Bochums Cristian Gamboa (v.li.), Torschütze Takuma Asano, Anthony Losilla und Tim Oermann jubeln nach dem Tor zum 1:0. (Urheber/Quelle/Verbreiter: David Inderlied/dpa)

Minutenlang standen die Spieler des 1. FC Union Berlin vor der Gästekurve. Nach dem teils desolaten 0:3 (0:1) beim VfL Bochum spendeten die Fans den Köpenickern aufmunternden Applaus, dann schallten Eisern-Union-Rufe durch das Ruhrstadion. Die Unterstützung tat den Spielern nach dem Abrutschen auf den Abstiegsrelegationsplatz in der Fußball-Bundesliga gut. Den Blick auf die Realität verstellten sie nicht. Vor allem Kapitän Rani Khedira fand deutliche Worte.

«Wenn du die Positionen nicht einhältst wie abgemacht, wird es schwierig», sagte der 29-Jährige. Man sei völlig zurecht untergegangen. «Darf uns nicht passieren. Das sollte uns nicht passieren», sagte Khedira. Auf die Frage, ob er sauer auf einige Mitspieler sei, sagte der Mittelfeldspieler: «Nein, ich bin sauer auf alles. Wenn du mit zehn Punkten dastehst, kannst du nicht zufrieden sein. Dann kannst du nicht glücklich sein. Dann kannst du nicht in Ruhe Weihnachten feiern.»

Union Berlin geht in Bochum unter

Statt den leichten Aufwärtstrend fortzusetzen und mit einem Sieg am direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib vorbeizuziehen, beträgt der Rückstand der Köpenicker auf den VfL nun sechs Punkte. Union konnte zu fast keinem Zeitpunkt an die Leistung vom 3:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach in der Vorwoche anknüpfen. Vier Tage nach dem Champions-League-Abschied gegen Real Madrid (2:3) präsentierte sich das Überraschungsteam der Vorsaison vorne harmlos und hinten anfällig. Takuma Asano (45.+5), Goncalo Paciencia (54.) und Kevin Stöger (78./Foulelfmeter) erzielten am Samstag die Tore für die Gastgeber. Bochum war hoch überlegenen.

Das erkannte auch Bjelica an.«Sie waren heute viel besser als wir», sagte der 52-Jährige. «Giftiger, schneller, zweikampfstärker. Deswegen haben sie auch gewonnen.» Bjelica sagte zudem: «Sie waren immer einen halben Meter schneller als wir.»

Auf den Rängen herrschte zu Beginn des Spiels aus Protest gegen einen DFL-Investorendeal zunächst größtenteils Stille. Auf dem Platz ging es mit viel Tempo los. Nach Flanke von Cristian Gamboa verfehlte Stöger nur knapp das frühe 1:0 für Bochum (3.).

Bochums Asano nascht Süßes und trifft

Vor allem der VfL kam gut ins Spiel und erarbeitete sich immer größere Vorteile. Nach zwölf Minuten musste Schiedsrichter Sven Jablonski die Partie allerdings unterbrechen. Union-Fans hatten Tennisbälle auf den Platz geworfen und sorgten so für eine rund vierminütige Pause. Auch Schokoladentaler flogen auf den Rasen – Bochums Offensivspieler Asano öffnete einen und verzehrte ihn.

Die Unterbrechung brachte die Gastgeber nicht aus dem Konzept. Bochum blieb gefährlicher, nutzte mehrere gute Chancen nicht. Auf der Gegenseite hatte Janik Haberer nach mehr als einer halben Stunde die erste richtige Chance für die Gäste. Bochums Verteidiger Keven Schlotterbeck klärte kurz vor der Linie. Kurz vor dem Pausenpfiff traf Asano zur verdienten Bochumer Führung. Spätestens nach dem zweiten VfL-Treffer war der Berliner Widerstand gebrochen. Union hatte nichts mehr dagegenzusetzen.

Nur zehn Punkte haben die Berliner nach 14 Partien auf dem Konto. 2022/23 waren es nach der gleichen Spiele-Anzahl 27. «Die Situation kennen wir alle», sagte Innenverteidiger Robin Knoche. «Wer sich dessen jetzt noch nicht bewusst ist, der sollte schleunigst damit anfangen.»

Von Thomas Eßer, dpa

Von