Leverkusen gewann das Halbfinale gegen die Fortuna souverän mit 4:0. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marius Becker/dpa)

Xabi Alonso klatschte diesmal schon vor dem Schlusspfiff mit seiner gesamten Bank ab. Als sein erster Einzug ins Pokalfinale als Coach dann auch offiziell besiegelt war, herzte der Fußballtrainer von Bayer Leverkusen ausgelassen seine Spieler und ging mit in die Kurve, wo die Bayer-Fans den Klassiker «Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin» in Endlosschleife sangen.

«Es macht einfach Spaß mit den Fans zu feiern, in die Gesichter zu gucken, die sich alle freuen», sagte Doppeltorschütze Florian Wirtz nach dem eindrucksvollen 4:0 (3:0) gegen den Zweitliga-Dritten Fortuna Düsseldorf. Das Leverkusener Erfolgsrezept? «Wir gehen jedes Spiel so an, dass wir es gewinnen wollen. Das bleibt bestehen», sagte der Jung-Nationalspieler.

Das mussten auch die chancenlosen Düsseldorfer anerkennen. «Dass es schwer wird, das wussten wir», sagte Torwart Florian Kastenmaier, bemängelte aber auch eigene Versäumnisse: «Wir hatten teilweise eine vogelwilde Aufstellung. Das, was wir uns vorgenommen haben, hat gar nicht funktioniert», klagte er. «Mit dem 3:0 war das Ding gegessen.»

Zum fünften Mal steht der Bundesliga-Tabellenführer im Endspiel des DFB-Pokals und ist dort am 25. Mai gegen Zweitliga-Abstiegskandidat 1. FC Kaiserslautern mit Trainer-Altmeister Friedhelm Funkel (70) turmhoher Favorit.

Bayer auch im 40. Pflichtspiel der Saison unbesiegt

In der Liga haben die seit dem Pokalsieg 1993 komplett titellosen Leverkusener sieben Spieltage vor dem Saisonende nahezu uneinholbare 13 Punkte Vorsprung auf Serienmeister FC Bayern München. Nach 40 Pflichtspielen in dieser Saison ist die Werkself, die zudem auch noch im Viertelfinale der Europa League steht, noch ohne jede Niederlage. Für die jederzeit chancenlose Fortuna platzte der Traum vom ersten Pokalfinale seit 44 Jahren, die Düsseldorfer können sich nun auf den Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga konzentrieren.

Außenverteidiger Jeremie Frimpong hatte Leverkusen mit seinem bereits zwölften Pflichtspiel-Tor in dieser Saison früh in Führung gebracht (7. Minute). Amine Adli (20.) übernahm mit seinem fünften Treffer im laufenden Wettbewerb dann die alleinige Spitze der Torschützenliste. Wirtz legte mit seinem ersten Doppelpack im 141. Pflichtspiel für Bayer Leverkusen nach (35./60., Handelfmeter).

Düsseldorfer Plan geht nach hinten los

Die unter anderem von Edelfan Campino begleitete Fortuna hatte auf dem Weg in ihr erstes Halbfinale seit 28 Jahren keinen einzigen Bundesligisten eliminieren müssen, dafür aber durchweg auswärts gespielt und sich unter anderem bei den Liga-Rivalen Magdeburg und St. Pauli durchgesetzt. Leverkusen hatte zumindest im Viertelfinale einen echten Prüfstein zu bewältigen, als sich die Werkself durch ein Last-Minute-Tor von Jonathan Tah mit 3:2 gegen den Liga-Dritten VfB Stuttgart durchsetzte.

Die Düsseldorfer, die wegen einer Blinddarm-Operation kurzfristig auf Ao Tanaka verzichten mussten, stellten sich trotz einer nominellen Fünferkette im Gegensatz zu vielen Bundesligisten in der BayArena nicht hinten rein. Doch das ging nach hinten los. Von Beginn an schienen die Leverkusener den Zweitligisten zu erdrücken. Nachdem Emmanuel Iyoha in der 4. Minute noch in allerletzter Sekunde vor Frimpong gerettet hatte, erzielte der Niederländer drei Minuten später doch das frühe 1:0, als ihn der Ball nach einer Hereingabe von Granit Xhaka am langen Pfosten erreichte und er ihn unter die Latte drosch.

Boniface feiert Comeback

Nun musste der Zweitligist natürlich erst recht auch den Weg nach vorne suchen – was Leverkusen zusätzliche Räume ermöglichte. So fiel das 2:0 durch Adli durch einen Konter, an dessen Ende Bayer sogar in Überzahl agierte. Nach einem unglücklichen Fehlpass von Fortuna-Torhüter Kastenmaier, in dessen Folge das dritte Tor durch Wirtz fiel, war das Spiel quasi entschieden. Immerhin kam der Zweitligist kurz vor der Pause durch Kapitän André Hoffmann zu einer ersten Großchance (45.).

Nach der Pause änderte sich am Geschehen nichts. Bayer hatte augenscheinlich Lust auf mehr Tore, für Düsseldorf ging es nur noch um Schadensbegrenzung. Als Patrik Schick den Ball an den Pfosten köpfte, schien Düsseldorf dem vierten Tor entgangen. Doch weil Matthias Zimmermann den Ball mit der Hand abgelenkt hatte, gab es per Videobeweis Elfmeter, den Wirtz sicher verwandelte. In der 65. Minute jubelten die Leverkusen-Fans auch ohne Tor euphorisch, als der lange verletzte Torjäger Victor Boniface zum ersten Einsatz im Jahr 2024 kam.

Von Holger Schmidt, dpa

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