielten sich die Bayern in den Stadionkatakomben allerdings überaus zuvorkommend: Leroy Sané nahm sich ausgiebig Zeit für einen Plausch mit Lukas Boeder, den er noch aus der Schalker Jugend kennt, und besorgte FCS-Keeper Tim Schreiber das so ersehnte Trikot von Manuel Neuer. Serge Gnabry drückte dem verletzten Patrick Schmidt ein weiteres Hemd in die Hand. Auf so ein Erinnerungsstück hoffte auch Kai Brünker. Münchens Teammanagerin Kathleen Krüger winkte den zögerlichen Saarbrücker Richtung Kabine: «Komm, trau dich!»

Bayern vor Duell der Dauerrivalen

Tuchel beschäftigte viel mehr, dass sein Team gegen den Außenseiter «Probleme gehabt hat, sich an die aggressive Spielweise anzupassen». Vor dem Schlager am Samstag (18.30 Uhr/Sky) beim Dauerrivalen in Dortmund bereitet dem im Frühjahr für Julian Nagelsmann gekommenen Starcoach auch die Personallage Kopfzerbrechen. Nach wochenlangen Problemen in der dünn besetzten Innenverteidigung erlitt der niederländische Nationalspieler Matthijs de Ligt wieder eine Knieverletzung. «Wir hoffen, dass es nichts Strukturelles ist», sagte Tuchel. «Wir müssen eine Lösung finden, um gegen Dortmund bestehen zu können.» Möglicherweise können Noussair Mazraoui (krank) und Leon Goretzka (Mittelhandbruch) wieder dabei sein.   

Immerhin stehen die Bayern in der Liga trotz des Zwei-Punkte-Vorsprungs von Spitzenreiter Bayer Leverkusen mit 23 von 27 möglichen Punkten und 34:7 Toren in neun Spielen und in der Champions League mit drei Siegen gut da. Den denkwürdigen Fußball-Abend im Saarland müssen Müller und Co. aber erst mal aus den Kleidern schütteln. 

Von Ulrike John, dpa

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