Bayern-Trainer Julian Nagelsmann war nach dem 1:1 in Berlin genervt. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Andreas Gora/dpa)

Ein müder Auftritt ist genug – erst recht für Julian Nagelsmann. An den knappen, schmallippigen Antworten des manchmal überehrgeizigen Bayern-Trainers war deutlich abzulesen, wie sehr ihn dieser Bundesliga-Dämpfer in Köpenick nervte.

Eine Wiederholung zum Champions-League-Auftakt bei Inter Mailand darf es aus Rekordmeistersicht nicht geben. «Das Energielevel muss wieder so sein, wie die Spiele zuvor», sagte Nagelsmann nach dem enttäuschenden 1:1 im Spitzenspiel bei Union Berlin. «Wir waren im Kopf nicht einhundertprozentig wach in einigen Situationen.»

Zweimal 1:1 – die Münchner, die bis vor Kurzem noch so unaufhaltsam schienen, gewinnen eben doch nicht immer. Gegen Borussia Mönchengladbach konnte das noch auf «Chancenwucher» zurückgeführt werden, wie Nagelsmann sagte. Nun müssen seine Profis vor dem Auftakt der Gruppenphase in der Königsklasse bei Inter Mailand am Mittwoch (21.00 Uhr/DAZN) die erste wirklich enttäuschende Leistung der Saison verarbeiten.

Inter wie Union?

Tief stehen, diszipliniert verteidigen, clevere Fouls und eiskalt vor dem Tor: Unions Stärken werden auch italienischen Mannschaften nachgesagt. Droht also das nächste zähe Anrennen gegen ein Abwehr-Bollwerk? «Inter spielt schon ein bisschen anders», sagte Nagelsmann, ergänzte aber: «Es hat schon Parallelen, aber ich gehe jetzt gar nicht so ins Detail, sonst machen sie vielleicht was anderes.» Er glaube aber nicht, dass sich die Mailänder nur auf das Verteidigen beschränken werden.

Torwart Manuel Neuer kam zu einem ähnlichen Schluss: «Da sehen wir vielleicht auch unsere Chance, dass Inter versucht, mehr zu spielen, dass wir dann auch Ballgewinne im Mittelfeld und einen kürzeren Weg zum gegnerischen Tor haben.»

Nagelsmann schlug das Spiel in Köpenick mächtig aufs Gemüt. Seine Antwort auf die Frage nach seiner Erklärung für die mangelnde Energie: «Weiß ich nicht, das ist manchmal so.» Dass seine Mannschaft vorerst auf Rang drei abgerutscht ist? Das sei ihm am fünften Spieltag «tatsächlich relativ scheißegal». Er wolle immer gewinnen, «deswegen antworte ich kurz und bin angespannt».

Keine Stürmer-Debatte

Genervt schien er auch davon, dass es nach nur einem Spiel ohne absolute Dominanz Fragen nach mangelnder Kreativität gab: «Gegen Gladbach hatten wir 31 Torschüsse. Ich glaube, das ist kreativ genug», sagte er. Auch eine Mittelstürmer-Debatte nach dem Abgang von Robert Lewandowski angesichts des Chancenwuchers zuletzt will er nicht zum Thema werden lassen. «Wie viel Tore haben wir geschossen? Plus 14, glaube ich.»

Gegen Union hätte das Team mehr taktische Disziplin gebraucht. «Das war ein bisschen mehr Freigeist, und dann ist es schwer beim Gegner das zu provozieren, was wir sehen wollen», sagte Nagelsmann.

Thomas Müller, der zunächst auf der Bank saß, sah wie sein Trainer auch Mängel beim Nutzen der wenigen Gelegenheiten: «In den restlichen Situationen, wo wir gefährlich werden hätten können, hat einfach die letzte Aktion nicht ganz gepasst und war einen Tick zu unsauber.»

Kein Risiko bei Musiala

Müller kam für Jungstar Jamal Musiala ins Spiel, den eine Blessur plagte. «Ich hatte das Gefühl, dass er immer noch nicht bei 100 Prozent ist. Er hat immer wieder diese Bewegung an der Hüfte gemacht, ein- und ausrotiert», sagte Nagelsmann. Deswegen habe man kein Risiko eingehen wollen.

Die Enttäuschung von Berlin müssen die Bayern abschütteln. «Das Auftaktspiel ist in so einer Gruppenphase einfach ganz wichtig für das Gefühl und den weiteren Verlauf, um nicht unter Druck zu geraten», sagte Müller.

Für den 32-Jährigen ist es auch aus anderen Gründen ein besonderes Spiel. Er schwärmt für das ikonische San Siro. «Es ist zwar nicht mehr das modernste Stadion, aber ich war als Kind schon mal als Zuschauer dort und bin immer noch sehr beeindruckt von der Geschichte», sagte er. «Wenn Sie da mal im Oberring gesessen haben, wissen Sie, was los ist.»

Von David Langenbein, dpa

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