Hat Spekulationen um seine Zukunft als Trainer des 1. FC Köln als müßig bezeichnet: Steffen Baumgart (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andreas Gora/dpa)

Marvin Schwäbe und Davie Selke waren mit ihrem Coach Steffen Baumgart nicht einer Meinung. Eine Trainerdiskussion? Unnötig, meinten die Profis des 1. FC Köln auch nach dem ernüchternden 0:2 beim 1. FC Union Berlin im Bundesliga-Abstiegskampf.

Baumgart selbst war da realistischer und in seiner gewohnt knurrigen Art auch erstaunlich offen für das unbarmherzige Fußball-Geschäft. Natürlich werde auch über seinen Posten gesprochen, gerade über diesen, raunzte er ins Mikrofon. 

«Alles hinterfragen, auch den Trainer»

«Es ist klar, in der Situation, in der wir sind, dass wir alles hinterfragen, auch den Trainer. Es geht nicht um meine Person, sondern es geht um die Gesamtheit und die sieht für uns nicht gut aus», sagte der 51-Jährige.

Es blieb im individuellen Deutungsbereich der Zuhörer, wer in Köln nun alles hinterfragen werde und mit wem Baumgart selbst in medias res gehen will. Mit seinem Trainerteam? Mit den Club-Verantwortlichen? Und war das alles, was da ausgerechnet in den Katakomben seines eigentlichen Herzensclubs Union Berlin passierte schon eine verklausulierte Bereitschaft zum geordneten Rückzug? 

Wenn es in der Bundesliga schon am 13. Januar weitergeht, spielt Köln gegen den 1. FC Heidenheim, den Aufsteiger, der mit 20 Punkten doppelt so viele holte wie der 1. FC. 

«Klare Ansagen» und eine «super Ansprache» hatte Selke dem Trainer attestiert. Eine Trennung sei kontraproduktiv war den Worten des Stürmers zu entnehmen. Torwart Schwäbe beschrieb es ähnlich. Baumgart selbst wirkte angefasst und meinte doch, man solle jetzt mal «die Emotionen wegnehmen». 

Die Schere zwischen Leistung und Ergebnissen ist die Krux. Gegen Union spielte Köln fast eine Stunde besser, ließ sich aber vom ersten Gegentor komplett verunsichern. «Wenn man die ganzen 90 Minuten sieht, interessiert das keinen, dass ich meine, das Ergebnis ist unverdient», haderte Baumgart. 

Die Kölner gehen als Tabellen-17. in die Weihnachtspause. Nur der zweite Aufsteiger Darmstadt 98 war in den bisher 16 Spielen noch schlechter. Für diese Bilanz ist es in Köln noch sehr ruhig in der Trainerfrage. Der einzige Sieg in den vergangenen neun Pflichtspielen gelang eben gegen Darmstadt. Ob er die Mannschaft noch erreiche, müsse ganz unabhängig von den freundlichen Worten der Spieler besprochen werden. «Deswegen lasst uns die Diskussionen führen, bevor wir in irgendeine Richtung eine Antwort geben», sagte Baumgart. Die Antwort könnte ihn allerdings sehr schnell ereilen. 

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