Die Spieler Brasiliens halten ein Poster mit Genesungswünschen für Fußballikone Pelé nach dem Abpfiff. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Tom Weller/dpa)

Im Anschluss an die Gala-Vorstellung gegen Südkorea schlurfte Neymar in Flip Flops über den Rasen, danach sendete die gesamte Seleção ein Zeichen an Brasiliens Fußball-Legende Pelé. Angeführt vom wieder genesenen Superstar posierte der Rekord-Weltmeister nach der 4:1 (4:0)-Show mit einem Banner, welches das Konterfei des 82-Jährigen zeigte.

Die Botschaft war klar: auch nach dem lockeren Viertelfinal-Einzug bei der WM in Katar steht die Mannschaft hinter Pelé, der sich seit einigen Tagen im Krankenhaus in São Paulo befindet. Die beeindruckende Machtdemonstration gegen die hoffnungslos überforderten Asiaten dürfte ihm vor dem Fernseher jedenfalls gefallen haben.

«Es geht ihm nicht gut und wir denken an ihn. Wir wünschen ihm nur das Beste und spielen für ihn. Wir hoffen, dass er sich mit uns freut», sagte Neymar zu Pelé und freute sich über den nächsten Schritt in Richtung des sechsten WM-Titels: «Wir träumen vom Titel bei dieser Weltmeisterschaft. Drei Spiele fehlen uns noch, wir sind bestens vorbereitet und mental voll darauf fixiert.»

Der Rekord-Weltmeister zog am Montagabend in die nächste Runde des Turniers in Katar ein. Allein in der ersten Halbzeit im Stadion 974 erzielten die Südamerikaner durch Vinicius Júnior (7. Minute), Neymar (13./Foulelfmeter), Richarlison (29.) und Lucas Paquetá (36.) die vier Tore, von denen eines schöner als das andere war. Dem Ex-Darmstädter Seung-Ho Paik (76.) gelang der Ehrentreffer für den Außenseiter. In der Runde der besten acht Teams treffen die Brasilianer nun auf Vize-Weltmeister Kroatien.

Für Pelé: «Wir widmen ihm diesen Sieg»

«Man wächst in so ein Turnier rein und jedes Spiel wird einen Tick besser. Wir sind super eingespielt», sagte Brasiliens Vinicius Júnior und dachte ebenfalls an Pelé: «Wir widmen ihm diesen Sieg. Wir hoffen, dass er möglichst schnell wieder aus dem Krankenhaus kommt und dass wir für ihn Weltmeister werden können.»

Vor den 43.847 Zuschauern waren nicht mal 15 Minuten gespielt, da hatten die Brasilianer schon zweimal vor der Fankurve ihre Freudentänze aufgeführt. Erst setzte der starke Raphinha auf der rechten Außenbahn zum Dribbling an, zog in den Strafraum und legte quer auf Vinicius Júnior. Anstatt direkt abzuschließen, nahm der 22-Jährige den Ball in Ruhe an, visierte die rechte Ecke an – und schlenzte den Ball ins Tor. Anschließend hüpfte erst die gesamte Mannschaft Arm in Arm vor der Kurve, dann führten Neymar, Vincius Júnior, Lucas Paquetá und Raphinha noch eine Samba-Einlage auf. Vier Minuten später hüpften sie schon wieder.

Diesmal wurde Richarlison im Strafraum gefoult, Schiedsrichter Clément Turpin entschied auf Elfmeter. Und jetzt forderten die Fans den von seiner Fußverletzung genesenen Neymar als Schützen. Der 30-Jährige verzögerte seinen Anlauf und schob den Ball gemächlich ins rechte untere Eck. Weil Südkoreas Torhüter stehen blieb, trudelte der Ball ins Tor. Durch diesen Treffer ist der Superstar nun neben Pelé und Ronaldo der einzige Brasilianer, der bei drei verschiedenen Weltmeisterschaften getroffen hat. Und die Seleção hörte nicht auf.

Südkorea zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr

Zu keinem Zeitpunkt des Spiels deutete sich an, dass die Südkoreaner dem Rekord-Weltmeister ernsthaft gefährlich werden könnten. Ihren Ausnahmespieler Heung-Min Son bekamen die Asiaten kaum ins Spiel. Zudem waren sie überfordert mit Tempo und technischer Klasse des Favoriten. Zwar prüfte der ehemalige Leipziger Hee-Chan Hwang (17./32.) Torhüter Alisson im ersten Durchgang gleich zweimal. Aber zu beiden Zeitpunkten führte Brasilien bereits komfortabel. Die Seleção ließ nur zu, was sie angesichts des einseitigen Spiels auch zulassen konnte. In Gefahr geriet ihr Sieg nie. Stattdessen wurde die Höhe ausgebaut.

Nach einer herrlichen Kombination über drei Stationen und mit jeweils nur einem Kontakt war Richarlison frei vor dem Tor der Südkoreaner und schob lässig ein. Ein paar Minuten später wurde es noch schöner. Diesmal leitete Neymar einen Konter der Seleção ein und legte den Ball auf Vinicius Júnior, dessen Flanke im Zentrum von Paquetá per Direktabnahme ins Netz befördert wurde. Wieder tanzten die Brasilianer im Anschluss vor der Fankurve. Die Asiaten konnten einem fast schon leidtun. 

Sie kamen auch im zweiten Durchgang nicht mehr ran, obwohl die Seleção es nun entspannter angehen ließ. Dadurch erspielte sich der Außenseiter sogar Chancen, scheiterte aber jeweils am starken Alisson: einmal parierte der Keeper des FC Liverpool gegen Son (47.), ein weiteres Mal wehrte er einen Schuss von Hwang (68.) überragend ab. Einmal waren die Südkoreaner aber doch noch erfolgreich. Ein schöner Schuss von Paik schlug leicht abgefälscht im Tor ein.

Nils Bastek und Tom Bachmann, dpa

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