Der FC Bayern München und Trainer Thomas Tuchel trennen sich nach der Saison. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Sven Hoppe/dpa)

Der FC Bayern hofft auf den Blockadelöser. Mit der angekündigten Trennung von Trainer Thomas Tuchel im Sommer wollen die ihrer ersten titellosen Saison seit zwölf Jahren entgegen taumelnden Münchner Kräfte für die heiße Saisonphase freisetzen.

Gemeinsam habe man entschieden, die ursprünglich bis zum 30. Juni 2025 datierte Zusammenarbeit bereits zum 30. Juni 2024 zu beenden, teilte der FC Bayern mit, nachdem «Bild» und Sky schon darüber berichtet hatten. Dies sei das Ergebnis eines einvernehmlichen Gesprächs zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen und Tuchel.

Die Zukunft mit dem zuletzt schwer gezeichneten Trainer ist vorzeitig geklärt, nun sollen die Spieler nach drei schweren Wirkungstreffern gefälligst liefern – so dürfte die Hoffnung der Bayern-Chefetage lauten. «Wir sind in einem offenen, guten Gespräch zu dem Entschluss gekommen, unsere Zusammenarbeit zum Sommer einvernehmlich zu beenden. Unser Ziel ist es, mit der Saison 2024/25 eine sportliche Neuausrichtung mit einem neuen Trainer vorzunehmen», erläuterte Vorstandschef Dreesen.

Und dann wurde der FCB-Chef deutlich: «Bis dahin ist jeder Einzelne im Club ausdrücklich gefordert, um in der Champions League und in der Bundesliga das maximal Mögliche zu erreichen. Hierbei nehme ich auch explizit die Mannschaft in die Pflicht.»

Tuchel will «weiter alles für den maximalen Erfolg geben»

Gelingt Tuchel, im März 2023 als Nachfolger für Julian Nagelsmann geholt, noch der Turnaround mit einer verunsicherten Mannschaft? Bis zum Ende der Zusammenarbeit nach dieser Saison werde er mit seinem «Trainerteam selbstverständlich weiter alles für den maximalen Erfolg geben», äußerte der 50-Jährige. An der Säbener Straße herrschte derweil äußerlich «Business as usual»: Der Trainingsplatz war komplett abgehängt, nach außen drangen am Mittwoch nur lautstarke Kommandos. Thomas Müller trainierte mit einem Athletiktrainer auf dem Nebenplatz.

Einen Trainerwechsel auf der Zielgeraden der Saison wollen die Münchner Bosse vermeiden, aber ausschließen lässt sich das nicht. Bei satten acht Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Bayer Leverkusen in der Bundesliga gilt der Fokus der im DFB-Pokal beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken blamierten Münchner der Königsklasse: Im Achtelfinale muss der FC Bayern am 5. März ein 0:1 aus dem Hinspiel bei Lazio Rom aufholen.

Auf Eberl wartet Arbeit

«Insbesondere in der Champions League sind wir davon überzeugt, dass wir nach dem 0:1 im Hinspiel bei Lazio Rom im Rückspiel in unserer vollbesetzten Allianz Arena mit unseren Fans im Rücken ins Viertelfinale einziehen werden», erklärte Dreesen.

Die kurzfristige Aufgabe in der Bundesliga lautet am Samstag (18.30 Uhr) erstmal Pokalsieger RB Leipzig. Dort ist noch immer der designierte Münchner Sportvorstand Max Eberl angestellt. Grünes Licht für diese Personalie soll es vom Aufsichtsrat des FC Bayern angeblich am kommenden Montag geben. Ab dann kann sich Eberl schon mal einarbeiten sowie mit der Kader- und Trainer-Architektur beschäftigen.

Nach dpa-Informationen sind sich beide Vereine in wesentlichen Punkten längst einig; Leipzig verbucht demnach 4,5 Millionen Euro Ablöse für den ehemaligen Bayern-Profi.

Gewinnen – aber mit Stil

Tuchel, schon bei Borussia Dortmund, Paris Saint-Germain und FC Chelsea erfolgreich angestellt, hat mit den Münchnern aktuell nur den Gewinn der deutschen Meisterschaft in einem spannenden Finish vor dem BVB vorzuweisen. In dieser Saison hat er in seinem hochkarätig besetzten Team viele Verletzte zu beklagen. Mit taktischen und personellen Wechseln hatte Tuchel zuletzt aber keinen Erfolg.

«Die DNA des Clubs ist ganz klar definiert. Es geht ums Gewinnen, es geht auch um die Art des Gewinnens», hatte Tuchel bei seiner Vorstellung als neuer Münchner Hoffnungsträger im vergangenen Jahr geäußert. Diese Anforderungen hat er nicht komplett erfüllt.

Xabi Alonso wäre Bayern-like

Wer wird künftig die DNA des FC Bayern fortschreiben? Mit der Tuchel-Verkündung haben sich die Münchner erstmal Zeit verschafft. Eine Kurzfristlösung wie früher Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld haben sie nicht mehr. Jemand wie Leverkusens Erfolgscoach Xabi Alonso wäre indes ab Sommer eine klassische Bayern-Lösung.

Der frühere Mittelfeld-Stratege hat von 2014 bis 2017 selbst für den FC Bayern gespielt, sein Weggang würde gleichzeitig einen direkten Konkurrenten schwächen. Sky zufolge ist der Spanier, dessen Vertrag in Leverkusen bis zum Sommer 2026 verlängert wurde, Wunschkandidat an der Isar.

Nostalgienummer Flick

Zinédine Zidane wäre eine XXL-Lösung. Weltstar als Spieler, Weltstar als Trainer, an der Seitenlinie bei Real Madrid dreimal nacheinander Champions-League-Sieger. Die deutsche Sprache beherrscht der Franzose aber nicht. Eine Rückkehr von Hansi Flick ist wohl nicht mehr als eine Nostalgienummer, verließ der Sechs-Titel-Coach die Münchner doch zwei Jahre vor Ablauf seines Vertrags, um lieber Bundestrainer zu werden.

Und Jürgen Klopp? Laut Aussagen seines Beraters steht Klopp im Sommer nicht als Trainer für den FC Bayern zur Verfügung. «Jürgen Klopp wird nach der jetzigen Saison für ein Jahr weder einen Club noch eine Nationalmannschaft trainieren. Dabei bleibt es», sagte Marc Kosicke dem TV-Sender Sky. .

Klopp wäre sicher die Wunschlösung vieler Fans. Der frühere Dortmunder Meistercoach hört zum Saisonende beim FC Liverpool nach fast neun Jahren auf. Er hatte angekündigt, eine Pause einzulegen. 

Von Martin Moravec, Manuel Schwarz, Christian Kunz und Klaus Bergmann, dpa

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