Mit den Schiedsrichterentscheidungen waren die Bayern um Harry Kane (r) nicht zufrieden. (Urheber/Quelle/Verbreiter: John Walton/PA Wire/dpa)

Den Ärger über diesen nicht gegebenen Strafstoß nahmen die Stars des FC Bayern München mit in die Nacht.

«Ich weiß schon, was der Schiri will, wenn er da weiter laufen lässt, aber ich glaube nicht, dass er sich da über die Gesetze hinwegsetzen darf», sagte Führungsspieler Thomas Müller nach dem 2:2 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Arsenal. «Was man festhalten muss, dass das mit spielentscheidend sein kann und das können wir uns eigentlich nicht gefallen lassen.» Ein Schiedsrichter sei dafür da, die Regeln umzusetzen.

Gemeint war eine Szene in der zweiten Halbzeit, in der Arsenal-Torwart David Raya einen Abstoß zu dem am Fünfmeterraum postierten Gabriel spielte. Der Brasilianer nahm den Ball mit der Hand auf, legte ihn wieder auf den Rasen und spielte ihn zu Raya zurück, das Spiel ging weiter. Schiedsrichter Glenn Nyberg aus Schweden hatte kurz vor der Ausführung des Abstoßes angepfiffen.

Kane: Der klarste Elfmeter

«Wir hätten einen klaren Elfmeter bekommen müssen, als der Schiri pfeift, der Torwart den Ball passt und Gabriel ihn in die Hand nimmt. Das ist der klarste Elfmeter, den ich je gesehen habe», sagte Stürmerstar Harry Kane.

Der Unparteiische habe den Spielern gesagt, das sei ein Anfängerfehler («kids mistake») gewesen und das pfeife er nicht in einem Viertelfinale der Champions League, berichtete Trainer Thomas Tuchel. «Das ist ja eine ganz neue Form der Regelauslegung.»

Joshua Kimmich sagte, für ihn sei es kein «Kinderfehler, am Ende ist es spielentscheidend und bitter, dass wir ihn nicht bekommen haben». Tuchel bemängelte außerdem, dass die Arsenal-Profis reklamieren konnten, «wie sie wollen».

Ex-Schiri Merk mit geteilter Meinung

Der frühere Schiedsrichter Markus Merk kritisierte seinen schwedischen Kollegen Nyberg, kann dessen Entscheidung aber nachvollziehen. «Sinn und Geist des Fußballs sprechen bei Betrachtung der gesamten Situation, dem unmittelbaren Zusammenhang des Pfiffes bei der ersten Ausführung gegen eine Elfmeterentscheidung. Für alle, die von größter Fehlentscheidung oder gar von Betrug sprechen: Wer möchte in dieser Situation einen Elfmeter gegen sich haben?», sagte Merk (62) auf Anfrage.

Regeltechnisch gebe es in diesem Fall keine Diskussion, es hätte Elfmeter geben müssen, erklärte Merk. «Gerade, wenn Profis und noch auf diesem Niveau solche Fehler machen, müssen sie sanktioniert werden. Wie soll ich sonst dem Bambinikicker erklären, dass er es nicht darf, wo er gesehen hat, dass Arsenal-Star Gabriel dies auch tut?», sagte der langjährige Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter Merk.

Einen Anfängerfehler sah Merk vor allem beim Schiedsrichter. Nybergs Pfiff unmittelbar vor der Ausführung des Abstoßes sei unnötig gewesen und habe somit auch den Arsenal-Spieler irritiert. «Ärgerlich», meinte Merk.

Etwas anders sah es DFB-Regelexperte Lutz Wagner, der Nyberg im «Kicker»-Kommentar «keine glückliche Situation» attestierte, «für die er aber im Sinne des Spiels aus meiner Sicht noch eine praktikable Lösung gewählt hat, keinen Strafstoß zu geben». Besser wäre aber gewesen, «wenn er in dieser Szene deutlicher kommuniziert hätte, dass er das unglückliche Timing seines Pfiffes auf sich nimmt und eine neue Ausführung des Abstoßes gestattet».

Aufreger auch in Schlussminute

Auf Seite der Bayern war der späte Aufreger, als Bukayo Sako im Strafraum nach einem Kontakt mit Manuel Neuer in der Nachspielzeit im Strafraum zu Fall kam, nicht in diesem Maße ein Gesprächsthema. Nyberg entschied sich sichtbar klar gegen einen Elfmeter – und beendete die Partie wenig später recht abrupt. Diesen Elfmeter hätten die Gastgeber eine Woche vor dem Rückspiel in München wiederum sehr gerne gehabt.

Merk hält die Entscheidung des Schiedsrichters für richtig. Saka habe in der Situation «fast mit einem Tritt den Kontakt, das Foul, den Elfmeter» gesucht.

Lothar Matthäus wiederum hätte den Strafstoß in der Nachspielzeit eher gegeben als jenen im Arsenal-Strafraum, wie er dem «Münchner Merkur/tz» sagte – «obwohl es für mich auch kein 100-prozentiger war», wie er anmerkte. Den Handelfmeter hätte der deutsche Rekord-Nationalspieler nicht gepfiffen. «Wenn die Regel so ist, dass der Schiedsrichter den Ball gar nicht freigeben muss – und er auf einmal pfeift –, denkt der Verteidiger doch: Hallo? Was macht der Schiedsrichter jetzt? Warum pfeift er? Deshalb war es für mich kein Handelfmeter.»

Von