Leverkusens Trainer Xabi Alonso steht an der Seitenlinie und coacht seine Mannschaft. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marius Becker/dpa)

Xabi Alonso verbreitete selbstsicher Lockerheit. Der Trainer von Bayer Leverkusen weiß, wie seine alten Kollegen beim FC Bayern ticken. Die Münchner lauern darauf, dass beim Konkurrenten im Meisterkampf die große Nervosität ausbricht. Doch darauf brauchen sie gar nicht zu hoffen, diese Botschaft sendete Alonso am Samstagabend demonstrativ in die alte Heimat.

«Wenn ich jetzt schon nervös werden würde, wäre ich im Mai kaputt», sagte Alonso, als Spieler durch zahlreiche Meisterkämpfe und Endspiele gestählt, nach dem 0:0 gegen Borussia Mönchengladbach. Und versprach zwei Wochen vor dem direkten Duell gegen die Bayern: «Hier wird keiner nervös. Wir bleiben sehr ruhig und optimistisch.»

Diesen flammenden Appell richtete der frühere Welt- und Europameister in der Kabine auch direkt an die Mannschaft. «Xabi hat gesagt: Wir werden in keinster Weise negativ», sagte Nationalspieler Jonas Hofmann: «Natürlich war das ein kleiner Dämpfer. Aber wir sind immer noch Erster, zwei Punkte vor den Bayern. Deshalb hoffe ich, dass keiner der Jungs den Kopf hängen lässt. Wir dürfen uns nicht verrückt machen oder aus der Bahn werfen lassen.»

Leverkusen erstmals in dieser Saison torlos

Doch auch in München sehen sie: Zum ersten Mal in dieser Saison blieb Bayer ohne Tor, zum ersten Mal gaben die Leverkusener gegen ein Team Punkte ab, das nicht zu den Top-Fünf der Liga gehört. Und diesmal kam eben nicht der meisterliche Last-Minute-Treffer wie zuvor in Augsburg (1:0) oder Leipzig (3:2). Dass der Vorsprung der auch nach 28 Pflichtspielen ungeschlagenen Leverkusener von vier Punkten auf die Hälfte geschmolzen ist, ist mehr eine Zahlenspielerei. Denn sollte der Abstand auch nach dem dazwischen liegenden Spieltag so bleiben, könnten die Bayern in zwei Wochen mit einem Sieg bei Bayer vorbeiziehen.

Doch es gab auch Gründe für die Nullnummer: Aus der von Alonso im ersten Saisondrittel nahezu in jedem Spiel aufgebotenen Stammelf fehlten fünf Spieler verletzt, gesperrt oder weil sie beim Afrika-Cup weilten. Bis auf Victor Boniface könnten bis zum Bayern-Spiel am 10. Februar alle zurück sein. Und für den verletzten Torjäger holte Leverkusen am Samstagabend in Borja Iglesias einen Ersatz. Gegen Gladbach saß der zweimalige spanische Nationalstürmer schon auf der Tribüne. Auf der Bank hätte er vielleicht die entscheidende Variante sein können. «Wenn du am Schluss noch so einen recht bulligen Stürmer bringen und das Spiel ein bisschen ändern kannst, bringt dir das schon noch mal was hinten raus», sagte Hofmann: «Aber heute war er noch nicht da.»

Rolfes: «Wir schauen auf uns und arbeiten so weiter»

Doch auch so hatte der Tabellenführer genug Chancen. 28:4 Torschüsse standen in der Bilanz, mindestens fünf davon waren Großchancen. «Einer von den Fünfen macht es normalerweise», sagte Sportchef Simon Rolfes und predigte ebenfalls Gelassenheit. Was die Bayern machen «hat mich schon vor zwei Wochen nicht interessiert. Und jetzt auch nicht. Wir schauen auf uns und arbeiten so weiter wie vorher. Und wir werden auch wieder Tore schießen.»

Kurios war die Nullnummer aber auch deshalb, weil ausgerechnet Alonsos Vorgänger Gerardo Seoane zum Stolperstein wurde. Mit einem Team, das in 18 Spielen zuvor erst einmal ohne Gegentor geblieben war. «Man kann die Mannschaft für diese disziplinierte Leistung nicht genug loben», sagte der Schweizer: «Auch wenn wir wissen, dass wir etwas Spielglück hatten. Und grundsätzlich freuen wir uns doch alle, dass die Bayern einen Konkurrenten haben, der ihnen bis zum Schluss alles abverlangen wird.»

Dafür, dass der Vorsprung bis zum Top-Spiel wieder größer wird, könnte übrigens ausgerechnet Seoane sorgen. Denn mit Gladbach spielt er am kommenden Samstag bei den Bayern.

Von Holger Schmidt, dpa

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